Verbraucherschützer warnen zu Black Friday Zahl der Fake-Shops im Netz steigt drastisch

Die Internetkriminalität wuchert – immer mehr unseriöse Anbieter suchen nach Opfern. Foto: dpa/Jens Büttner

Die Rabattschlacht rund um den Black Friday ist in vollem Gange. Beste Voraussetzungen auch für Betrüger. Ein Fall aus Stuttgart zeigt, wie Kriminelle mit Fake-Shops ihre Opfer finden.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Der junge Mann ist gestresst. Ein ganz bestimmtes Paar Schuhe sucht der Stuttgarter, doch der Hersteller hat die benötigte Größe nicht mehr im Angebot. In verschiedenen Schuhläden ist auch nichts zu finden, also beginnt die Suche, ob sich in den Weiten des Internets nicht doch noch irgendein Händler findet, der Abhilfe schaffen kann. Bei den bekannteren Portalen sind die Treter ebenfalls ausverkauft.

 

Doch ziemlich schnell taucht da in der Google-Suche ein Anbieter auf, der offenbar das volle Sortiment des gefragten Herstellers vorrätig hat. Gut gemacht ist die Seite, es gibt ein Impressum, das einen Sitz in Spanien suggeriert. Zum ersten Mal wird der Interessent stutzig, als er nach Bewertungen für das Portal sucht – und keinen einzigen Eintrag findet. Aber halt auch keinen negativen. Er bestellt – und freut sich, dass die vermeintlich sichere Zahlung über Paypal angeboten wird. Kurz darauf werden dort rund 100 Euro belastet.

Doch die Schuhe kommen nicht. Mehr noch: es trifft noch nicht einmal eine Bestätigungsmail oder sonst irgendeine Nachricht ein. Als der Käufer sich bei Paypal den Vorgang genauer anschaut, stehen dort plötzlich nur chinesische Schriftzeichen. Die E-Mail-Adresse des Verkäufers ist eine völlig beliebige Aneinanderreihung von Zahlen und Buchstaben. Und der Shop ist plötzlich aus dem Internet verschwunden. Dem Mann wird klar: Er ist mutmaßlich auf einen Betrüger hereingefallen.

Damit ist er nicht allein. „Die Zahl der Beschwerden bei uns steigt stark an, und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Abteilungsleiter für Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht berichtet, dass man in diesem Jahr auf 800 bis 1000 Beschwerden wegen sogenannter Fake-Shops im Internet kommen werde – allein im Südwesten. Vor einigen Jahren seien es noch 100 bis 150 gewesen.

Gerade jetzt herrscht Hochkonjunktur für Betrüger. Seit einigen Jahren ist aus den USA die alljährliche Rabattschlacht rund um den sogenannten Black Friday herübergeschwappt. Der ist diesmal am 24. November. In dieser Zeit überbieten sich stationärer Handel und Internethändler gegenseitig mit echten oder nur vermeintlichen Schnäppchen. Der Preis für ein- und dasselbe Produkt ändert sich manchmal täglich und variiert stark. „Manchmal laufen da Preisticker herunter wie beim Teleshopping. So baut man psychischen Druck auf die Kunden auf“, berichtet Buttler.

Betrüger haben aufgerüstet

Das machen sich auch Kriminelle zunutze. Deren Methoden haben sich enorm verbessert. „Fake-Shops sind mittlerweile sehr gut gemacht und vom Design her kaum noch von echten Anbietern zu unterscheiden“, sagt der Experte. Die Betrüger seien findig, Software mache es möglich, ganze Internet-Shops einfach zu kopieren. Besonders häufig von schwarzen Schafen angeboten werden Elektronik, Mode und Mode-Accessoires. Die Betreiber sind sehr affin fürs Zeitgeschehen: Zu Corona-Zeiten gab es massenhaft Fake-Shops für Desinfektionsmittel und sogar für Toilettenpapier.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwischen zwei Arten von Fake-Shops. Da sind die, bei denen es wie im Stuttgarter Fall überhaupt keinen Anbieter gibt. Die zweite Variante: Statt der bestellten Produkte werden minderwertige Dinge geschickt. „Da gibt es einen Vertragspartner, aber der sitzt meist in China“, sagt Buttler. Mit Beschwerden oder Umtauschwünschen komme man dann meist nicht weit.

Finger weg bei Vorauskasse

Damit man nicht in die Falle geht, sollte man vor dem Online-Kauf auf einige Anzeichen achten. Wenn Artikel anderswo nicht mehr zu bekommen sind oder für einen unerhört günstigen Preis angeboten werden, sind Zweifel angebracht. Wenn Impressum oder Kontaktmöglichkeit auf der Seite fehlen, raten die Experten dazu, unbedingt die Finger vom Kauf zu lassen. Das gilt auch, wenn als Bezahlmöglichkeit nur Vorauskasse angeboten wird. Doch manche Betrüger bieten selbst die Zahlung über Bezahldienste wie Paypal oder Klarna an. Besonders letzteres Portal fällt diesbezüglich nach Angaben der Verbraucherschützer immer wieder auf. Die Verbraucherzentrale selbst bietet online einen Fake-Shop-Finder an, mit dem man Hinweise auf die Seriosität eines Anbieters bekommen kann.

Und wenn man doch hereingefallen ist? Dann hat man meistens Pech gehabt – aber nicht immer. Wenn man sehr schnell Zweifel bekommt, kann man die Zahlung unter Umständen noch über die Bank stoppen. Auch bei Kreditkartenzahlung gibt es die Möglichkeit, mit dem Chargeback-Verfahren Geld zurückzuholen. Klarna, Paypal und Co. bieten zwar Käuferschutz an, in der Praxis kann das den Erfahrungen der Verbraucherschützer nach aber eine zähe Sache sein, weil die Portale den Fall anerkennen müssen. Sie raten zusätzlich, auf jeden Fall Anzeige bei der Polizei wegen Betruges zu erstatten.

Grundsätzlich scheinen die Betrüger aber nicht in den Griff zu bekommen. „Die kaufen Tausende freie Domains und nehmen die Fake-Shops dann wieder offline, wenn sie genug betrogen haben oder Ermittlungen aufgenommen werden“, sagt Oliver Buttler.

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