Bergsteiger Reinhold Messner in Herrenberg Der rastlose Reinhold

Reinhold Messner ist einer der berühmtesten Bergsteiger der Welt. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Suche nach Neuem ist der rote Faden im Leben des Reinhold Messner. In der Herrenberger Stadthalle blickt der prominente Bergsteiger zurück.

Einen Namen hat er sich vor allem mit seinen alpinistischen Höchstleistungen gemacht: Reinhold Messner, weltbekannter Bergsteiger, berichtete am Mittwoch in seinem Vortrag „Über Leben“ vor den rund 800 Zuhörern in der ausverkauften Herrenberger Stadthalle offen und kurzweilig aus seinem Leben.

 

Messner schlägt an diesem Abend viele Kapitel seines rastlosen Lebens auf. Erzählt von Heimat, Angst, Mut, Leidenschaft, vom Altern und Loslassen, zeigt sich meinungsstark und vielschichtig. Der 79-jährige Südtiroler braucht dabei, wie in all den 15 Jahren, in denen er nun schon auf Vortrags-Tournee geht, kein Manuskript.

Drama am Nanga Parbat

Weltoffen und als ehrliche Haut sagt er, was er denkt und fühlt, was ihn bewegt. Wortgewaltig und untermalt mit beeindruckenden Bildern und Videosequenzen hält Messner an diesem Abend Rückschau auf unglaubliche acht Jahrzehnte mit den Bergen. Berge, für die er lebt und die er liebt. Messner skizziert dabei seinen Weg vom Südtiroler Bergbub, aufgewachsen mit acht Geschwistern, zum Alpinisten. „Ich wollte schon früh über unser Tal, unseren Tellerrand rausschauen“, sagt er. Und das ist ihm gelungen: Messner war der erste Mensch, dem es gelang, alle Achttausender zu besteigen. „Wer als erster oben war, ist ein Pionier.“ Er stand auf den Seven Summits und 3500 weiteren Gipfeln. Zudem erklomm er als Erster ohne künstlichen Sauerstoff den Mount Everest, revolutionierte so einmal mehr das Bergsteigen. „Als Alpinist trägt man selbst die Verantwortung“, sagt er heute.

Messner erzählt von vielen Touren mit extremen Naturerlebnissen, als ob es erst gestern gewesen wäre. An das Jahr 1970 hat er keine gute Erinnerungen. Gleich bei seinem ersten Achttausender, dem berühmt berüchtigten Nanga Parbat, spielte sich eine Tragödie ab. Nachdem er mit seinem Bruder Günther „in Lodenhosen und Baumwollpullover“ nach 40 Tagen die Bergspitze erreicht hatte, wurde dieser beim Abstieg unter einer Lawine begraben. War sofort tot. „Da lernte ich zum ersten Mal den Tod, der zum Leben gehört, kennen.“ Erst 35 Jahre später gibt der Gletscher den Leichnam frei.

Erinnerungen an eine schwere Zeit

Reinhold Messner hält kurz inne, denkt vermutlich an die wenigen Meter die er damals selbst von der Lawine entfernt gewesen war. Verschweigt eventuell auch bewusst, dass er selbst nach diesem Abstieg sieben Zehen aufgrund von Erfrierungen verlor. „Ich habe danach nur noch 56 Kilogramm gewogen.“ Er überlebte nur dank der Hilfe anderer.

„Aus Dankbarkeit“ dafür baute Reinhold Messner später vor Ort eine Schule. Drei weitere finanzierte er ebenfalls, setzte sich zudem auch viele Jahre dafür ein, dass auch Mädchen diese Schulen besuchen dürfen. Doch hielt ihn dieses einschneidende Ereignis nicht davon ab, einen Achttausender nach dem anderen zu bezwingen. Mit der Besteigung des Lhotse im Himalaya, dem 14. Achttausender, schloss sich für Reinhold Messner ein Kreis. Nach diesem Aufstieg sollte er niemals mehr einen Achttausender erklimmen.

Ende der 80er konzentrierte er sich stattdessen auf eine Reihe von Extrem-Expeditionen. 92 Tage benötigte der Grenzgänger, um die Antarktis zu Fuß zu durchqueren. „2800 Kilometer mit dem Schlitten im Kreuz“ kamen da zusammen. Eine unvorstellbare, wahnsinnige Leistung. Es folgten rund einhundert weitere Expeditionen, wie beispielsweise durch Grönland oder durch die Wüste Gobi.

Messner gibt sich nahbar

Seine unzähligen Erlebnisse brachte er schon früh zu Papier und hat als Bestseller-Autor mittlerweile über 50 Bücher selbst geschrieben. Sein neuestes Werk ist derzeit in Arbeit. Vor und nach der Herrenberger Veranstaltung sowie während der Pause des gut zweistündigen Events nimmt er sich die Zeit, um ungezählte dieser Bücher zu signieren und einen Plausch mit einigen seiner Zuhörer zu halten.

Um die Jahrtausendwende zog der Tausendsassa sogar für eine Amtsperiode in das Europäische Parlament ein. Messner machte sich außerdem einen Namen als Regisseur, der nächste Film sei bereits „in der Mache“, sagt er. „Kreativität ist viel wichtiger als ein volles Sparbuch.“

Messner plant Trip nach Tibet

Sein Lebenswerk: „das Messner Mountain Museum“ in Südtirol. Eigentlich handelt es sich dabei um sechs Orte, sechs Ausstellungen, sechs Erlebnisse. Für ihn ist diese sechsteilige Museumsstruktur - jedes der Häuser ist einem Teilthema gewidmet - sein eigener, „15. Achttausender.“

Einen solchen wird der rastlose Reinhold Messner zu seinem Achtzigsten in diesem September zwar nicht in Angriff nehmen, eine erneute Reise nach Tibet und ein Trip auf über 5500 Meter sind aber längst geplant.

Reinhold Messner tritt noch vier Mal in der Region auf. Am Samstag, 9. März, um 19.30 Uhr ist er mit „Über Leben“
in der Stadthalle Kirchheim/Teck zu Gast. Im Theaterhaus Stuttgart tritt er am Dienstag, 12. März, um 19.30 Uhr auf. Am
Dienstag, 26. November, gastiert er mit seinem Programm „Nanga Parbat“ um 19.30 Uhr
im Neckar Forum Esslingen. Dasselbe Programm kann man am 23. März 2025 im Theaterhaus Stuttgart erleben.

Reinhold Messner in der Region Stuttgart

Kindheit
 Reinhold Messner wird am 17. September 1944 in Südtirol in Italien geboren. Schon im Alter von fünf Jahren unternimmt er die ersten Bergtouren. Die Leidenschaft für diese Landschaft hat ihn seitdem nicht mehr verlassen.

Rekorde
 Als Erwachsener stellt Messner zahlreiche Rekorde auf, die ihn zum wohl bekanntesten Bergsteiger der Welt machen. 1978 besteigt er gemeinsam mit Peter Habeler als Erster den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. In den Folgejahren erklimmt er als erster Mensch die Gipfel aller 14 Achttausender. 1978 erreicht Messner als Erster den Gipfel des Nanga Parbat im Alleingang und ist zwei Jahre später auch der erste Mensch, der den Gipfel des Mount Everest allein und ohne Flaschensauerstoff besteigt. Er durchquert die Antarktis (1989/1990), Grönland (1993) und die Wüste Gobi (2004).

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