Doch in dem Ort mit seinen etwas mehr als 6000 Einwohnern ist in den vergangenen Wochen einiges in Wallung geraten. Es rumort sogar gewaltig. Von Angst und Einschüchterung ist die Rede, die Polizei ermittelt wegen Verleumdung. Im Kreuzfeuer steht Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld, deren Führungsstil einigen Beschwerdeführern sauer aufstößt. Zuerst wurde die harsche Kritik nur anonym in einem Schreiben geäußert, das die Verfasser an mehreren Stellen in der Kommune ausgehängt hatten.
Wegen der Aushänge ermittelt die Polizei gegen Unbekannt, unterschrieben waren sie mit „Bürger der Stadt Beilstein“. In den vergangenen Wochen hat sich die Lage eher zugespitzt als entspannt, andere Kritiker wagten sich aus der Deckung. So lancierte die Initiative Beilstein, eine von fünf Fraktionen im Gemeinderat, einen Beitrag im Amtsblatt, worin sie Schoenfeld massiv anging.
Gemeinderatsfraktion wagt sich aus der Deckung
Mit ihrer Kritik hieben die Kommunalpolitiker in dieselbe Kerbe wie die Unbekannten: Die Frau an der Spitze der Verwaltung handle eigenmächtig, Mitarbeiter seien willkürlich versetzt worden, im Rathaus existiere ein Klima der Angst. Ansprechpartner im Rathaus seien – auch deshalb – reihenweise krank, in den Kindergärten herrsche wegen personeller Fehlentscheidungen Chaos, neue Erzieherinnen hätten schnell wieder gekündigt. Dazu bezog der Gesamtelternbeirat Stellung, der befürchtet, dass die Betreuung ihrer Kinder in Gefahr ist. Die Kündigungen werden Schoenfeld angekreidet, sie lege auf den Rat anderer keinen Wert und lehne Gespräche in großer Runde ab.
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In dem Schreiben der Initiative Beilstein geht es konkret um das Sekretariat im Rathaus, das Bau-, das Ordnungsamt und die Kindergartengesamtleitung. Alles sei von Schoenfeld umgebaut worden – und zwar nicht zum Besseren. Der Tenor: Hier regiere eine selbstherrliche, beratungsresistente Rathauschefin von oben herab.
Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr war äußerst knapp
Schoenfeld, die noch kein Jahr im Amt ist, hat lange zu den Vorwürfen geschwiegen. Doch die Kritik ließ nicht nach. Erst in dieser Woche positionierte sich die 61-Jährige. Dabei wurde schnell klar: Die Kritik perlt im Großen und Ganzen an der Bürgermeisterin ab. „Ich habe die Fakten auf meiner Seite“, sagt sie. Es handele sich um einige wenige Bürger, die quertrieben. Um schlechte Stimmung zu verbreiten, werde die Kritik an ihr dauernd wiederholt.
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Vermutlich sind die Querelen auch Nachwehen der Wahl im vergangenen Jahr, aus der die ehemalige Schulamtsdirektorin im Staatlichen Schulamt Frankfurt nur knapp als Siegerin hervorging. Sie hatte sich mit gerade mal 18 Stimmen Vorsprung gegen ihren Konkurrenten Georg Kobiela durchgesetzt. Die „Schlammschlacht“ – den Begriff hält Schoenfeld durchaus für passend – rund um das Duell hatte vor allem das Umfeld der beiden Kandidaten zu verantworten. Am Ende ging ein Riss durch die Stadt.
Schoenfeld: Personalrochaden waren gerechtfertigt
Zurück ins hier und jetzt: Ein Klima der Angst herrsche in ihrem Haus nicht, beteuert Schoenfeld, das sei „ein Gerücht“. Dass es auf drei wichtigen Positionen zuletzt einen Wechsel gab – bei zwei Personalien hat Schoenfeld offenbar daraufhin gewirkt –, hält sie für gerechtfertigt. Weder mit dem Leiter des Bauamts, der sich ab August für fünf Monate krank meldete, noch mit der Gesamtleitung der Kitas war sie zufrieden. Es habe bei der „Planung, Verantwortung und dem Umgang mit öffentlichen Finanzen fachlich“ gehapert. Der Bauamtsleiter ist freiwillig gegangen. Eine interne Nachfolgeregelung für ihn sei wiederum „keine willkürliche Maßnahme, sondern eine logische Konsequenz“ gewesen. Auch die Hauptamtsleiterin ist bald fort. Dass sie daran schuld sei, diesen Schuh will sich Schoenfeld aber nicht anziehen. Die Mitarbeiterin habe eine bessere Stelle angeboten bekommen, „ihre Entscheidung, diese anzunehmen, ist mehr als verständlich“. Und: in Kitas sei eine gewisse Personalfluktuation normal. So sehen es auch Teile des Gemeinderats.
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Dass Schoenfeld Kritik an sich zulasse, zeige sich daran, dass sie den Beitrag im Amtsblatt, für das sie die redaktionelle Verantwortung hat, weder zensiert noch verhindert habe. Was sie durchaus hätte tun können. An einem besseren Miteinander mit dem Gemeinderat, der nach den Entwicklungen Redebedarf angemeldet hatte, will die Bürgermeisterin nun in Klausurtagungen arbeiten. Denn dass sie ihn und den Rückhalt der Bürger braucht, um weiter arbeiten zu können, ist der 61-Jährigen klar.