BBC-Chef Tim Davie Dem Neuen ist die Satire zu links

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Großbritanniens Konservative haben die BBC, die den Brexit sehr kritisch begleitete, massiv unter Druck gesetzt. Ganz frisch ist nun ein neuer, konservativer BBC-Chef im Amt: Tim Davie. An ihn heften sich Ängste und Hoffnungen.

Tim Davie ist der neue Chef der BBC – ein Konservativer mit Umbauplänen Foto: dpa/Andrew Milligan
Tim Davie ist der neue Chef der BBC – ein Konservativer mit Umbauplänen Foto: dpa/Andrew Milligan

London - Dass der BBC, einst großes Vorbild bei der Gründung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in aller Welt, Veränderungen bevorstehen, ist schon länger klar. Der Regierungschef Boris Johnson hat den Sender zur Zielscheibe schwerer Vorwürfe gemacht, so wie Populisten andernorts die Medien angreifen: angeblich unsauberen, voreingenommenen Journalismus und ineffektive Strukturen beklagen viele Konservative. Der Brexit-Durchpeitscher Johnson drohte bereits mit der Abschaffung der Rundfunkgebühr.

Schreckfigur der Linken

Nun soll der am Dienstag angetretene neue BBC-Chef Tim Davie, so ein Bericht der „Telegraph“-Zeitungsgruppe, intern gleich mal einen ersten inhaltlichen Einschnitt angekündigt haben: Die Satire-Sendungen der BBC seien zu linkslastig, zu einseitig auf Tories, Trump und Brexit eingeschossen, das müsse sich ändern.

Auf den ersten Blick eignet sich Davie durchaus zur Schreckfigur der Linken. So wie ihn kann man sich einen Mann vorstellen, der den Sender zerlegen und auf konservativen Regierungskurs bringen soll. Der 53-jährige Cambridge-Absolvent und Marathonläufer ist ein dynamischer Machertyp, der nicht vom Journalismus kommt. Er war mal Werbechef beim britischen Zweig von Pepsi-Cola und nebenher in der Konservativen Partei aktiv, bevor er als Marketingmann zur BBC kam und dort rasch aufstieg. Dank diverser Boni war er zuletzt der bestbezahlte Manager der Anstalt und musste mit dem Wechsel auf den Chefsessel sogar deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen.

Auch Freunde in der Anstalt

In der Vergangenheit hat Davie schon drastische Sparvorschläge gemacht, die öffentliche Proteste hervorriefen und darum auch nicht alle umgesetzt wurden. In der BBC wird ihm von manchen aber durchaus Kompetenz und Professionalismus nachgesagt. Verschiedene Branchenmagazine zitieren Funktionsträger im Sender, die Davie nachsagen, er habe beste Absichten. Er wolle die BBC fit machen für einen heiß umkämpften Medienmarkt und für eine politisch heftig gespaltene Gesellschaft, in der Medien beständig in der Kritik ihrer Nutzer stünden.

Die Theorie, ein ausgewiesen konservativer Mann an ihrer Spitze könne mehr politischen Druck von der BBC nehmen und ihr mehr Handlungsfreiheit verschaffen als ein Chef mit offen linken Sympathien, ist zumindest nicht ganz verkehrt. Die nächsten Monate werden nun zeigen, ob Davie die BBC zahmer machen will – oder ob er sie nur nach allen Seiten gleichmäßig kritisch haben möchte.




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