Beeren-Vielfalt Die Multitalente vom Wegesrand

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Zurzeit wachsen sie in Hülle und Fülle: Himbeere, Brombeere und Co. schmecken nicht nur lecker, sie sind auch besonders gesund. Selbst gegen die Flecken ist ein Kraut gewachsen.

Die Beeren sind los – nicht nur am Markstand, sondern auch am Wegesrand. Foto: Pixelio
Die Beeren sind los – nicht nur am Markstand, sondern auch am Wegesrand. Foto: Pixelio

Stuttgart - Die Erdbeersaison geht zu Ende, aber Himbeeren, Brombeeren und Co. stehen schon in voller Pracht als Ablösung bereit. Beliebtes Hobby im Sommer: Korb schnappen und selber pflücken. Vor allem in Süddeutsch­land ist allerdings immer wieder zu hören, dass die Beeren, die man am ­Wegesrand findet, mit Eiern des Fuchs­bandwurms befallen sein könnten. Dieser Parasit kann für den Menschen lebens­gefähr­lich sein und die alveoläre Echinokokkose auslösen, ähnlich einer bösartigen Tumorerkrankung. Doch Experten halten die Über­tragung über wilde Beeren für sehr unwahr­scheinlich. Das Risiko gehe in erster Linie vom direkten Kontakt mit infizierten Füchsen und auch Hunden aus.

Ein Ärgernis sind die Flecken. Oft ist der Korb noch nicht einmal voll, und schon hat man den ersten Beerenfleck auf dem T-Shirt. Die dunkle Farbe des Obstes macht sie besonders hartnäckig. Aber es gibt bewährte Hausmittel. Ganz frische Flecken lassen sich mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser gut bearbeiten. Einfach mehrmals damit nass machen und anschließend in der Maschine waschen. Auch Zitronensaft geht immer. ­Damit eingerieben und anschließend in die Sonne gelegt, bekommt man die Fruchtflecken gut wieder aus der Kleidung heraus. Auch von Beeren verfärbte Hände, Lippen und Zähne werden so wieder entfärbt.

Brombeere

Steckbrief: Die Brombeere gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie trägt sogenannte Sammelsteinfrüchte aus jeweils 20 bis 50 Einzelfrüchten, von denen jede einen steinigen Samenkern enthält. Man unterscheidet die gezüchteten Kultursorten von den wilden Brombeeren, die an Böschungen und Straßenrändern wachsen. Die Reifezeit beginnt, je nach der Frühjahrswitterung, im Juli.

Innere Werte: Der Gehalt an Provitamin A gehört zu den höchsten unter den Beeren. Das soll der Sehfunktion zugutekommen. Brombeeren enthalten auch viel Vitamin C und Vitamin E sowie viele Mineralien. Dank ihres Ballaststoffanteils können sie die Verdauung anregen. Mit 44 Kalorien pro 100 Gramm kann man sie sorglos in rauen Mengen naschen.

Gebrauchsanweisung: Brombeeren verderben schnell. Im Kühlschrank sind sie ein bis zwei Tage lang haltbar, bei null Grad maximal vier Tage. Das Obst eignet sich zum Einfrieren. Empfehlenswert ist es als Belag auf Kuchen und Torten oder verarbeitet in Muffins. Joghurt und Quarkspeisen schmecken lecker mit den Früchten, ebenso die rote Grütze. Natürlich lassen sich Brombeeren auch zu Saft, Gelee oder Marmelade verarbeiten.

Johannisbeere

Steckbrief: Die Johannisbeere gehört zur Familie der Stachelbeergewächse. Die roten, weißen oder schwarzen Kügelchen haben viele Namen: in Bayern, Österreich und Südtirol heißen sie Ribiseln, in der Schweiz Meertrübeli, Trübeli oder Ribiseli. Und bei uns natürlich: Träuble!

Innere Werte: Die kleinen Beeren haben es in sich: Die roten und weißen enthalten große Mengen an Vitamin C, Kalium, Eisen, Ballaststoffen sowie rot färbenden Anthocyanen. Gegen ihre schwarzen Kollegen sehen sie jedoch blass aus, denn diese warten mit Spitzenwerten auf: 100 Gramm schwarze Beeren beinhalten 175 Milligramm Vitamin C – fünfmal so viel wie rote Johannisbeeren.

