Bauprojekt der Abfallwirtschaft Stuttgart 360 Millionen Euro für neue Zentrale

Auch vom Heinrich-Baumann-Steg aus ist die tatsächliche Größe des AWS-Grundstücks an der Cannstatter Straße nur zu erahnen. Foto: Jürgen Brand

Das große Areal in Stuttgart-Ost wird umgestaltet und neu bebaut. Das Mammutprojekt soll bis zum Jahr 2038 abgeschlossen werden.

Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) der Landeshauptstadt will seine Zentrale in Stuttgart-Ost bis zum Jahr 2038 grundlegend modernisieren und umgestalten. Die Kosten für das Großprojekt werden zum jetzigen Zeitpunkt grob auf rund 360 Millionen Euro geschätzt. Darin ist keine Prognose über künftige Baupreisentwicklungen enthalten. Eine Machbarkeitsstudie sieht künftig einen Nutzungsmix auf dem großen innerstädtischen Areal vor, perspektivisch beispielsweise auch mit einer Betriebskita und neuen Wohnungen. Möglich wird das durch eine deutlich intensivere Bebauung des Grundstücks als bisher.

 

Die tatsächliche Größe des Areals an der Heinrich-Baumann-Straße ist für Außenstehende nur schwer zu erahnen. Zur Neckarstraße hin wird es von den Gebäuden des ehemaligen Arbeitsamts und des Zeppelin-Gymnasiums abgeschirmt. Auf der anderen Seite ist es durch die Cannstatter Straße, die B 14, nicht zugänglich. Die einzige Zufahrt erfolgt bis heute über die Pforte an der Heinrich-Baumann-Straße.

Fläche wird seit 100 Jahren von Müllwirtschaft genutzt

Die mehr als 25 000 Quadratmeter Fläche werden schon seit rund einem Jahrhundert genutzt. „Die Gebäudestruktur auf dem Standort ist im Laufe der vergangenen 100 Jahre gewachsen und entspricht bei Weitem nicht mehr den aktuell geltenden Anforderungen”, heißt es in der Begründung zur Beschlussvorlage für den Gemeinderat aus dem vergangenen Jahr. Insgesamt stehen dort zehn einzelne Gebäude, vier davon seien „nicht mehr wirtschaftlich sanierbar“, heißt es in der Vorlage.

Bei einem der Gebäude bestehe sogar Einsturzgefahr, hieß es in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost, bei der die Pläne erläutert wurden. „Die Heizung kennt nur die Einstellungen 0 und 1”, sagte ein AWS-Vertreter. Die Werkstattgruben seien aus den 1930 Jahren und viel zu kurz für die heutigen AWS-Fahrzeuge. Eine Verlegung der Zentrale kommt für die AWS nicht in Frage: „Die zentrale Lage des Standortes ist für die Erfüllung der von hier durchzuführenden essenziellen Aufgaben der Infrastruktur für die Landeshauptstadt Stuttgart unabdingbar.”

Durch Verdichtung soll Platz für andere Nutzungen entstehen

Die Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass durch eine Verdichtung auf dem Grundstück mehr als 21 000 Quadratmeter Nutzfläche gewonnen werden könnten. Möglich werden soll das durch das sogenannte Urban Sandwich-Prinzip. Dabei sollen die AWS-Nutzungen im Sockelgeschoss untergebracht werden. Eine massive Überdeckelung mit einer „grünen Plattform“ soll den unvermeidlichen AWS-Lärm von den Obergeschossen abhalten.

Die Planer sehen die künftige Erschließung des Areals direkt von der B 14 (Cannstatter Straße) vor. So könnte die öffentliche Grünfläche zu einem attraktiven Quartiersplatz umgestaltet werden, beispielsweise auch als Platz für Jugendliche. Der Heinrich-Baumann-Platz wäre dann die Grünverbindung vom Stöckach in den Schlossgarten hinüber. Die neue AWS-Zentrale soll klimaneutral sein und mit Fernwärme versorgt werden. Aktuell werden die Treibhausgasemissionen von dort mit jährlich 540 Tonnen CO2-Äquivalent angegeben, die bei einer Realisierung der Pläne komplett wegfallen würden.

Manche Gebäude gelten als einsturzgefährdet

In nächsten Schritten sollen der Untergrund des Areals weiter untersucht und das bisher vorgesehene Raumprogramm weiter optimiert werden. Die Ergebnisse werden dann mit der Machbarkeitsstudie die Grundlage für einen Architektenwettbewerb bilden. Dieser Wettbewerb ist für das Jahr 2025 geplant. Parallel dazu wird bereits ein neuer Bebauungsplan für das Gebiet geschaffen, um die verdichtete Bebauung möglich zu machen. Danach soll das Projekt Stück für Stück unter laufendem Betrieb verwirklicht werden. Als früheste mögliche Fertigstellung aller Bestandteile wird zurzeit das Jahr 2038 angesehen. Baustart soll so schnell wie möglich mit dem bisher als Garage und Zentralwerkstatt genutzten lang gestreckten Gebäude 9 aus dem Jahr 1940 sein. Dort besteht sogar Einsturzgefahr. 2028 soll der Neubau fertig sein. Das würde die nicht immer ganz einfache Arbeitssituation für die 1000 Mitarbeiter in der AWS-Zentrale in einem ersten Schritt schon deutlich verbessern.

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