Berufsinformationstag bei Bosch in Feuerbach Gefragt: Querdenker mit offenem Geist

Von Petra Mostbacher-Dix 

Bosch hat wieder zum Berufsinformationstag geladen. Auf dem Campus erläuterten Studierende, Azubis und Mitarbeiter, welche Berufe angeboten werden.

Ausbilder Jörg Maiberg und der Auszubildende Joel Widmaier am Prüfstand im sogenannten  „Crazy Lab“. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Ausbilder Jörg Maiberg und der Auszubildende Joel Widmaier am Prüfstand im sogenannten „Crazy Lab“. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Feuerbach - Joel Widmaiers Augen leuchten, als er den Prüfstand im „Crazy Lab“ erklärt. „5700 Euro im Jahr kann man sparen, wenn alle Leckagen beseitigt sind“, sagt der junge Mann, der im dritten Jahr bei Bosch zum Elektroniker für Automatisierungstechnik (EAT) ausgebildet wird. Im „verrückten Labor“ können die Azubis jenseits des üblichen Lehrablaufs Projekte durchführen oder für einen Standort ein Problem lösen. „Bei uns kann und soll frei ohne Regeln quer gedacht werden“, sagt Jörg Maiberg, Ausbilder für Elektrotechnik im Crazy Lab. „Es geht vorrangig um Projekte mit innovativem Charakter.“ So könne Unkonventionelles, Kreatives entstehen. Widmaier nickt: „Das bringt unheimlich viel.“

Seine Begeisterung ist ansteckend. Da mag der Funke auf einige Besucher überspringen, die heute durch das Crazy Lab pilgern. Bosch hat zum Berufsinformationstag nach Feuerbach geladen: Im Ausbildungszentrum auf dem IT-Campus erläutern Azubis, Studierende und Mitarbeitende, welche Berufe im Unternehmen angeboten werden, wie der geschäftliche Alltag abläuft. Auch die digitalisierten Kollegen sind im Einsatz: Ein Roboter wickelt Zuckerwattenwolke um Zuckerwattenwolke um Holzstäbchen. Das kommt gut an. Anderswo werden wiederum Metallelefanten bestaunt, exakt aus Metall geformt – oder ein Film, den die Azubis selbst über ihre Ausbildung gedreht haben. Auch die Werksfeuerwehr ist vor Ort und beschreibt ihre Aufgaben.

Neuer IT-Masterstudiengang für 2019

In der IT-Fachabteilung erläutert indes Teamleiter Daniel Stoll einen neuen IT-Masterstudiengang für 2019 sowie einen kooperativen Studiengang Fachinformatik für 2020. Beim „Fachinformatiker*in mit StudyFlex“ kann eine IT-Ausbildung mit einem Bachelor-Studium kombiniert werden. „Das ist einzigartig“, so Stoll. „Der Titel sagt, um was es geht: StudyFlex ist höchst flexibel, erlaubt Interessenten ihren individuellen Weg zu gehen, sei es über ein IT-Studium oder einen Zertifikatslehrgang.“ So können bereits während der Ausbildung Creditpoints fürs Studium gesammelt werden. „Das ist nicht nur innovativ, sondern auch attraktiv“, bestätigt Wolf Bonsiep, Ausbildungsleiter in Feuerbach. Bei jedem Studium, bei jeder Ausbildung – über 30 verschiedene Ausbildungsberufe bietet der Konzern an 50 Standorten an – gehe es freilich einerseits um Inhalte. Aber andererseits auch darum, auf den Arbeitsmarkt, der sich in Zeiten der Digitalisierung ständig und schneller als zuvor verändert, schnell zu reagieren. „Für unsere Auszubildenden und Studierenden der Dualen Hochschule ist es wichtig, nicht nur das Handwerkszeug zu erwerben, sondern auch die Fähigkeit zu entwickeln sowie Ausdauer und Interesse zu haben, sich in verschiedenste Themen selbstständig einzuarbeiten und für – nicht selten – bisher unbekannte Probleme auch Lösungen zu finden.“ Wesentlich seien dabei auch soziale Kompetenzen wie Offenheit und Teamfähigkeit. „Die Komplexität von heute erfordert das! Und was einer weiß, kann er an die anderen weitergeben.“

Besucher gaben sich die Klinke in die Hand

200 Ausbildungsstellen bietet Bosch am Standort Stuttgart pro Jahr an, rund 120 innerhalb eines dualen Hochschulstudiums, den Rest im technisch-gewerblichen, wirtschaftswissenschaftlich-kaufmännischen Bereich. Besetzt wird meist zwischen Juli bis Oktober.

Auch das Unternehmen spürt – wie andere Firmen – in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen den Mangel an passenden Bewerbern. Dennoch konnte es bisher, bis auf wenige Ausnahmen, stets die Plätze besetzen. Am Berufsinformationstag ist das Interesse in allen Etagen regelrecht zu greifen: Durchschnittlich 1500 Schüler, Eltern, Studierende geben sich beim Berufsinformationstag die Klinken in die Hand. „Dieser Tag ist für alle“, betont Bonsiep. „Auch für unsere Mitarbeiter, damit sie ihre Familien und Freunde mitbringen können.“

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