Thermalbad Beuren Die Panorama Therme schwimmt sich frei

Die Panorama Therme hat ihre Pforten wieder geöffnet. Es gilt, einen Verlust von fünf Millionen Euro aufzuholen. Foto: Horst Rudel

Durch die monatelange Schließung des Beurener Bades ist ein Defizit von rund fünf Millionen Euro entstanden. Doch die Aussicht auf Staatshilfen und auch der Verlauf des Sommergeschäfts machen Hoffnung.

Beuren - In der Panorama Therme in Beuren hat der Badebetrieb nach dem Corona-Lockdown wieder Fahrt aufgenommen. „Das schlechte Wetter der vergangenen Wochen hat uns in die Karten gespielt. Wir kommen wahrscheinlich mit einem blauen Auge durch den Sommer“, sagt Bertram Dorner, der Kur-und Bäderamtsleiter der Gemeinde am Albtrauf. Während die Gäste in den Thermalbecken, den Themengrotten und den Saunalandschaften wieder die Seele baumeln lassen können, lecken die Verantwortlichen im Rathaus noch ihre Coronawunden. Wir rechnen gerade zusammen, was uns die Schließung gekostet hat“, sagt Dorner. Vom 2. November des vergangenen Jahres bis zum 21. Juni war außer Spesen nichts gewesen. „Uns fehlen bislang schätzungsweise fünf Millionen Euro in der Kasse“, sagt der Beurener Bäderchef.

 

Besonders schmerzt der Ausfall im vergangenen Herbst. Die Vorweihnachtszeit ist traditionell Thermenzeit. Wenn die Freibäder in der Region geschlossen haben und der Himmel wolkenverhangen ist, zieht es die Wasserfreunde in die Entspannung verheißende Bäderlandschaft am Fuß der Schwäbischen Alb. So ist Dorners Worten zufolge allein in den letzten acht Wochen des vergangenen Jahres ein Verlust in Höhe von 2,5 Millionen Euro aufgelaufen – genau so viel, wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Gegen diese Summen nimmt sich der bisher von der öffentlichen Hand geleistete Ausgleich an, wie der Tropfen auf dem heißen Stein. „Wir haben bisher 800 000 Euro an Soforthilfe bekommen“, sagt Dorner.

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Von existenzieller Bedeutung für die Gemeinde

Nicht nur für die Therme, sondern auch für die 3680 Einwohner zählende Gemeinde ist die finanzielle Unterstützung von Bund und Land von existenzieller Bedeutung. Beuren, traditionell eine der einkommensschwächsten Gemeinden im Kreis Esslingen, kann sich die im Januar 1977 eingeweihte Panorama Therme nur leisten, wenn sie im Betrieb eine schwarze Null schreibt. „Wir haben weder finanzstarke Stadtwerke, noch eine Betreibergesellschaft, noch einen tragfähigen Gemeindehaushalt in der Hinterhand, um Defizite auszugleichen“, sagt der Beurener Bürgermeister, Daniel Gluiber. Und eine schwarze Null schreibt die Panorama Therme seinen Worten zufolge nur, wenn der Besucherstrom übers Jahr nicht abreißt. Mehr als 600 000 nach Entspannung dürstende Badefreunde tauchen pro Jahr in die spektakulär zu Füßen der Burgruine Hohenneuffen liegende Bäderlandschaft ein.

Immerhin keimt inzwischen wieder Hoffnung auf. Dennis Birnstock, der FDP-Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Nürtingen, hatte sich aufgrund der prekären Finanzlage der Panorama Therme mit einem Brief an baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gewandt und frohe Botschaft erhalten. In ihrem Antwortschreiben verweist die Ministerin darauf, dass sich das Land und die Kommunen Anfang Juli auf ein umfangreiches Hilfspaket geeinigt hätten. Dabei sollen Kommunen, die als Träger von Kur- und Heilbädern von coronabedingten Einnahmeausfällen betroffen sind, anteilig mit 30 Millionen Euro unterstützt werden. Zwar müssten die Verteilungsschlüssel noch ausgehandelt werden, doch die Ministerin zeigt sich in dem Schreiben optimistisch, dass auch die Gemeinde Beuren davon profitiert.

Investitionen auf die lange Bank geschoben

Selbst wenn ein weiterer Scheck die tiefsten Sorgenfalten der Verantwortlichen glätten würde, ist es noch ein weiter Weg bis zum Normalbetrieb. „Wir werden auf jeden Fall die angedachten Investitionen in den Saunabereich vorerst auf die lange Bank schieben müssen“, sagt Dorner. Dass die Beurener auf die Investitionsbremse treten wollen, ist nicht nur der Coronadelle geschuldet. Bis zum Herbst des kommenden Jahres will die Gemeinde rund zwei Millionen Euro in die Hand nehmen, um in direkter Nachbarschaft der Therme einen großen Wohnmobil-Stellplatz einzurichten.

Den Bebauungsplan hat der Gemeinderat durchgewunken. „Das wird ein Leuchtturmprojekt für die ganze Region“, sagt Dorner unter Hinweis auf die 60 Plätze, die dann dort entstehen werden. Indirekt ist auch der Bau des Wohnmobil-Hafens eine Investition in die Therme. „Wohnmobilisten gehen gerne in die Sauna. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten“, ist sich Dorner sicher.

Von der Plastikbadewanne zur Wellness-Landschaft

Panorama Therme
 Im Jahr 1526, wurde erstmalig eine öffentliche Badestube unterhalb des Rathauses Beuren urkundlich erwähnt. Das Wasser für diese Badestube wurde aus einer unterhalb des Rathauses entspringenden Quelle, der Heilkräfte zugesprochen wurden, entnommen. Die moderne Zeitrechnung im Beurener Badebetrieb beginnt mit einer Bohrung am 28. September 1970. Das aus einer Tiefe von bis zu 755 Metern gewonnene 48,5 Grad heiße Thermalwasser wurde zu Beginn in ein kleines Plastikschwimmbecken geleitet. Aus den bescheidenen Anfängen wuchs eine rund 1000 Quadratmeter umfassende Beckenlandschaft mit sieben Thermalwasser- und einem Kaltwasserbecken, einem Dampfbadbereich, einer Thermengrotte und einer großzügige Saunaanlage.

Besuch
 Zutritt zur Therme und zur Sauna erhält nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist und dies auch nachweisen kann.  

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