Bereit für die Schulbank Woran Eltern erkennen können, ob ihr Kind schulreif ist

Ein Kind muss nicht nur körperlich bereit sein für die Schule Foto: Nata Zhekova/ Adobe

Jedes Kind hat andere Stärken und Schwächen: Woran Eltern erkennen können, ob ihr Kind bereit ist für die Schule.

Stuttgart - Manche Kinder können schon im Alter von fünf Jahren ein paar Worte schreiben und bis 100 zählen, andere sind vielleicht erst etwas später so weit. Jedes Kind entwickelt sich in unterschiedlichem Tempo. Entsprechend schwierig ist es oft für die Eltern einzuschätzen, ob ihr Kind schon reif für die Schule ist oder nicht. Doch in Deutschland gilt: Kinder, die zu einem bestimmten Stichtag sechs Jahre alt sind, sind schulpflichtig; in Baden-Württemberg ist dieser Stichtag der 30. September. Möglich ist auch eine vorzeitige Einschulung, wenn zu erwarten ist, dass ein Kind aufgrund seines geistigen und körperlichen Entwicklungsstandes erfolgreich am Schulunterricht teilnehmen kann. Umgekehrt kann ein Kind auch erst ein Jahr später eingeschult werden, wenn es noch nicht so weit ist. In beiden Fällen müssen Eltern in den meisten Bundesländern einen entsprechenden Antrag stellen.

 

Wann gilt ein Kind als „schulfähig“?

Als „schulfähig“ gilt ein Kind, wenn es die notwendigen geistigen, körperlichen und sozialen Kompetenzen mitbringt, um mit Freude und Erfolg am Unterricht und am Schulleben teilnehmen zu können. Früher sprach man hier auch von Schulreife. Konkret heißt das, das Kind sollte körperlich in der Lage sein, seinen Schulranzen zu tragen, und sich problemlos für einige Stunden von den Eltern trennen können. Es sollte eine Stunde lang still sitzen und sich gut konzentrieren können. Und es sollte fähig sein, sich in eine Gruppe einzufügen, mit Enttäuschungen umzugehen und eigene Wünsche zurückzustellen. Außerdem sollte es flüssig sprechen und sich verständlich machen können, es sollte sich Liedtexte, Sprüche oder kurze Gedichte merken können, allein zur Toilette gehen und in der Lage sein, sich selbstständig an- und auszuziehen. Auch einfache Bastel- und Schneidarbeiten, das Malen von Formen wie Kreisen oder Dreiecken oder das Hüpfen und Balancieren auf einem Bein sind wichtige Voraussetzungen.

Einschulungsuntersuchungen gibt es meist im vorletzten Kindergartenjahr

In den meisten Bundesländern werden die Kinder vor der Einschulung ärztlich untersucht, in der Regel von einem Schularzt. Art und Umfang dieser Einschulungsuntersuchung variieren. Doch überall in Deutschland dient der medizinische Einschulungscheck einem bestimmten Zweck: herauszufinden, ob ein Kind in irgendeinem Bereich besondere Förderung oder Unterstützung benötigt. In Baden-Württemberg wird die Einschulungsuntersuchung bereits im vorletzten Kindergartenjahr vom Gesundheitsamt durchgeführt und ist verpflichtend. Dabei werden bei jedem Kind unter anderem das Hör- und Sehvermögen, die sprachliche Entwicklung, grob- und feinmotorische sowie grafische Fähigkeiten getestet. „So werden spielerisch verschiedene Tätigkeiten gescreent“, erklärt Kinder- und Jugendärztin Marianne Reuter vom Gesundheitsamt in Waiblingen. „Wir schauen zum Beispiel, ob das Kind bestimmte Formen malen oder Dinge abzählen kann.“ So könne man feststellen, ob das Kind in einem oder mehreren Bereichen Förderbedarf hat. „Kinder, die zum Beispiel mit vier Jahren noch keinen Kreis malen können, können das nicht automatisch, wenn sie fünf sind“, sagt Reuter. „In so einem Fall braucht es eine gezielte Förderung.“

Die Einschulungsuntersuchung, meint Reuter, gebe zwar wichtige Hinweise, ein Beleg für die Schulfähigkeit eines Kindes sei sie jedoch nicht. „Kinder bestehen ja nicht nur aus ihrem Kopf, auch andere Aspekte sind wichtig, zum Beispiel, ob das Kind den Schulalltag durchhält“, so die Kinderärztin. Schließlich müsse das Kind nicht nur dem Unterricht folgen können, sondern auch mit dem sozialen Miteinander und Konflikten an der Schule klarkommen. Manche Kinder seien zwar schon alt genug für die Schule, bräuchten aber einfach noch etwas mehr Zeit.

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