Insgesamt sieben Rebsorten sind im Elsass zugelassen – in Merklingen gab es sie alle und dazu von unterschiedlichen Winzern. Foto: Jan Potente
Es wird verkostet, geschlemmt und geplaudert: Sechs Winzer aus Riquewihr stellen in Weil der Stadt ihr Sortiment vor und locken damit zahlreiche Freunde der französischen Lebensart nach Merklingen.
Ute Jenschur
07.04.2024 - 15:26 Uhr
Einmal im Jahr bieten sechs Winzer aus dem elsässischen Riquewihr, bereits seit dem Jahr 1961 die Partnerstadt von Weil der Stadt, ihre Weine und Crémants in Merklingen an.
Und das Event hat sich herumgesprochen, aus der ganzen Region kommen die Freunde dieser Spezialitäten in die Festhalle. Aus Sindelfingen sind Dunja Struve und Marko Quasdorf mit ihren Freunden angereist. Sie packen gerade die Kartons mit Riesling, Silvaner und Crémant in den Kofferraum. Aber danach wird weiter probiert. Wie gut, dass eine der Freundinnen keinen Wein trinkt und die Gruppe nach Hause fährt. Immerhin, in Sachen Verkostung sind die sechs Winzer nicht geizig. Und wem die Probe schmeckt, der bestellt gleich ein ganzes Glas zum Flammkuchen dazu oder nimmt einige Flaschen für zuhause mit.
Eine Region mit natürlichem Regenschutz
Familie Krieger aus Leonberg kommt regelmäßig zu den Riquewihrer Weintagen. Sie kennen alle Winzer und waren auch schon in Riquewihr im Urlaub. Erst essen sie hier zu Mittag, dann wird an jedem Stand ein anderer Wein probiert und schließlich gibt es noch Kaffee und Kuchen. Beim Weingut Dopff hat ihnen der Pinot Noir besonders gut geschmeckt, bei Bronner der Edelzwicker, bei Hueber der Gewürztraminer, bei Jung der Rosé und jetzt haben sie den Crémant vom Weingut Agapé im Glas. Und damit haben sie einen Querschnitt der sieben im Elsass zugelassenen Rebsorten probiert.
Das Elsass ist ganz besonders geeignet für den Weinbau. Von Hagenau über Strasbourg und Colmar bis nach Mulhouse gelegen, ist es hinter den Vogesen ein wenig abgeschieden vom Rest Frankreichs. Klimatisch ist das ein großer Vorteil; denn das Mittelgebirge hält den Regen ab, sodass das Elsass zu den trockensten Gebieten in Frankreich zählt. Das gilt auch für Riquewihr, das zwölf Kilometer nordwestlich von Colmar im Herzen des Elsass liegt.
Nach der Verkostung ist vor der Verkostung ist Foto: Jan Potente
Besonders beliebt bei den Besuchern der Weintage sind die Crémants, die nach der Champagnermethode hergestellten Schaumweine, die an jedem Stand angeboten werden. Er ist auch die Spezialität des Weingutes Dopff au Moulin, ein Weingut mit 70 Hektar Anbaufläche und damit eines der größten im Elsass. 1976 wurde unter dem Einfluss von Pierre Dopff die kontrollierte Herkunftsbezeichnung Crémant d’Alsace ins Leben gerufen. 24 Monate werden die Flaschen gelagert, erzählt Betty die Verkäuferin, bevor sie in den Verkauf kommen. „Unser Crémant ist trocken, angenehm im Mund und hat eine feine Perlage“, erzählt sie stolz. Und sie muss es wissen, sie ist seit über 40 Jahren im Unternehmen. Je feiner und schneller die Perlen im Glas nach oben steigen, desto besser ist die Qualität des Crémant. Besonders beliebt bei den Kunden sind auch der Riesling und der Gewürztraminer der Familie Dopff.
Auch zum Kochen geeignet
Die Spezialität von Winzer Bernard Bronner sind der Grauburgunder und der Riesling. „Wir haben in Riquewihr mit dem Schoenenbourg eine Grand Cru Lage für den Riesling. Auf dem Weinberg scheint den ganzen Tag über die Sonne, das ergibt wunderbare Weine“, schwärmt Bronner. Von den 51 Grand Cru Lagen im Elsass gibt es in Riquewihr zusammen mit dem Sporen zwei dieser 1A-Lagen. Auf dem Sporen wachsen Grauburgunder und Gewürztraminer.
Auch am Stand von Laurence Greiner ist der Gewürztraminer schon bei der Probe ein Genuss und so kauft Ingrid Nuffer gleich zwei Flaschen. Sie ist mit ihrem Französisch-Stammtisch aus Bad Cannstatt nach Merklingen gekommen. Zum Gewürztraminer hat sie ein besonderes Rezept, das Fondue Vigneronne, das sie bei einem Urlaub in Colmar kennengelernt hat. „Mein Mann ist begeistert davon“, berichtet sie und verrät, dass das Fleisch in einem Sud aus Gewürztraminer mit Nelken, Zimt, Piment und Pfeffer gegart wird. „Die Wohnung riecht nach dem Essen nicht nach Fett, sondern ganz wunderbar nach dem Gewürztraminer.