Baustellenrundgang auf den Fildern Hier wird für die U6-Verlängerung geschafft

Blick in die Grube: Am Flughafen wird bald für den Tunnel betoniert. Foto: Fritzsche 8 Bilder
Blick in die Grube: Am Flughafen wird bald für den Tunnel betoniert. Foto: Fritzsche

Seit dem Sommer bauen die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) an der Verlängerung der U6 vom Fasanenhof zum Flughafen. Wir haben die Baustellen besucht.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)

L.-E./Fasanenhof - Wenn alles nach Plan läuft, fährt am Ende des Jahres 2021 die erste Stadtbahn U6 bis zum Flughafen durch. Im Sommer haben die Bauarbeiten dafür begonnen – was passiert gerade?

Am Fasanenhof

Im Bereich der aktuellen Endhaltestelle Schelmenwasen wird zurzeit das Baufeld eingerichtet. Das heißt: es werden Leitungen verlegt, und ein Bagger gräbt sich ins Erdreich, um es auszuheben. Wie tief der ausbuddeln muss, zeigt dem Baggerführer ein GPS-Gerät an. „Wir machen hier Platz für die Gleise“, erklärt Steffen Schäfer, bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) Projektleiter für die U6-Erweiterung zum Flughafen. Er zeigt, wo die Gleise verlaufen werden: von der Haltestelle Schelmenwasen nach Süden auf die Autobahn A8 zu.

Hier zeigt sich bereits das erste Beispiel, dass die SSB nicht einfach drauflos bauen können, sondern das Ganze nur in Absprachen mit vielen anderen Beteiligten funktioniert. Am Fasanenhof zum Beispiel ist das die Deutsche Bahn. Die Tunnelbaustelle für Stuttgart 21 liegt nur wenige Meter entfernt. Die asphaltierte Zufahrt teilen sich die beiden Baustellen. Stehen also größere Anlieferungen oder Transporte an, muss das abgesprochen werden. „Das klappt aber gut“, sagt Schäfer.

Die Autobahn überquert die Stadtbahn auf einer sogenannten Bogenbrücke, 4,70 Meter über der Fahrbahn. „Der freitragende Teil der Brücke beträgt 107 Meter“, sagt Steffen Schäfer. Die Seile zwischen Tragplatte und Bogen der Brücke werden aus Karbon sein – „eine Weltneuheit, besonders leicht und langlebig.“

L.-E., Gewann Hofstetten

Südlich der Autobahn, wo die Stadtbahnbrücke enden wird, liegt die nächste Baustelle der SSB, östlich der Esslinger Straße in Echterdingen, im Gewann Hofstetten. Auch hier zeigen sich die komplexen Abhängigkeitsgeflechte: Aktuell steht hier ein Zeltgebäude, in dem das Regierungspräsidium ein Winterlager unterhält, in dem unter anderem Streusalz aufbewahrt wird. Das muss im kommenden Jahr abgebaut und nach Osten verlegt werden, um Platz für die Gleise zu machen. Ebenso müssen zwei Strommasten höher gesetzt werden, damit die Bahn drunter durch passt. „Auch das Regenrückhaltebecken Erlengraben werden wir nach Osten verschieben“, erklärt Steffen Schäfer. Wichtig ist auch der Kontakt zu den Landwirten, erklärt der Projektleiter. „Hier läuft der landwirtschaftliche Regelbetrieb, dem können wir nicht im Weg sein.“ Heißt also: Baustellenfahrzeuge werden abseits der Wege abgestellt, niemand darf über den Acker brettern, alles muss sauber und ordentlich gehalten sein. „Das müssen wir auch stets an die Baufirmen weitergeben, die in unserem Auftrag arbeiten.“ Schäfer nennt auch die Wiederverwertung des kostbaren Filderbodens als einen Aspekt der Zusammenarbeit mit den Landwirten: „Wenn wir Boden abtragen, weil wir in die Tiefe gehen, dann ist vorgesehen, dass wir ihn den Landwirten aufs Feld geben.“

Am Flughafen

Hier ist eine große Baugrube für den U6-Tunnel in Betrieb, gleich vor den Messegebäuden. Aktuell wird der Untergrund vorbereitet, damit bald betoniert werden kann. Mit dem Bau der Endhaltestelle an der Messepiazza will man fertig sein, bis die Deutsche Bahn den Bau des Filderbahnhofs für Stuttgart 21 beginnt.

„Wir sind insgesamt aber noch am Anfang“, sagt Steffen Schäfer und blickt in die Grube. 2019 werden sechs bis acht Baustellen parallel laufen, aktuell ist man gut im Zeitplan, schätzt er. Und das alles geschieht, während das Leben drumherum weiter läuft, weiter laufen muss und soll: das Ankommen und Abfliegen der Flugzeuge, das Bestellen der Felder, das Hin und Her der Autos auf der A8. Nur einmal, im ersten Halbjahr 2020 wohl, wird es eine Sperrung geben: „Da werden wir an einem Samstag die A8 12 Stunden lang komplett sperren müssen, um die Brücke einzupassen“, sagt Steffen Schäfer. Dabei werden rund 1400 Tonnen Brücke bewegt – etwa so viel wie 22 Stadtbahnfahrzeuge auf einmal.




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