Betreuung in Neuhausen Kinderhaus soll acht statt sechs Gruppen umfassen

Der Interimskindergarten im Alfred-Delp-Weg in Neuhausen soll die Platznöte in den Einrichtungen für die Kinderbetreuung entzerren. Foto: /Ines Rudel

Die geplante Einrichtung in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße in Neuhausen wird größer als ursprünglich geplant. Das sehen einige Kommunalpolitiker kritisch. Doch ein Antrag der Initiative Grüne Liste, das Gebäude nur mit sechs Gruppen zu planen, findet keine Mehrheit.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Neuhausen - Das neue Kinderhaus in der Neuhausener Dietrich-Bonhoeffer-Straße wird in der größeren Variante mit acht Gruppen gebaut. Trotz kritischer Stimmen über die Dimension der geplanten Einrichtung in der Waagenbachaue votierte die Mehrheit der Neuhausener Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung in der Egelseefesthalle für diese Lösung – die Initiative Grüne Liste votierte dagegen. Geplant ist ein offener Gruppenzuschnitt. Das bedeutet, dass die Kleinsten im Alter von ein bis zwei Jahren ebenso betreut werden wie Kinder zwischen drei und sechs Jahren.

 

Wachsende Platznot in Kinderbetreuungseinrichtungen

Bereits 2019 hatten die Gemeinderäte den Bau des Kinderhauses beschlossen. Mit der großen Lösung reagiert die Fildergemeinde nun auf die wachsende Platznot in den Kinderbetreuungseinrichtungen – bereits jetzt gibt es eine lange Warteliste. Um den Bedarf in den Kindergärten möglichst effektiv zu planen, hat die Kommune bei der Projektgruppe Bildung und Region aus Bonn (Biregio) ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Experten hatten empfohlen, eine Einrichtung mit sechs Gruppen zu bauen. Biregio hatte prognostiziert, dass es 2022 bei den Plätzen für Kinder über drei Jahre eine Überdeckung von 41 Plätzen geben wird.

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Diese Einschätzung relativierte die Verwaltung. „Laut den tatsächlichen Geburten- und Anmeldezahlen wird voraussichtlich keine Überdeckung entstehen“, heißt es in der Vorlage. Die Unterdeckung werde sich voraussichtlich bis zum Jahr 2027 auf 38 Plätze und bis zum Jahr 2032 auf 70 fehlende Plätze steigern. Weil Neuhausen wegen des neuen Wohngebiets in den Akademiegärten weiter wachsen wird, lässt sich der tatsächliche Bedarf nur schwer ermitteln. Außerdem sei in den Empfehlungen von Biregio nicht berücksichtigt worden, dass die kleine Kinderkrippe „Rohrspätzle“ langfristig nicht effizient betrieben werden könne und ins Kinderhaus integriert werden soll. Auch die Außengruppe im Kinderhaus am Egelsee, die in einem Container betrieben wird, soll in die neue Einrichtung umziehen – die Miete kostet jedes Jahr 14 000 Euro. Außerdem stünden in den Kindergärten Don Bosco und St. Elisabeth Sanierungen an. Durch die Interims-Kindertagesstätte im Alfred-Delp-Weg, die im April öffnet, schafft sich die Kommune Spielraum. Für das Kinderhaus ist ein Architektenwettbewerb geplant – auch deshalb empfahl die Verwaltung die große Lösung.

„Schöner wäre eine kleine Einheit“

Die Größe des neuen Kinderhauses sehen einige Gemeinderäte kritisch: „Eine achtgruppige Einheit ist groß, schöner wäre kleine Einheit“, sagte Mariela Herzog (Freie Wähler). „Aber wir müssen jetzt entscheiden.“ Deshalb gibt es aus ihrer Sicht keine Alternative. „Dass endlich, fast vier Jahre nach Baubeschluss, die genaue Planung für ein Kinderhaus begonnen wird, befürworten wir ausdrücklich“, sagte Tanja Verch. Scharf kritisiert die Fraktionschefin der IGL die Entscheidung, das Kinderhaus mit acht Gruppen zu bauen. Zunächst habe man eine modulare Bauweise geplant, um bei Bedarf erweitern zu können: „Es überrascht uns jetzt sehr, dass dieser zukünftige Mehr-Bedarf schon einen Monat später plötzlich gegeben ist.“ Acht Gruppen sind aus Sicht der IGL zu groß – da verwies Verch auf Empfehlungen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales. Da seien schon sechs Gruppen aus pädagogischen und organisatorischen Gründen nicht zu befürworten. Außerdem spreche die Verkehrssituation in der Waagenbachaue ebenso gegen die Lösung wie weite Wege für etliche Kinder. Der Antrag der IGL, das Haus mit sechs Gruppen zu planen und unter anderem eine Erweiterung des Waldkindergartens zu prüfen, kam nicht zum Zug.

Dominik Morár (CDU) sprach sich für die Lösung aus: „Die Situation in der Kinderbetreuung in Neuhausen ist derzeit sehr angespannt. Dass einige Kinder auf einen Kindergartenplatz warten müssen, zeigt, dass wir zügig vorangehen sollten.“ Daher begrüßt es der Fraktionschef, in den Planungswettbewerb für ein neues Kinderhaus einzutreten. Der Ort liegt aus seiner Sicht „in ziemlich zentraler Lage und aus vielen Wohngebieten gut fußläufig zu erreichen“. Zwar ist Dietmar Rothmund (SPD) auch „über die zwei weiteren Gruppen gestolpert“. Seine Fraktion votierte jedoch auch für die große Lösung.

Pläne für das Kinderhaus

Bebauungsplan
  Der Gemeinderat hat beschlossen, für das Gebiet „Kinderhaus Dietrich-Bonhoeffer-Straße“ einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit werden die Weichen für den Bau eines Kinderhauses zwischen der evangelischen Kirche und dem Waagenbach gestellt.

Wettbewerb
 Für das neue Kinderhaus ist ein Architektenwettbewerb geplant. Die Projektgruppe Bildung und Region hatte empfohlen, mit der Planung der Gruppen noch zwei Jahre zu warten, um den Bedarf besser vorhersehen zu können. Das ist aus Zeitgründen unmöglich.

Kosten
 Die Kosten werden auf 8,5 Millionen Euro veranschlagt. In diesem Haushaltsjahr fallen zunächst 50 000 Euro an, 2023 zwei Millionen Euro und 2024 fünf Millionen Euro. Die neue Kindertagesstätte soll dann im Jahr 2025 in Betrieb gehen.

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