Eine große Liebe, das soll der chinesische Philosoph Laotse gesagt haben, wird noch stärker durch die Entfernung. Es muss wohl ein besonderes Band sein, das Marbach und seine neue Partnerstadt Tirebolu an der türkischen Schwarzmeerküste verbindet: Immerhin 2467 Kilometer Luftlinie trennen sie, doch nun sind die beiden Städte glücklich in den Hafen der Ehe eingelaufen. Am Dienstagabend wurden im Marbacher Rathaus die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet.
Tirebolus Bürgermeister kann nicht persönlich kommen
Nicht einmal die Tatsache, dass Tirebolus Bürgermeister Burhan Takir nicht persönlich dabei sein konnte, hielt den Lauf der Dinge auf. Während der Marbacher Schultes Jan Trost das Schriftstück unterzeichnete, setzte sein Amtskollege, der über Videoschaltung auf einem großen Bildschirm präsent war, jenseits des Schwarzen Meeres seine Unterschrift unter eine Kopie und hielt diese dann in die Kamera. Der Bürgersaal applaudierte begeistert. Takir war offenbar verhindert, weil sein spezieller Beamtenpass nicht rechtzeitig verlängert werden konnte. Nicht nur virtuell, sondern real war auch eine türkische Delegation anwesend, darunter Takirs Ehefrau Emriye, die für ihren Gatten neben Trost unterschrieb.
Ein logischer, willkommener Abschluss nach einem fast 13-jährigen Städte-Flirt, und so sah man in dieser Feierstunde viele glückliche und zufriedene Gesichter. Im November hatte der Marbacher Gemeinderat mit einem einstimmigen Votum die letzten Hürden beseitigt. Marbachs Bürgermeister Jan Trost würdigte die Verbindung als „ein deutliches Zeichen“, bedeutsam angesichts der schwierigen weltpolitischen Lage. Marbach und Tirebolu hätten in den Begegnungen gelernt, dass „wir uns aufeinander verlassen können“.
Beide Städte haben sich viel vorgenommen
„Wir haben uns viel vorgenommen,“ betonte Trost. Vor allem im schulischen, kulturellen, sportlichen und touristischen Bereich wolle man eng zusammenarbeiten. Entscheidend seien Begegnungen von Mensch zu Mensch: „Sie machen das Herz unserer Partnerschaft aus.“ Leider hätten die geopolitischen Krisen und ihre Folgen zuletzt das deutsch-türkische Verhältnis getrübt. „Nicht jedoch bei uns, den Bürgerinnen und Bürgern von Tirebolu und Marbach.“ Städtepartnerschaften förderten Verständigung und Toleranz. Die wiederum seien „unerlässlich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und ein zusammenwachsendes Europa,“ so der Schultes.
Tirebolus Bürgermeister Burhan Takir sagte in seinem temperamentvollen Grußwort, er sei „aufgeregt, an diesem tollen Tag, der in die Geschichte eingeht“. Wenn man auch weit voneinander entfernt sei, „unsere Herzen sind zusammen.“ Beide Städte seien sehr reich „an Kultur und an Geschichte,“ das werde man in Zukunft teilen. „Und wir können unsere Freundschaft vertiefen.“
Emriye Takir hielt bei ihrem Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Marbach fest: „Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Tag hier feiern können.“ Bürgermeister Trost übergab ihr eine große Büste von Friedrich Schiller und eine Leuchtscheibe mit den Wappen von Tirebolu und Marbach. Ute Rößner und Daniel Hofsäß, Vorsitzende des Marbacher Partnerschaftskomitees, würdigten die Rolle der vielen Unterstützer und Förderer, die diese Partnerschaft möglich gemacht hatten. Ute Rößner sagte sichtlich berührt, an diesem Tag sei „ein Herzenswunsch von ihr in Erfüllung gegangen.“ Und Hofsäß erinnerte noch einmal daran, welch großen Beitrag der zugeschaltete Takir am Zustandekommen dieser Ehe hatte. Der Gelobte winkte sichtlich zufrieden vom Bildschirm.