Bau einer Moschee Brettens Gemeinderat kippt Standort

Ex-OB Paul Metzger  – einst auch kurzzeitig KSC-Präsident – soll den Kurswechsel befürwortet haben. Foto: dpa
Ex-OB Paul Metzger – einst auch kurzzeitig KSC-Präsident – soll den Kurswechsel befürwortet haben. Foto: dpa

Die Moschee in Bretten soll nun an einem neuen Standort, abgelegen im so genannten „Gleisdreieck“ gebaut werden. Das hat der Gemeinderat der Stadt kürzlich entschieden – und der frühere OB Paul Metzger gilt als Motor dieses Kurswechsels.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Bretten - Eigentlich schien das Projekt beschlossene Sache zu sein. Schon vor der Kommunalwahl im Mai vorigen Jahres hatte der Brettener Gemeinderat nahezu einstimmig den Bau einer Moschee am Stadteingang an der Pforzheimer Straße befürwortet. Doch Anfang der Woche hat das Gremium diese Standortentscheidung gekippt. Die CDU, die zuvor mehrheitlich für ein frei geräumtes Industrieareal war, stimmte jetzt plötzlich für ein Gelände im so genannten Gleisdreieck – eingezwängt zwischen Schienenstränge, und mehr oder weniger versteckt hinter einem großen Bürogebäude .

Das sorgt vor Ort jetzt in Bretten für Irritationen – wo doch die Kleinstadt im Kraichgau bei Karlsruhe sonst eher wenige Schlagzeilen macht. Bretten hatte mit Paul Metzger zuletzt einen Langzeitregenten, der CDU-Politiker war 24 Jahre lang Oberbürgermeister. Doch allem Anschein nach kann der mittlerweile 70-Jährige, fünf Jahre nach seiner Verabschiedung aus dem Rathaus, noch nicht von der Politik lassen.

Viele vermuten, dass Metzger hinter den Kulissen agitierte

Nicht wenige in der 28 000 Einwohner zählenden Stadt sehen in ihm den Hauptverantwortlichen für den radikalen Kurswechsel im Rathaus. Schon zuvor waren die Leserbriefspalten voll mit Pro und Contra-Argumenten zum Thema Moschee. „Raus aus dem Hinterhof“, war eine der Forderungen. Sie habe immer gedacht, Entscheidungen würden im Gemeinderat gefällt, schrieb eine Leserin. Rund 450 Teilnehmer zählte eine Informationsveranstaltung in der zweiten Januarwoche, in der zeitweilig hitzig diskutiert wurde. Da hatte auch der seit 2010 amtierende parteilose Rathauschef Martin Wolff schon zu erkennen gegeben, dass er den Standort an der Pforzheimer Straße gerne aufgeben würde und das Gleisdreieck bevorzugt. War der OB eingeknickt vor der veränderten Stimmungslage? Egal wen man anspricht, der Schuldige scheint ausgemacht: „Agitator ohne Mandat“, benennt ihn einer – gemeint ist damit der frühere OB Paul Metzger. Dieser benehme sich weiterhin „wie ein Volkstribun“, sagt ein anderer. Klar ist eins: der frühere Rathauschef hatte sich bei der Bürgerinformation – und schon zuvor – sehr vehement für den Standort „Gleisdreieck“ ausgesprochen. Für das freigeräumte und seit rund fünf Jahren brach liegende Areal an der benachbarten Pforzheimer Straße, sollen nun dagegen plötzlich Investoren für Gewerbebauten bereit stehen. Die SPD-Fraktionschefin Renate Knauss bezweifelt das. Sie kritisierte de n Kurswechsel deutlich. Allein der vor elf Monaten gefundene Standort „sei der Stadt würdig“, sagte sie.

Auch der neue OB hat für den anderen Standort gestimmt

Von 24 Gemeinderäten hatten sich 22 damals dafür ausgesprochen. Die Kehrtwende in dieser Woche wurde von 15 Gemeinderäten befürwortet, darunter die acht Räte der CDU, die Gruppe „die Aktiven“, sowie Teile der Freien Wähler. Auch OB Martin Wolff hatte für den veränderten Standort gestimmt. Ein Gemeinderat bezeichnete derweil das nun favorisierte Gleisdreieck als „das letzte Loch“, das jahrelang brach gelegen habe und nun als „Sahnestück“ angepriesen werde. Die Brettener Muslim-Gemeinde „Grüne Moschee“ hatte sich in ihrer Vollversammlung erst vor wenigen Tagen erneut deutlich dagegen ausgesprochen. Derzeit ist offen, wie die Muslime mit dem Gemeinderatsbeschluss umgehen. Ein Sprecher der Freien Wähler äußerte die Vermutung, „dass andere Konfessionen einen Kirchenbau zwischen den Gleisen ablehnen würden“. Derweil legte SPD-Fraktionschefin Knauss, seit 1989 im Gemeinderat, dem früheren Rathauschef Paul Metzger nahe, „sich endlich rauszuhalten aus der Gemeindepolitik“. Sie hatte ihn zuvor nahezu 24 Jahre lang im Rathaus erlebt.

Unsere Empfehlung für Sie