InterviewBaubürgermeister Peter Pätzold „Gemeinsamkeit zwischen S-21-Gegnern und Befürwortern

Von Thomas Braun 
Ein großes Projekt Ihrer ersten Amtszeit wird sicher die Planung des Rosensteinviertels hinter dem Hauptbahnhof sein. Wie schwer fällt es dem grünen S-21-Kritiker Pätzold, nun auf konstruktiv umzuschalten, Ist das nicht ein politischer Spagat?
Nicht ganz. Das zentrale Gebiet für das Rosensteinviertel, das sogenannte C-1- und C-2-Gelände, war ja auch in der Variante Kopfbahnhof 21 für Wohnungsbau vorgesehen. Deshalb diskutieren wir hier im Kern über eine Gemeinsamkeit zwischen Gegnern und Befürwortern von S 21. Man muss die Situation jetzt nehmen, wie sie ist. Stuttgart 21 ist demokratisch beschlossen. Es gab in allen damit befassten politischen Gremien Mehrheiten für das Projekt, und wir haben das Ergebnis der Volksabstimmung zu respektieren. Ich glaube, dass das Thema Stadtplanung sich gut dafür eignet, dass Gegner und Befürworter wieder miteinander ins Gespräch kommen.
Auch beim Bau des neuen Quartiers setzen Sie stark auf die Bürgerbeteiligung. Dürfen die Bürger auch wirklich mitbestimmen?
Ich glaube, es ist sehr wichtig, den Bürgern zu vermitteln, bis zu welchem Punkt sie tatsächlich mitbestimmen können. Am Ende entscheidet aber der Gemeinderat. Man muss über Großprojekte früher als bisher mit der Bürgerschaft diskutieren, da hat die Stadtverwaltung schon in den vergangenen Jahren viel dazugelernt. Ich denke, die Bürger verstehen sehr wohl, das man am Ende nicht alle Ideen umsetzen können wird.
Viele Grüne und andere passionierte Zweiradfahrer träumen von einer fahrradgerechteren Stadt. Wie wollen Sie in Ihrer Funktion als Umweltbürgermeister da schneller vorankommen?
Die verschiedenen Verkehrsmittel dürfen nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Die Frage ist doch, wie eine nachhaltige Verkehrspolitik aussieht, damit wir nicht in Luftschadstoffen ersticken oder krank vor Lärm werden. Es hat aber keinen Sinn, das Pendel jetzt von der autogerechten Stadt einseitig hin zur fahrradgerechten Stadt schwingen zu lassen. Da braucht es Pragmatismus, man muss die Bedürfnisse gegeneinander abwägen. Als Radfahrer und Fußgänger habe ich aber sicher einen anderen Blick auf deren Bedürfnisse als jemand, der ausschließlich mit dem Auto unterwegs ist.




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