Baumaschinenhersteller Putzmeister In Aichtal geht die Angst um

Nach Bekanntwerden der Verkaufspläne demonstrieren die Mitarbeiter in Aichtal. Quelle: Unbekannt 4 Bilder
Nach Bekanntwerden der Verkaufspläne demonstrieren die Mitarbeiter in Aichtal. Quelle: Unbekannt

Der Eigentümer des Betonpumpenherstellers Putzmeister will seine Nachfolge regeln und verkauft das Unternehmen an einen chinesischen Konzern.

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Aichtal - Über die Filder fegt ein eisiger Winterwind. Frostig ist auch die Stimmung bei den 700 Beschäftigten des Betonpumpenherstellers Putzmeister. An diesem grauen Januarmorgen sind sie vor dem Werkstor zusammengekommen, weil sie hören mussten, was sie fast unglaublich finden: Eigentümer Karl Schlecht wird das vor gut 50 Jahren von ihm selbst gegründete Unternehmen an einen chinesischen Konzern verkaufen.

Über das Wochenende haben sie durch Gespräche in Aichtal, aber auch durch Medienberichte über die Absichten des Firmenpatriarchen erfahren. "Das ist eine Katastophe", sagt ein Beschäftigter im Blaumann, der seit 1976 bei Putzmeister arbeitet. "Das war das Ortsgespräch über das Wochenende", sagt ein Mitglied des Sportvereins SV 07 Aich, "jeder Mitarbeiter bangt nun, wie es weitergehen wird."

Warmer Beifall am kalten Wintermorgen

Am Freitag waren die Beschäftigten noch ohne jede Information durch die Geschäftsleitung nach Hause gegangen - diese stellte die Pläne für den Verkauf an den chinesischen Baumaschinenkonzern Sany Corp. erst am Montag in einer Belegschaftsversammlung vor. Durch Medienberichte, aber auch durch Gespräche im kleinen Ort Aichtal jedoch war bereits durchgesickert, dass Putzmeister künftig von anderen Herren regiert werden sollte.

Vor der Unternehmensführung war auch bereits die IG Metall Esslingen präsent. Am Samstag hatte Sieghard Bender, der Erste Bevollmächtigte, in der Stuttgarter Zeitung von dem Einstieg des Baumaschinenriesen aus dem Reich der Mitte erfahren. Bereits am frühen Montagmorgen eine Kundgebung auf die Beine zu stellen - das war eine Profiarbeit, zu der der Funktionär nur so viel sagt: "Wir sind Gewerkschafter, zumindest in Esslingen."

Nun steht er auf einer Hebebühne und verkündet, dass sich nicht kampflos vom chinesischen Drachen verschlingen lassen will: "Wir wollen eine Standortsicherungsvertrag bis 2020", ruft Bender den Mitarbeitern - dafür gibt es warmen Beifall an diesem kalten Wintermorgen. Und der Mann von der IG Metall will noch mehr: mehr Mitbestimmung im Unternehmen, aber auch Geld für die Beschäftigten: "Wir wollen auch einen Teil des Verkaufserlöses", verlangt Bender.

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