Bauhofleiterin in Gerlingen Sie hält mit ihrem Team die Stadt in Schuss

Sind in der Stadt Halteverbote nötig? Das Team der Gerlinger Bauhofchefin Beate Häußer stellt die Schilder auf. Foto: Jürgen Bach

Beate Häußer ist die erste Frau an der Spitze des Bauhofs in Gerlingen. Und behauptet sich in einem Umfeld, in dem ein dickes Fell vonnöten ist.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Die Liste der Aufgaben, die die Mitarbeitenden von Beate Häußer täglich erfüllen, ist lang. Und es würde den Bürgerinnen und Bürgern missfallen, zumindest auffallen, blieben die Jobs unerledigt. Sie reinigen Spielplätze und reparieren Rutschen, Schaukeln und Co., sie beseitigen Müll, pflanzen und pflegen Bäume, gestalten Blumenbeete und Kreisel, kümmern sich um Verkehrsschilder und Ampeln, streuen im Winter Straßen und Wege, wechseln defekte Leuchtmittel: Beate Häußer ist die Chefin des Gerlinger Bauhofs mit 45 Angestellten. Davon sind sieben Frauen, immerhin, denn Bauhöfe sind eine Männerdomäne.

 

Die 42-jährige Häußer ist die erste Frau an der Spitze der Einrichtung in der Maybachstraße, die im Prinzip so etwas ist wie der Handwerksbetrieb der Stadt. Zunächst, bei ihrem Antritt vor bald acht Jahren, führte die Diplom-Verwaltungswirtin den Bauhof kaufmännisch, zusammen mit einem technischen Leiter. Mittlerweile gehört die Doppelspitze der Vergangenheit an. Beate Häußer hat für die Bereiche Straße, Grün und Bau jeweils einen technischen Leiter eingestellt. Sie selbst ist für die Personalführung zuständig, das Rechnungswesen und Controlling. „Ich bin auch das Bindeglied zum Verwaltungsapparat und stehe zum Beispiel dem Gemeinderat Rede und Antwort.“ Die Arbeit im Bauhof sei so unglaublich vielseitig wie spannend, sagt Beate Häußer. „Man merkt jeden Tag, was man gemacht und verändert hat.“ Ergebnisse zu sehen, das sei ihre tägliche Motivation.

Wissen in Köpfen statt Computern

Beate Häußer hat schon immer in der Gerlinger Stadtverwaltung gearbeitet, zuletzt war sie in der Kämmerei. Als ihr zweiter Sohn drei Jahre alt war, bekam sie die Möglichkeit, als kaufmännische Leiterin im Bauhof einzusteigen. In Teilzeit, mit 60 Prozent. Heute arbeitet sie 80 Prozent. „Ich bin für meine Mitarbeitenden trotzdem jederzeit zu erreichen“, sagt Beate Häußer.

Sie habe damals ein Auftragswesen eingeführt, Strukturen reingebracht, Abläufe optimiert. „Auch ein städtischer Bauhof muss wirtschaftlich arbeiten“, sagt sie. Nicht, dass Chaos geherrscht habe, aber es seien eben andere Zeiten gewesen. Zeiten, in denen das Wissen der Mitarbeitenden vor allen Dingen in deren Köpfen und weniger im Computer gespeichert war. Unter anderem führte Beate Häußer ein Baumkataster ein, das die mehr als 3000 Bäume allein im Stadtgebiet umfassend dokumentiert.

„Habe Kämpfe führen müssen“

Beate Häußer berichtet, sie sei damals sehr offen empfangen worden – bis auf wenige Ausnahmen. Ein paar Mitarbeiter – ältere, festgefahrene, die schon Jahrzehnte im Bauhof arbeiteten – hätten Unruhe reingebracht, weil sie so ihre Probleme mit ihr gehabt hätten: einer Frau, noch dazu Beamtin und deutlich jünger als sie selbst, die keinen technischen Hintergrund hat, Dinge verändern will, soll und obendrein auch mal unbequeme Entscheidungen trifft. „Ich habe schon Kämpfe führen müssen“, erinnert sich Beate Häußer. Als Mann, meint sie, hätte sie es vielleicht ein bisschen einfacher gehabt. „Als Frau ist es grundsätzlich schwierig, in eine Männerdomäne reinzukommen.“ Doch die 42-Jährige sagt auch: „Respekt muss man sich überall erarbeiten.“ Darüber hinaus hätten ihre Vorgänger alle zwei, drei Jahre gewechselt. „Viele meiner Mitarbeitenden gingen davon aus, dass auch ich nach einigen Jahren wieder weg bin.“

Sie täuschten sich. Beate Häußer behauptet sich in einem Umfeld, „in dem man nicht zart besaitet sein darf“, wie sie sagt. Was sie damit meint? Das Handwerk sei etwas völlig anderes als die Verwaltung, der Ton rauer. „Die Leute sagen, was sie denken. Sie sind direkt und geradlinig, das schätze ich sehr.“ Alles gefallen lässt sich Beate Häußer freilich trotzdem nicht. „Ich ziehe klare Grenzen. Generell muss man als Führungskraft klare Vorgaben machen.“ Schwierig sei indes der Spagat zwischen einerseits auf die Bedürfnisse der so verschiedenen Mitarbeitenden einzugehen und andererseits der Notwendigkeit, dass Aufgaben erledigt und Ergebnisse geliefert werden müssen.

Ihren Führungsstil bezeichnet Beate Häußer als kooperativ. Sie lasse den Bereichsleitern freie Hand, weil sie wisse, dass sie das schätzen und es sie motiviert. „Aber wenn ich merke, etwas läuft nicht, kann ich auch anders“, sagt die 42-Jährige und lacht. Ihr Anspruch sei, dass sich die Mitarbeitenden wohlfühlen. Zumal ihr bewusst ist, wie wertvoll gutes Personal in Zeiten des Fachkräftemangels ist – aktuell seien vier Stellen offen im Bauhof, der insgesamt gut ausgestattet sei. „Mit guten Argumenten bekommt man, was man braucht“, stellt Beate Häußer fest. „Ich versuche immer, das Beste rauszuholen, auch finanziell.“

Person muss zur Stelle und ins Team passen

Besetzt sie Stellen, achtet die 42-Jährige nicht nur darauf, dass die Person zur Tätigkeit passt. Wobei es dann egal sei, ob es ein Mann oder eine Frau ist. „Der oder die Neue muss immer auch ins Team passen“, sagt Beate Häußer, die auf Hospitationen setzt. Und Fragen nach mehr Frauen in Führungspositionen oder ob Frauen anders führen als Männer deshalb weder mit Ja noch Nein beantwortet. „Vieles ist Typsache und hängt vom Charakter einer Person ab“, findet Beate Häußer. Dagegen war für sie immer klar, dass sie sowohl für ihre Kinder da ist als auch arbeitet. Beate Häußer sagt mit Blick auf etwa Teilzeit: „In den vergangenen Jahren hat sich zum Glück eine Menge getan.“

Frauen in Führungspositionen

Die Serie
 Im Krankenhaus, im Maschinenbaubetrieb, im Rathaus: Wir porträtieren in einer Serie Frauen, die auf der Karriereleiter ganz nach oben geklettert sind. Dass Frauen in der Chefetage nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind, zeigen die Zahlen.

Die Zahlen
 Laut der Online-Plattform Statista beträgt im Jahr 2023 der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland gerade mal 24 Prozent. In Baden-Württemberg sind es 22,2 Prozent. Nur in Bremen sieht es mit 19,5 Prozent noch mauer aus. An der Spitze steht Brandenburg: mit 29,5 Prozent.

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