„Wir haben es ganz oft in der Stadt, dass Menschen in Einfamilienhäusern sitzen, die viel zu groß für sie sind,“ sagt Andrea Schwarz. Das betreffe insbesondere ältere Menschen, die allein in den großen Häusern zurückbleiben, wenn ihre Kinder ausziehen.
Durch die Teilung von Einfamilienhäusern eine neue Wohnung schaffen
So entstand die Idee der Beratungsprämie: Einfamilienhäuser sollen durch Trennung, Anbau oder Dachausbau so geteilt werden, dass darin eine weitere Wohneinheit entsteht, die vermietet werden kann. Die Eigentümer bleiben aber weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld. „Es geht darum, in der Gesellschaft das Bewusstsein zu fördern: ,Brauche ich wirklich noch meine 220 Quadratmeter oder kann ich sie nicht besser nutzen?‘“, sagt David Jacob.
Wie der Umbau im eigenen Heim aussehen könnte, soll bei Beratungsgesprächen mit Architekten entwickelt werden. Doch für viele Eigentümer stelle bereits dieser erste Schritt der Beratung eine Hürde dar, sagt Schwarz, insbesondere aufgrund der Kosten.
Prämie soll Hürde vor dem ersten Beratungsgespräch nehmen
Hier setzt die Beratungsprämie an. Um ein erstes Gespräch mit den Architekten anzustoßen, stellen die Kommunen den Eigentümern eine einmalige Prämie von 320 Euro für die erste Beratung bereit. Die folgenden Gespräche müssen die Eigentümer dann selbst zahlen. „Die Prämie stellt einen guten Anreiz dar, das Thema überhaupt mal in Angriff zu nehmen“, sagt Hanka Weikert.
Bisher sind 13 Anträge bei der Stadt Ludwigsburg eingegangen. In sieben Fällen habe sich aus einem ersten Beratungsgespräch bereits ergeben, dass eine Teilung möglich wäre – wenn auch teilweise mit einem größeren Aufwand. „Es ist schon ein Stück weit ein privates Abwägen“, sagt Schwarz. „Was habe ich an finanziellen Mitteln zur Verfügung, die ich investieren kann und wie bekomme ich dann wieder eine Reinvestition?“
Die Bürgermeisterin ist aber optimistisch, dass die Eigentümer diese Möglichkeit in Betracht ziehen würden, insbesondere eine Dachaufstockung. Denn das Potenzial sei groß und das Thema würde die Bevölkerung noch viele Jahre begleiten. „Dadurch, dass wir diesen demografischen Wandel haben und die Menschen immer älter werden, wird das Thema, wie wir mit unserer Wohnbiografie umgehen, immer stärker.“
Beratungsprämie erreicht zumindest ein kleineres Potenzial
Die Beratungsprämie sei nicht „der große Befreiungsschlag“, dennoch könne sie etwas zur Wohnraumoffensive beitragen. Auch Jacob sagt, die Prämie stelle nur ein einzelnes Instrument der Innenentwicklung dar, „mit dem man nie den großen Wurf macht, aber immer ein kleineres Potenzial erreicht“.
Nach einem Jahr sollen ihnen die Eigentümer den Stand ihres Umbaus zeigen. Andrea Schwarz erwartet nicht, dass bis dahin schon größere Umbauten stattgefunden haben, höchstens das Einbauen einer Wohnungstür oder die Schließung eines Treppenhauses: „Aber für mich wäre es schon ein Erfolg, wenn die Eigentümer rückmelden, dass sie in ein Vertragsverhältnis mit dem Architekten eingestiegen sind.“