Baudebakel in Berlin Kein Lichtblick im Flughafen-Chaos

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Auch der Sanierer Hartmut Mehdorn hat bisher keine zählbaren Erfolge beim Hauptstadt-Flughafen vorzuweisen. Vor der Aufsichtsratssitzung am Freitag ist der Eröffnungstermin noch immer offen – und die Kosten könnten weiter steigen.

Pleiten, Pech und Pannen – das ist das Motto beim Hauptstadtflughafen. Foto: dpa
Pleiten, Pech und Pannen – das ist das Motto beim Hauptstadtflughafen. Foto: dpa

Berlin - Es ist ein schwieriger und undankbarer Job, der Fingerspitzengefühl verlangt. Seit März versucht Hartmut Mehdorn als neuer Chef der staatlichen Berliner Flughäfen das Baudebakel beim Hauptstadtairport BER zu lösen. Doch der 71-jährige Manager, dessen Berufung umstritten war, agiert wenig erfolgreich. Kaum eine seiner Ideen trägt Früchte – und ein Termin für die Eröffnung des BER steht immer noch nicht fest.

Der ehemalige Bahn-Chef hat sich mit seiner ruppigen Art auch im neuen Amt bisher wenig Freunde gemacht. Mit immer neuen und zu wenig durchdachten Vorschlägen verursacht der Berliner Dickschädel Verwirrung und politischen Ärger. Erst favorisierte er den Weiterbetrieb des Westberliner Airports Tegel, dann eine Teileröffnung des BER Ende des Jahres. Beides erwies sich schon wegen geltender Verträge und Genehmigungen als wenig realitätsnah.

Der Sanierer Mehdorn liegt mit seinem Chef Amann über Kreuz

Hinzu kommen interne Querelen. Es ist kein Geheimnis, dass Mehdorn mit seinem Vize Horst Amann über Kreuz liegt, der voriges Jahr als Hoffnungsträger vom Flughafen Frankfurt nach Berlin gekommen ist. Beide verfolgen unterschiedliche Konzepte für eine Teileröffnung des BER. Schon vor Monaten soll Mehdorn intern die Ablösung seines Kollegen betrieben haben, zunächst erfolglos.

Einige Beobachter machen auch Mehdorns Aktionismus und Sturheit dafür verantwortlich, dass sich bisher kein neuer Oberaufseher für die hochverschuldete und verlustreiche Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) gefunden hat. Die FBB betreibt die Flughäfen in Tegel und Schönefeld und gehört den beiden Ländern und dem Bund. Das staatliche Unternehmen soll den Bau des künftig einzigen Hauptstadtflughafens stemmen und erlebte in den mehr als 20 Jahren seit Planungsbeginn schon zahlreiche Turbulenzen und Fehlschläge.

Noch immer ist kein Aufsichtsratschef gefunden

Am Freitag tagt der FBB-Aufsichtsrat. Gesucht wird ein neuer Vorsitzender, nachdem der bisherige Oberkontrolleur, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, den Rückzug aus seinen Ämtern angekündigt hat. Der SPD-Mann hatte den Vorsitz erst zu Jahresbeginn von seinem Parteikollegen Klaus Wowereit übernommen, dem das Airportdebakel mit angekreidet wird. Platzeck geriet mit Mehdorn rasch aneinander, unter anderem wegen der heiklen Nachtflug- und Lärmproblematik, die Zehntausende Bürger betrifft.

So überrascht es angesichts der vertrackten Lage kaum, dass Platzecks designierter Nachfolger Dietmar Woidke zwar Ministerpräsident, aber nicht FBB-Aufsichtsratschef werden will. Auch der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat bereits abgewunken, obwohl der CSU-Mann nicht müde wird, Mehdorn als „richtigen Mann“ für das Aufräumen beim BER zu preisen. Auch andere Politiker reißen sich nicht um den Chefposten im Aufsichtsrat bei diesem Pannenprojekt.

Mehdorn gilt als Notnagel

Mehdorn gilt als Notnagel. Zuvor fahndeten die FBB-Eigner monatelang vergeblich nach einem Nachfolger für den glücklosen Flughafenchef Rainer Schwarz, der wegen des Termin- und Kostendesasters beim BER-Bau entlassen wurde. Besonders die Grünen kritisierten Mehdorns Berufung, da ihm jede Erfahrung mit Flughäfen fehle und er als Bahn-Chef den überzogenen Spar- und Renditekurs, die Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 sowie das Berliner S-Bahn-Chaos mit zu verantworten habe.

Die Bilanz seiner bisherigen Arbeit fällt mager aus. Mehdorn machte zwar jede Menge Schlagzeilen und erzeugte anfangs Aufbruchstimmung, aber die Hoffnung, dass rasch alles besser wird, erfüllte sich nicht. Das neue Sanierungsprogramm Sprint kostet 20 Millionen Euro, zeitigt aber kaum Erfolge. Immerhin konnte Anfang Juli mit dem Frachtzentrum ein erster Teil des BER fertiggestellt werden.