InterviewBDZV-Präsident im Interview "Dem Leser einen Mehrwert bieten"

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In der Tageszeitungsbranche schwelt ein einzigartiger Tarifstreit. Helmut Heinen, Präsident des BDZV, begründet seine harte Haltung.
 

Die Tageszeitungen erleiden seit Jahren Auflageneinbußen. Dies hat Folgen für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Foto: Zweygarth 2 Bilder
Die Tageszeitungen erleiden seit Jahren Auflageneinbußen. Dies hat Folgen für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter. Foto: Zweygarth

Die Tageszeitungsbranche verändert sich rasant. Die elektronische Entwicklung bietet den Verlagen bisher ungeahnte Wege, ihre Informationen zu verbreiten – verschärft aber auch den wirtschaftlichen Druck. Dies muss Folgen haben, sagt Helmut Heinen.

Herr Heinen, bedauern Sie es, dass die Verleger alten Schlags, die noch eine persönliche Beziehung zu ihren Mitarbeitern hatten, eine aussterbende Spezies sind?

Ich sehe dieses Aussterben nicht. Von der Gesellschafterseite hier sind wir eine ausgesprochen familientraditionsgeprägte Branche. In praktisch jedem deutschen Zeitungshaus sind Familien mindestens in der dritten Generation Zeitungsverleger. Sie betreiben keinen Mischkonzern, sondern sehen die Zeitung im Zentrum ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

Immer öfter übernehmen externe Manager – reine Ökonomen – anstelle familieneigener Geschäftsführer die Verantwortung.

Das Verlegerbild ist immer geprägt von beiden Seiten: vom Publizisten und vom Kaufmann. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass Controllingelemente heute in vielen Köpfen eine stärkere Rolle spielen. Also muss man darauf achten, dass die Zahlen nicht einseitig das Bild bestimmen. Das Produkt gilt es stets im Auge zu behalten.

Der Bundespräsident hat neulich bei einem Festakt gesagt, Regionalzeitungen seien wichtig für die Demokratie. Dem werden Sie zustimmen?

Jawohl.

Wie wichtig ist Ihnen dann publizistische Vielfalt angesichts des fortschreitenden Fusionsprozesses?

Ich würde da gerne deutlich zwischen den Ebenen unterscheiden. Wir haben nach wie vor mehr als hundert publizistische Einheiten allein bei den Zeitungen. Und wir haben eine Fülle anderer Medien, die wertvolle Beiträge zur Tagespolitik leisten. Diese Vielfalt ist keineswegs gefährdet. Auf der nationalen Ebene halte ich Fusionen von publizistischen Einheiten keinesfalls für eine Gefahr. Ganz wenige Deutsche – weniger als sechs Prozent – lesen eine überregionale Zeitung.

Was aber, wenn die Verlagsgruppe DuMont Schauberg so angesehene Zeitungen wie die „Frankfurter Rundschau“ und die „Berliner Zeitung“ praktisch vereinigt?

Es ist sicher bedauerlich, dass so eine profilierte Stimme wie die „Frankfurter Rundschau“ nicht mehr in allen Belangen eigenständig und unterschiedlich von der „Berliner Zeitung“ ist. Faktisch hat sich bisher fast niemand parallel mit beiden Zeitungen auseinandergesetzt. Auf nationaler Ebene bewegen sich Politiker und Profis der Kommunikationsbranche. Aber hier kann keineswegs ein Verfall der Qualität festgestellt werden, auch wenn das eine oder andere Objekt fusioniert wird.

Weniger Wettbewerb bedeutet doch einen Qualitätsverlust?

Ich glaube nicht, dass diese beiden Titel im Wettbewerb miteinander stehen. „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ haben nur wenige – möglicherweise auch prominente – Doppelleser. Jeder Leser eines der beiden Blätter bekommt künftig das Angebot einer größeren Zahl von Schreibern als vorher. Da kann man nicht mit abstrakten medienpolitischen Analysen der Zeitungslandschaft operieren. Das hat mit dem Bedürfnis des einzelnen Lesers nichts zu tun. Diese Diskussionen haben für mich auf der überregionalen Ebene einen großen Schuss an Künstlichkeit.

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