Benefizshow im Stuttgarter Apollo-Theater Süßer der Glöckner nie klang

Die Darsteller überreichen den Scheck in Höhe von 45 000 Euro  an drei  Frauen des Kinderhospizes. Im roten Kleid: Constanze Müller, die Leiterin des Apollo-Theaters. Foto: Stage Entertainment/Jan Potente 10 Bilder
Die Darsteller überreichen den Scheck in Höhe von 45 000 Euro an drei Frauen des Kinderhospizes. Im roten Kleid: Constanze Müller, die Leiterin des Apollo-Theaters. Foto: Stage Entertainment/Jan Potente

Weihnachten hat viele Klänge. Nur für eine Nacht hat die „Glöckner“-Cast ein Benefizkonzert auf die Bühne gebracht – und kam dem Sinn von Weihnachten ganz nah. Ein fröhliches Familientreffen des Musicals war’s – mit Bescherung für sterbenskranke Kinder, die ihre Fröhlichkeit nicht verlieren sollen.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - „Überarbeitet und unterbezahlt“ seien die Pflegekräfte, klagt der festlich im Smoking gekleidete Maximilian Mann auf der Bühne des Apollo-Theaters. Der „schöne Max“, wie der Phoebus-Hauptdarsteller aus „Der Glöckner von Notre Dame“ von den Kollegen genannt wird, moderiert die Show der großen Gefühle, die das vor einem Jahr in Stuttgart eröffnete Kinder- und Jugendhospiz mit einer Spende von 45 500 Euro beglückt. Weihnachten hat viele Gesichter. Weihnachten kann besinnlich sein, beschwingt, opulent, kitschig, verlogen – nur eines sollte das Fest nicht sein: Wer in dieser Zeit nicht an andere denkt, sondern nur an sich selbst, muss erst noch lernen, warum Lichter am Weihnachtsbaum leuchten.

Süßer der Glöckner nie klang. Wenn alle 200 Mitwirkenden dieses Charity-Spaßes gemeinsam in der Notre-Dame-Kulisse vors begeisterte Publikum treten, also das gesamte Ensemble, die Musiker sowie die Hobbychöre, wird es so eng im Scheinwerferlicht neben dem ebenfalls gespendeten und festlich geschmückten Baum, dass die Bühne fast wegen Überfüllung geschlossen werden müsste. Alle stehen dicht zusammen, singen mit großartigen Stimmen, die unter die Haut gehen, und führen vor, wie Weihnachten am schönsten ist: Dann nämlich, wenn es zum Fest der Solidarität wird!

Die Tina-Turner-Hauptdarstellerin ist aus Hamburg gekommen

„Das Glöckner-Ensemble ist ein unglaublich tolles Team und versteht sich so gut, wie dies in wenigen Musicals der Fall ist“, sagt Felix Martin, der den Kardinal spielt und vergleichen kann, weil er seit über 30 Jahren auf den großen Bühnen steht. Die Idee zum Benefizkonzert mit Weihnachts- und Musicalhits hatte Maximilian Mann vor einem Jahr. Am Tag der nur für ein einziges Mal einstudierten Vorstellung musste der 31-Jährige etliches umschmeißen. Wegen der Erkältungswelle hatten sich fünf Kollegen krank gemeldet – einige der Gesunden sangen spontan und überzeugend mehrere Lieder.

Kristina Love, die im März in Hamburg zu Tina Turner im neuen Musical „Tina“ wird, geht gerade oft in die Luft. In der Schweiz hat sie die Pop-Legende besucht, und nach Stuttgart ist die Amerikanerin geflogen, um an der Bescherung fürs Kinderhospiz mitzuwirken und dazu noch Werbung zu machen für ihre Premiere in drei Monaten auf der Reeperbahn. Da kommt viel Power auf die Musicalfans zu! Der Beifall war frenetisch.

Spendenbedarf des Kinderhospizes liegt bei 800 000 Euro im Jahr

Für das Kinderhospiz erklärten Marion Ebach, Christina Semrau und Saskia Osterndorf auf der Bühne, warum die Einrichtung auf Spenden angewiesen ist. Zu 95 Prozent würden die Kosten für die Kinder von den Kassen übernommen, nicht aber für die Übernachtung von Familienmitgliedern, die zur Therapie wichtig sind. „Jährlich braucht das Hospiz 800 000 Euro extra, um seine Aufgaben erfüllen zu können“, sagte Marion Ebach. Die Hospiz-Botschafterin Christina Semrau, eine eifrige Netzwerkerin der Stadt erklärte, warum sie sich engagiert: „Mir geht es so gut, dass ich etwas zurückgeben will.“ Da sie viele Menschen kenne, denen es ebenfalls gut gehe, wolle sie bei ihnen fürs Spenden werben. Wer helfen will, hat den Sinn von Weihnachten verstanden.




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