Die Beruflichen Schulen im Landkreis Ludwigsburg informieren derzeit Jugendliche von Realschulen und Gemeinschaftsschulen über ihr Angebot. Die Erich-Bracher-Schule in Pattonville lädt sogar zur Hospitation ein. „Bei Info-Tagen kann man leider den Schulalltag nicht miterleben, deshalb bieten wir Schülern unserer Kooperationsschulen eine Hospitation an“, sagt Patrick Schefczik. Der Lehrer begleitet und koordiniert das Angebot.
Knapp 80 Schülerinnen und Schüler haben in dieser Woche so die Gelegenheit, den Alltag an der Beruflichen Schule kennenzulernen. Dabei scheint es, dass die Beruflichen Schulen es gar nicht nötig haben, für sich zu werben. Der Andrang ist nach wie vor ungebrochen. „Notwendig, um neue Schüler zu bekommen, ist das in der Tat nicht“, sagt Schulleiter Oliver Schmider. Es sei aber sowohl für die Schüler und Schülerinnen als auch für die Schule gut, denn es gebe den Jugendlichen einen guten Einblick in das Schulleben. Es verhindere durchaus den ein oder anderen Abbruch oder Schulwechsel.
Azubis werden immer älter
Grundsätzlich hat das Statistische Landesamt herausgefunden, dass das Durchschnittsalter der Auszubildenden in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Von 2007 bis 2021 ist demnach das Median-Alter in dem Ausbildungsverträge abgeschlossen werden von 18 Jahre auf 19 Jahre gestiegen. Halten die Beruflichen Schulen mit Wirtschaftsgymnasium und Berufskollegs die Realschüler von einem (früheren) Einstieg in das Berufsleben ab?
„Wir haben unsere Partner in der Wirtschaft und als Berufsschule auch viele Jugendliche hier, die schon im dualen Ausbildungssystem sind. Unsere Zahlen sind stabil, ich kann da keinen Trend erkennen“, sagt Schmider. Das bestätigen auch Daten des Kultusministeriums. In den vergangenen Jahren haben sich die Übertrittszahlen nur marginal verändert.
Große Nachfrage in Pattonville
Schmider nimmt aber durchaus eine große Nachfrage nach Plätzen am Berufskolleg und dem Wirtschaftsgymnasium wahr. Bei letzterem regele die Abschlussnote schon den Zugang, beim Berufskolleg ist dem allerdings nicht so. Eine Konkurrenz zur Ausbildung wolle man aber mit den Berufskollegs nicht aufbauen. Die Schülerzahlen seien seit Jahren gleichbleibend, auch wenn wohl Potenzial für mehr da wäre.
Der Rektor sieht grundsätzlich eher einen Vorteil durch die Berufskollegs und das Wirtschaftsgymnasium für die Unternehmen. Die Jugendlichen seien nach der Zeit an der Beruflichen Schule und der erlangten Fachhochschulreife noch besser gerüstet für die Ausbildung und weitere Fortbildungen. Ähnlich sehe es beim Wirtschaftsgymnasium aus. Dass die Nachfrage so hoch sei, bedeute im Übrigen nicht, dass weitere Jahre in der Schule für alle das richtig seien. „Es gibt auch die Möglichkeit über die duale Ausbildung dann noch zur Fachhochschulreife zu kommen“, sagt Schmider. Das sei vielen gar nicht so bewusst und doch oft der bessere Weg für praktisch veranlagte Schüler.
Großteil hat klare Vorstellungen
Rund 40 Prozent seiner Abschlussklassen machen an Beruflichen Schulen weiter, schätzt Boris Rupnow, Leiter der Theodor-Heuss-Realschule in Kornwestheim. Das liege aber auch am hohen Niveau und dem bilingualen Unterricht an seiner Schule. Generell gebe es auch viele Realschüler, die sich für die Ausbildung entscheiden und immer wieder auch solche, die erst ein Soziales Jahr machten.
Bei Melis Metin, die die 10. Klasse der Realschule Remseck besucht und an diesem Montag in den Schulalltag der Erich-Bracher-Schule reinschnupperte, ist der Grund weshalb sie auf das Wirtschaftsgymnasium will, ganz klar: „Wir werden noch lange genug arbeiten, da muss ich nicht sofort nach der Realschule anfangen“, sagt sie. Einen Trend sieht Rupnow aber ebenso wie Schmider: Die Schüler sind sehr gut informiert und machen sich in der Regel viele Gedanken, über ihren weiteren Werdegang.