Berlins Flughäfen Die Geschichte der hochfliegenden Visionen

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Terminal des Großflughafens BER, der Ende Oktober eröffnet werden soll Foto: dpa

Ende Oktober soll Berlins neuer Flughafen BER eröffnet werden. Danach stellt Tegel den Betrieb ein. Ein Blick zurück in die Zeit, als Berlin drei Flughäfen hatte.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Berlin - Schon 1923 ist Tempelhof als einer der ältesten Verkehrsflughäfen der Welt entstanden. Die Nazis bauten die Anlagen massiv aus. 2008 wurde der betagte, aber beliebte innerstädtische Airport (Branchencode: THF) geschlossen, die riesigen Freiflächen werden seither vor allem als Erholungsgelände genutzt. Zur NS-Zeit entstanden in Schönefeld hinter der südöstlichen Stadtgrenze zwei Startbahnen und Rüstungsfabriken. Die Henschel-Werke bauten dort bis 1945 mehr als 15 000 Kriegsflugzeuge. Nach dem Sieg der Alliierten ordneten die Sowjets den Bau eines Zivilflughafens an, der zum Zentralflughafen der DDR wurde. Die Landebahnen wurden in den 60er Jahren fertig, das Terminal erst 1976. Schönefeld (SXF) ist bis heute in Betrieb. Wegen der Blockade Westberlins wurde 1948 ein früheres Luftschiff-Testgelände in Tegel für Versorgungsflüge genutzt. In den 1960er Jahren landeten die ersten Zivilflugzeuge, Mauer und Stacheldraht schnitten Westberlin ab. 1974 ging das Terminal in Betrieb. Tegel (TXL) wird mit dem Start des neuen Airports geschlossen.

 

1991 fällt der Beschluss zum Neubau

Nach dem Fall der Mauer entschied sich die Politik, die vorhandenen drei Anlagen durch einen Neubau zu ersetzen. In der Euphorie der Einheit gab es hochfliegende Visionen vom neuen deutschen Luftdrehkreuz mit 60 Millionen Passagieren pro Jahr. 1991 wurde die Flughafenholding von Berlin, Brandenburg und dem Bund gegründet, ein Jahr später starteten die Planungen.

In den Auswahlverfahren schnitten die stadtferneren früheren Militärstandorte Sperenberg und Jüterbog besser ab. Dennoch fiel 1996 die Entscheidung für den Ausbau Schönefelds zum Großflughafen BER, auf Drängen Berlins und der dort regierenden CDU, die einen stadtnahen Airport als Wachstumsmotor wollten.

Die Privatisierungsversuche scheitern

Zwischen 1997 und 2003 scheiterten Versuche, die drei Flughäfen und den Neubau zu privatisieren. Sieben Konsortien bewarben sich, Hochtief und IVG setzen sich durch, der Airport sollte 2007 eröffnet werden. Dann aber folgt eine Schlammschlacht bis vor die Gerichte um den Zuschlag, weitere Skandale im berüchtigten Berliner Bausumpf kamen hoch. Man einigte sich auf eine gemeinsame Firma, deren Angebot war der Politik aber zu teuer. Betrieb und Neubau wurden in staatlicher Regie weiter verfolgt. 2004 erteilte Brandenburg unter Auflagen die Genehmigung für den Ausbau, trotz vieler Proteste und Klagen. Allein im bis dahin umfangreichsten deutschen Planfeststellungsverfahren gab es 134 000 Einwände gegen das Vorhaben. Vier Gemeinden und 4000 Betroffene zogen bis vors Bundesverwaltungsgericht, das 2005 sogar einen Baustopp verhängte.

Ein Jahr später wurde der Bau genehmigt, ein 24-Stunden-Betrieb aber untersagt und besserer Lärmschutz verlangt. Ende Oktober 2011 sollte der BER starten. Im Juni 2010 wurde die Eröffnung um sieben Monate verschoben und am 9. Mai 2012 erneut abgesagt. Auch weitere Starttermine im Jahr 2013 waren nicht zu halten. Der BER wurde zu einem der peinlichsten Bauprojekte, die es je in Deutschland gegeben hat. Am 31. Oktober 2020 soll es nun so weit sein und der BER offiziell eröffnet werden.

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