Betty Rosenfeld nahm am spanischen Bürgerkrieg teil und starb in Auschwitz Die Freiheitskämpferin

Von Michael Uhl 

Betty Rosenfeld war die einzige Frau aus Stuttgart, die als Freiwillige der Internationalen Brigaden am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm. Im Sommer 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, aus dem sie nicht mehr zurückkehrte. Das tragische Schicksal einer jüdischen Krankenschwester.

Dieses vergilbte Passbild ist das einzige Foto, das von Betty Rosenfeld geblieben ist. Es fand sich als Anhang in einem spanischen Dokument von 1938. Foto: CDMH Salamanca
Dieses vergilbte Passbild ist das einzige Foto, das von Betty Rosenfeld geblieben ist. Es fand sich als Anhang in einem spanischen Dokument von 1938. Foto: CDMH Salamanca

Stuttgart - Vor 110 Jahren, am 23. März 1907, kam Betty Rosenfeld in Stuttgart zur Welt. Der Vorname Betty war damals – wie auch Jenny oder Fanny – in Deutschland relativ häufig. Besonders unter jüdischen Einwohnern, die stärker kosmopolitisch orientiert waren als der Rest der Bevölkerung, erfreute er sich großer Beliebtheit. Betty wuchs mit ihren Schwestern Charlotte und Ilse in einem bürgerlichen Elternhaus in der Breitscheidstraße 35 (die damals Militärstraße hieß) auf. Der Vater Benjamin war Kaufmann und Inhaber einer kleinen Putzmittelfabrik, die sich in derselben Straße ein Haus weiter in einem Hinterhof befand. Die Mutter Theresia führte den Haushalt der im zweiten Stock eines Jugendstilgebäudes gelegenen Wohnung. Die Eltern legten Wert auf religiöse Traditionen. So achtete die Mutter in der Küche auf die ­Einhaltung der jüdischen Speisegesetze, der Kaschrut.

Als die drei Schwestern erwachsen wurden, begannen sie sich für Emanzipation und sozialistische Ideen zu interessieren. Rote Fahnen waren damals weit verbreitet in Stuttgart. Bei den letzten freien Wahlen zum Deutschen Reichstag im November 1932 erhielten die Sozialdemokraten und die Kommunisten jeweils mehr als 20 Prozent der Stimmen. Zusammen waren sie zahlenmäßig fast doppelt so stark wie die Nazis, denen es schwerfiel, in der schwäbischen Metropole Fuß zu fassen. Eine wichtige Anlaufstelle der Stuttgarter Arbeiterbewegung waren die Waldheime in Sillenbuch, Gaisburg und Heslach. Auch die drei Schwestern bewegten sich in ihrer Freizeit im Umfeld der Stuttgarter Naturfreunde.

Eine wichtige Quelle der politischen Inspiration war für Betty Rosenfeld ihr Nachbar Sepp Dieringer, ein kommunistischer Schuhmacher. Dieringer stand 1932 bis Anfang 1933 als leidenschaftlicher Laienschauspieler der Agitprop-Theatergruppe Spieltrupp Südwest in der Umgebung von Stuttgart auf der Bühne. Für Dieringer war es eine Selbstverständlichkeit, den Rosenfelds, seinen verfolgten jüdischen Nachbarn, zu helfen. Als Ende 1941 die Deportationen am Nordbahnhof begannen – Bettys Schwester Charlotte wurde am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet –, versteckten Sepp Dieringer und seine Frau Emma Bettys Mutter und Bettys Tante vorübergehend bei sich zu Hause (ehe die beiden am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und kurz darauf in Treblinka ermordet wurden). Die Gestapo verhaftete das Ehepaar Dieringer später und verhörte es in der Stuttgarter Gestapo-Zentrale, dem berüchtigten Hotel Silber. Sepp Dieringer wurde gefoltert. Die hochschwangere Emma ­verlor in der Zelle ihr Kind.

Die Auswanderung nach Palästina

Zu dieser Zeit hatte Betty Rosenfeld das Deutsche Reich längst verlassen. Nach dem Besuch der Realschule hatte sie am Katharinenhospital eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und anschließend in einer Klinik gearbeitet. Als die Nazis an die Macht kamen und ihre antisemitischen Pläne wahr machten, wurde für Betty, Ilse und Charlotte Rosenfeld die Lage immer bedrohlicher. Gemeinsam wanderten die Schwestern 1935 nach Palästina aus und arbeiteten dort in einem Kibbuz. Ilse und Charlotte kehrten 1936 nach Stuttgart in die Militärstraße zurück, um nach der Auflösung des väterlichen Betriebes – der Vater starb 1937 – ihrer Mutter beizustehen.

Nur Betty blieb in Palästina. Dort erfuhr sie im Sommer 1936 vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, der damals die Welt in Atem hielt. Die junge spanische Republik geriet durch einen rechtsgerichteten Militärputsch des Generals Franco, der von Hitler und Mussolini massiv unterstützt wurde, in Not. Rund 35 000 Freiwillige aus mehr als 50 Ländern folgten einem Aufruf der Kommunistischen Internationale und eilten spontan nach Spanien, um der bedrohten Republik zu helfen. Das Symbol der Internationalen Brigaden war der dreizackige Stern der Volksfront, ihre Fahne die rot-gelb-violette Trikolore der spanischen Republik.

Trotz mangelhafter Ausbildung und Ausrüstung war die Hoffnung groß. Zur Begrüßung hob man die geballte Faust und rief sich wie die spanischen Kameraden brüderlich „salud!“ zu. Die Brigadas Internacionales erhielten im Herbst 1936 bei der Verteidigung von Madrid ihre Feuertaufe. Im harten Häuserkampf machten sich die fremden Freiwilligen einen Namen. Weltweit berichtete die Presse über sie.

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