Gebrauchsanweisung: Johannisbeeren halten sich im Kühlschrank etwa zwei bis drei Tage. Vor der Zubereitung unter fließend kaltem Wasser abspülen und anschließend von den Rispen abstreifen. Die Saison dauert rund sechs Wochen von Mitte Juni bis ­Anfang August. Neben Gelee, Marmelade oder roter Grütze kann man daraus auch Chutney, Eis oder Saft machen.

Himbeere

Steckbrief: Die Himbeere, ebenfalls aus der Familie der Rosengewächse, wächst in Europa, Asien und Amerika. Die ersten Früchte reifen im Juni. Die Würmer, die man in Himbeeren leider oft findet, sind eigentlich die Larven des Himbeerkäfers. Dieser ernährt sich in der Zeit von Mai bis Juni von den Blättern der Himbeersträucher. Der Käfer legt seine Eier in den Blüten der Pflanzen ab.

Innere Werte: Himbeeren haben einen hohen Zuckergehalt. Wegen des hohen Wasseranteils sind sie aber trotzdem sehr kalorienarm (100 Gramm: 34 Kalorien). Außerdem sind in den Beeren viel Vitamin B und C enthalten sowie Mineralstoffe wie Phosphor, Kalzium, Magnesium und Eisen. Für den leicht säuerlichen Geschmack sorgt der Anteil an Zitronensäure.

Gebrauchsanweisung: Die süßen, aromatischen Früchte sollte man vor dem Verzehr auf Würmer prüfen und gründlich abspülen. Himbeeren eignen sich als Belag für Torten und Kuchen. Eis, Parfait, Milchspeisen, Kaltschalen oder rote Grütze kann man ebenfalls gut mit Himbeeren machen. Und wie die Brombeeren sind sie zur Zubereitung von Marmelade, Gelee, Kompott oder Sirup gut geeignet.

Stachelbeere

Steckbrief: Je nach Sorte sind Stachelbeeren rot, gelb, weiß oder grün. Sie schmecken säuerlich und tragen in Wirklichkeit Dornen, keine Stacheln. Die Haupterntezeit in Deutschland ist von Juni bis August.

Innere Werte: Die behaarten Beeren enthalten etwa sieben Prozent Zucker bei knapp 40 Kalorien pro 100 Gramm. Wegen ihres hohen Gehalts an Pektinen (lösliche Ballaststoffe) eignen sich Stachelbeeren auch bestens zum Marmeladekochen. Außerdem sind sie reich an Vitamin A und C, Kalium und Phosphor.

Gebrauchsanweisung: Je nach Reifegrad kann man Stachelbeeren im Kühlschrank einige Tage lagern. In der englischen ­Küche sind Stachelbeeren besonders beliebt. Hier werden sie gerne zu Chutneys verarbeitet. Gut gehen Stachelbeeren auch als Belag für Torten und Kuchen – die Kerne kann man mitessen. Und natürlich eignen sich die Früchte für Marmelade, Gelee und Kompott.

Heidelbeere

Steckbrief: Heidelbeeren findet man ab Juli reif im Wald. Vaccinium myrtillus, die echte Heidelbeere, stammt aus der Familie der Heidekrautgewächse. Die Früchte wachsen an buschigen Gehölzen, die etwa 50 Zentimeter hoch werden. Bevorzugte Standorte sind Laub- und Nadelwälder sowie Heiden.

Innere Werte: Heidelbeeren, auch Blaubeeren genannt, sind reich an rot bis blau färbenden Anthocyanen, bei Kulturheidelbeeren stecken diese Farbstoffe aber nur in der Schale. Heidelbeeren enthalten viel Wasser und sind kalorienarm (100 Gramm: circa 34 Kalorien). Ihr Anteil an Provitamin A ist hoch. Im Körper wird daraus Vitamin A, das wichtig ist für den Sehprozess ist. Die Beeren können leicht abführend wirken.

Gebrauchsanweisung: Das Obst eignet sich zum Einkochen und Backen. Gerne werden sie auch in Pfannkuchen und Muffins verwendet. Eine Spezialität ist die schwedische Blaubeersuppe. Dazu die Beeren mit Wasser wenige Minuten kochen und Zucker dazugeben. Mit Zimt abschmecken. Je nach Geschmack Zitronensaft und für die Konsistenz Speisestärke zugeben. Die Suppe schmeckt kalt und warm.