Beweidung von Wiesen Kleine Herden braucht das Remstal
Streuobstwiesen werden nur bewirtschaftet, wenn es sich lohnt. Deshalb könnte Beweidung eine Lösung sein. Aber dafür muss sie noch mehr gefördert werden.
Streuobstwiesen werden nur bewirtschaftet, wenn es sich lohnt. Deshalb könnte Beweidung eine Lösung sein. Aber dafür muss sie noch mehr gefördert werden.
Kernen - Streuobstwiesen waren einst Teil einer bäuerlichen Kreislaufwirtschaft, in der alles verwertet wurde – nicht nur die Früchte vom Baum: Das Gras wurde als Futter fürs Vieh gebraucht, das Vieh wiederum düngte beim Weiden die Bäume, gab Fleisch, Leder und Wolle. Heute sehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ganz anders aus – und das macht es schwer, die Kulturlandschaft zu erhalten. „Wenn ich mir eines wünschen dürfte“, sagt Karl-Heinz Schmid von der Interessensgemeinschaft Streuobst, „dann wäre es das: Beweidung sollte besser bezahlt werden.“
Die Beweidung könnte viele Probleme lösen, davon ist Schmid fest überzeugt. Für Stücklesbesitzer mit wenig Zeit ist das aus seiner Sicht eine gute Alternative zum Balkenmäher. Aus ökologischer Sicht spart man nicht nur den Sprit des Mähers, sondern erhöht auch die Artenvielfalt auf der Wiese, die so wichtig ist. Warum, erklärt Schäferin Christine Brencher aus Stetten, die nebenberuflich zwei Herden betreibt: „Die Schafe lassen viele Büschel stehen, in denen Insekten überwintern können“, sagt Brencher.
Weil mehr stehen bleibt als beim Mähen, blüht eine beweidete Wiese auch viel schneller wieder. Allerdings falle es gerade den älteren Streuobstwiesenbesitzern nicht leicht, den struppigen Anblick einer beweideten Wiese zu akzeptieren, weiß Schäferin Brencher aus Erfahrung. Doch die Nachfrage steigt – inzwischen beweidet sie insgesamt 5,5 Hektar Streuobstwiesen in Kernen – etwa 1,5 Hektar im Auftrag des Landschaftserhaltungsverbands, den Rest im Auftrag von privaten Wiesenbesitzern. Leben kann sie davon nicht: „Im Augenblick bin ich froh, wenn ich null auf null rauskomme“, sagt Brencher, die beim Bürgerpreis der Kreissparkasse den zweiten Platz belegte.
Aus der Wolle ihrer Schafe macht Christine Brencher Düngepellets, das Fleisch gibt sie in kleinen Mengen direkt an ihre Kunden ab. Supermarktketten wie Edeka seien zwar immer auf der Suche nach regionalen Anbietern. Aber das Fleisch ihrer Tiere, sagt Brencher, sei für die Ansprüche des Großhandels nicht zart genug. Nicht einmal mit den Zuschüssen vom Land für die Beweidung kann sie die Kosten der Haltung decken, sagt sie. Kürzlich erst musste sie einen Anhänger kaufen, um ihre Schafe zum Schlachten zu transportieren. Ohne das Preisgeld und Spenden wäre ihr die Anschaffung nicht möglich gewesen, sagt sie.
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Schäfer bräuchten heute doppelt so große Herden wie noch vor 30 Jahren, um wirtschaftlich überleben zu können, beklagt auch Ronald Blümle, der stellvertretende Leiter des Landschaftserhaltungsverbandes im Rems-Murr-Kreis. Dabei wäre es seiner Erfahrung nach für die Pflege der kleinteiligen Kulturlandschaft Württembergs viel besser, wenn man viele kleine Herden hätte.
Christine Brencher hat durchaus Ideen, wie man das Problem lösen könnte. Würde die Gemeinde sie beispielsweise auf 450-Euro-Basis im Bauhof anstellen, würde ihr das schon helfen. Dann könnte sie beispielsweise auch das Heu verwerten, das bei der Pflege der städtischen Flächen anfällt.
Jochen Schäufele vom Landratsamt setzt seine Hoffnung auf die Pläne von Land und Kommunen, wertvolle Biotope zunehmend zu vernetzen. „Da gehört natürlich auch eine Beweidung mitgedacht“, sagt der Leiter des Amtes für Umweltschutz.