Beginn der Motorradsaison Ärger über Lärm an Albaufstiegen

Mit dem Start der Motorradsaison dürften die Klagen über den Lärm zu lauter Maschinen wieder zunehmen. Foto: /Giacinto Carlucci

Einwohner von Orten an den Albaufstiegen klagen über den Motorradlärm, besonders an den Wochenenden. Der Vertreter eines Clubs aus Geislingen glaubt an die Kraft der Vernunft, der Bürgermeister aus Wiesensteig eher an die Kraft von Kontrollen.

Die Motorradsaison beginnt – und damit einhergehend der entsprechende Lärm. Zu dieser Problematik äußern sich unter anderem das Landratsamt Göppingen, die Stadt Wiesensteig und der Verein der Geislinger Motorradfreunde.

 

Das Göppinger Landratsamt erklärt, dass es im Kreis vor allem an den Albaufstiegen Streckenabschnitte gebe, „die als besonders beliebte Motorradstrecken gelten“. In besonderem Maß falle der damit verbundene Lärm den Anwohnern an Wochenenden auf, also zu Zeiten, zu denen auch sie sich erholen wollten. „Deshalb sollte insbesondere in unmittelbarer Nähe der Ortschaften auf starke und vor allem hochtourige Beschleunigungsvorgänge verzichtet werden“, appelliert das Landratsamt. Grundsätzlich gebe es mit dem Start der Motorradsaison immer Beschwerden wegen des Lärms. Diese würden allerdings nicht statistisch erfasst.

Der Bürgermeister der Stadt Wiesensteig, Gebhard Tritschler, glaubt nicht, dass es in diesem Jahr im Hinblick auf Motorradlärm „gravierend anders sein wird“. In Wiesensteig gebe es zwei markante Bereiche: Eine Strecke sei die, wo Motorradfahrer von Mühlhausen kommend durch die Ortsmitte geradeaus in Richtung Neidlingen weiterfahren. Die andere führt laut dem Bürgermeister von der Ortsmitte ausgehend die Westerheimer Straße entlang. Spätestens am Ortsausgang beschleunigten die Motorradfahrer in der Regel, „dann bremsen sie an der 180-Grad-Kehre ab, und dann geht’s zur nächsten Kehre“ in Richtung Hohenstadt-Westerheim.

„Da hat man dann dreimal das Vergnügen“ – im Minutentakt. Das Problem dabei: „Der ganze Lärm ist im Ort zu hören“, erklärt Trischler „Es wäre erträglicher, wenn sich alle zurückhalten würden“, macht er klar. Diejenigen, die so laut unterwegs sind, seien zwar eine Minderheit, „aber diese Minderheit hört man halt“, meint der Bürgermeister. Dankbar ist er daher für die Motorradkontrollen der Polizei in den vergangenen Jahren. Diese sprechen sich laut Tritschler in der Szene herum und das führen dazu, „dass es etwas weniger belastend ist“.

Einer, der das Gefühl von Freiheit auf dem Motorrad, aber auch die Diskussionen über den Motorradlärm gut kennt, ist Jürgen Graf, der Präsident des Vereins der Geislinger Motorradfreunde. Er ist der Ansicht, Motorradfahrerinnen und -fahrer sollten Rücksicht nehmen. Das sei auch eine Frage der Geschwindigkeit: Je höher diese sei, umso lauter werde es. Er selbst wohnt in Eybach an der Ortsausfahrt nach Geislingen, und die Strecke zwischen Geislingen und Eybach „ist teilweise eine Rennstrecke“, sagt er. Das sei natürlich für viele Menschen Lärm, „da kann ich eine gewisse Aufregung nachvollziehen“. Wichtig ist seiner Meinung nach Verständnis für beide Seiten. Denn das Lärmempfinden sei eine subjektive Sache. Manche Menschen regten sich schon über normale Motorradgeräusche auf. Und viele, vermutet Jürgen Graf, „können auch nicht unterscheiden, welcher Lärm noch legal ist und welcher nicht“. Für manche Menschen verursachten Motorräder grundsätzlich unnötigen Lärm.

Natürlich gebe es überall schwarze Schafe, die etwa den Auspuff ihrer Maschine manipulierten – „das wird es immer geben“, sagt er. Mit Blick auf sich selbst erklärt er zudem: „Wenn ich ein Schild sehe mit ‚Geschwindigkeit runter‘, dann lässt man das Motorrad rollen. Es nimmt einem ja nichts weg, wenn man in solchen Gebieten etwas vom Gas runtergeht.“ Er glaubt, dass am meisten erreicht werde, wenn man an die Vernunft und Rücksichtnahme appelliere.

Banner rücken Lärm ins Bewusstsein

Appell
 Inwiefern eine Aktion vom Sommer 2021 geholfen hat, bei der die Polizei und die Initiative „Sicherer Landkreis Göppingen“ mit Bannern auf den Motorradlärm aufmerksam gemacht hatten, kann der Wiesensteiger Bürgermeister Gebhard Tritschler nicht sagen. Er findet die Initiative aber gut, da die Banner die Belastung, die der Lärm für die Anwohner bedeute, ins Bewusstsein gerückt hätten. Im vergangenen Jahr hat Wiesensteig über die Anschaffung von Displays diskutiert, die Motorradlärm messen und anzeigen. Aufgrund der Kosten wurde die Idee aber wieder verworfen.

Kontrollen
 Laut der Polizei hält sich „die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer an die gesetzlichen Vorgaben“. Es gebe allerdings auch immer wieder Biker, die durch Veränderungen an ihrem Motorrad übermäßigen Lärm verursachten. Die Polizei kontrolliere deshalb regelmäßig. 

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