Bauprojekt in Gerlingen Die Innenstadt bleibt eine Baustelle

Von Stefanie Köhler 

Das Träuble-Areal in Gerlingen ist fertig, jetzt wird drumherum gebaut: An der Kreuzung entsteht ein Mini-Kreisverkehr, außerdem werden die Leonberger und Ditzinger Straße voll ausgebaut. Ärger gab es schon, bevor die Arbeiten richtig begonnen haben.

Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos, schwarzes Jackett) mit Stadträten beim Spatenstich für den Mini-Kreisverkehr am Träuble-Areal. Foto: factum/Simon Granville
Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos, schwarzes Jackett) mit Stadträten beim Spatenstich für den Mini-Kreisverkehr am Träuble-Areal. Foto: factum/Simon Granville

Gerlingen - In Gerlingens Innenstadt wird weiter fleißig gebaut. Nach der Fertigstellung des Träuble-Areals entsteht jetzt an der Kreuzung Leonberger / Haupt- und Ditzinger Straße – also direkt beim Neubau – ein Mini-Kreisel. In diesem Zuge saniert die Stadt erst die Leonberger und dann die Ditzinger Straße. Am Dienstag war der Spatenstich für das Bauvorhaben, das über viele Jahre geplant, geprüft und ausgearbeitet wurde, dessen Umsetzung rund ein Jahr dauert, etwa 2,5 Millionen Euro kostet und schon am Vortag bei den Bürgern Ärger und Verwirrung stiftete.

Ohne Kreisverkehr ist laut der Stadtverwaltung die Leistungsfähigkeit der Kreuzung auf längere Sicht nicht mehr gewährleistet. „Durch den neuen Kreisverkehr soll sich die prekäre Verkehrssituation an der Lammkreuzung durch flüssigeres Passieren entspannen“, sagt der Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos): Der Kreisel sorge dafür, dass der Verkehr besser fließe und dass die Verkehrsteilnehmer die Kreuzung sicherer queren könnten. Einen Preis für Schönheit oder Kreativität wird der Kreisel aber nicht gewinnen. „Es wird eine Betonfläche“, teilt die Rathaussprecherin Sofie Neumann mit. Die Mittelinsel müsse von Lastwagen überfahren werden können, da der Kreisverkehr zu eng sei. Somit werde es keine Schmuckfläche im Inneren des Kreisels geben.

Dafür soll gerade die Ditzinger Straße wesentlich attraktiver werden – mit Tempo 40, Schutzstreifen für Radler, neuen, teils sehr breiten Gehwegen für Fußgänger und vor allem: ohne Schlaglöcher. Nachdem die marode Landes- wie Hauptverkehrsstraße von Ditzingen über Gerlingen in Richtung Leonberg von April bis Juli 2018 zunächst zwischen dem Ortseingang und dem Kreisel an der Hofwiesenstraße erneuert wurde, wird sie nun weiter bis zum neuen Mini-Kreisel voll ausgebaut. Zuvor ist aber die Leonberger Straße bis zur Rosenstraße an der Reihe.

Edeka-Tiefgarage war zeitweise abgehängt

Seit Montag stehen Absperrungen, Umleitungs- und Parken-verboten-Schilder. Bis Ende des Jahres ist die Lammkreuzung voll gesperrt, ebenso die Hauptstraße ab der Schulstraße und die Leonberger Straße ab der Lammstraße. Diese wird zur Einbahnstraße. Einige Haltestellen der Stadtbuslinie 635 werden nicht mehr angefahren, andere wurden verlegt. Von 2021 an wird die Ditzinger Straße voll gesperrt – zwischen dem neuen Kreisel und demjenigen an der Hofwiesenstraße.

Zwar war sich die Stadt von vornherein der Folgen der Baustelle bewusst. „Die Beeinträchtigung für den Durchgangsverkehr müsste sich in Grenzen halten, wenn sich alle an die ausgeschilderten Umleitungsstrecken halten“, heißt es aus der Verwaltung. Für die Anlieger im gesperrten Baustellenbereich seien die Einschränkungen und Belastungen „naturgemäß leider größer, da die Zugänglichkeit zu den Grundstücken und privaten Stellplätzen nur eingeschränkt möglich ist“. Dagegen werde die Zufahrt zum neuen Supermarkt und zu dessen Tiefgarage freigehalten, hatte die Stadtverwaltung stets versichert.

Dem war am Montag aber – zumindest zeitweise – nicht so: Kurzzeitig war die Edeka-Tiefgarage nicht mehr anzufahren. Einige Bürger machten daraufhin ihrem Ärger und ihrer Verwirrung in der Facebook-Gruppe „Gerlingen Aktuell“ Luft. Das führte zu einer regen Diskussion. Von „einem einzigen Chaos“ rund um die Baustelle ist die Rede, von „aus- beziehungsweise eingesperrten Anwohnern“, „abgeschotteten Geschäften“, einer „Katastrophe in der Gerteisenstraße“ wegen „Verkehr ohne Ende“, der nun offenbar auch andere kleinere Straßen betrifft.

Eingriff in die gesamte Fläche nötig

Auf Anfrage nennt die Stadtverwaltung als Grund ein „Missverständnis durch die ausführende Firma bei den Absperrungen“, weshalb das Träuble-Areal kurzfristig nicht zugänglich gewesen sei. Auch die Anlieferung der Läden funktioniere und sei mit den Betreibern abgesprochen und koordiniert. „Leider ist die Hauptstraße direkt vor dem Träuble nicht befahrbar, da die Kanal- und Wasserleitungsarbeiten gemacht werden müssen, die mitten in der Straße liegen.“ Der Zugang zum Träuble-Areal sei jedoch über die Ditzinger Straße möglich.

Um den Kreisverkehr zu bauen, müsse man in die gesamte Fläche eingreifen. Das nehme längere Zeit in Anspruch. Die Umleitungsplanungen für die jetzige Sanierung seien mit dem Land und Kreis abgestimmt worden, betont die Verwaltung. „Wir bitten die Anwohner und Gewerbetreibenden während der Zeit der Belastungen um Verständnis. Und die Bürger, sich an die Umleitungen zu halten.“

Lautstarker Unmut hinsichtlich der Baustelle herrscht nicht erst seit Montag: Der neue Kreisverkehr hat nur drei Arme, denn die Jakobstraße mit dem Wohngebiet Gerteisen dahinter wird nicht angeschlossen. Das löste bei der Bekanntgabe Proteste, Empörung und Enttäuschung aus. Laut dem damaligen Bürgermeister Georg Brenner (parteilos) hatten sich das Land und der Landkreis aus Gründen der Sicherheit so entschieden.




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