Biennale Sindelfingen Der Hass-Prediger ist jetzt ein Theaterprofi

Daniel Dietrich war ein Talent der Biennale 2015. Dann machte er aus seinem Hobby einen Beruf und wurde Schauspieler. Dieses Jahr ist er bei der Biennale in einem Kurzfilm zu sehen.

Daniel Dietrich (Mitte) glänzte als hasserfüllter Priester bei der Biennale 2015. Foto: factum 3 Bilder
Daniel Dietrich (Mitte) glänzte als hasserfüllter Priester bei der Biennale 2015. Foto: factum

Sindelfingen - Für einen Abstecher in seine Heimatstadt Sindelfingen hat Daniel Dietrich keine Zeit. Im Stadtteil Hinterweil, wo seine Eltern noch immer leben, ist er aufgewachsen. Am Gymnasium Unterrieden hat er vor vier Jahren Abitur gemacht. Jetzt steht der 23-Jährige kurz vor seiner Abschlussprüfung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Deshalb treffen wir ihn in einem Café am Schlossplatz.

Der erste Eindruck: Jünger als vor vier Jahren wirkt er. Das liegt vermutlich am Bart. Der ist ab. Vor vier Jahren brauchte Dietrich den Vollbart für seine Rolle des Hass-Predigers im „Sindelfinger Jedermann“ – und war in dieser Rolle die Entdeckung der Biennale 2015. Gruselige Schauer jagte er den Zuschauern mit seinen hasserfüllten Tiraden als mittelalterlicher Priester hinter der Martinskirche über den Rücken.

Ab September ein Engagement am Bamberger Theater

Daniel Dietrich hat diese Zeit in bester Erinnerung. „Der Regisseur Frank Martin Widmaier hat mir viel Freiraum gelassen, meine Rolle zu entwickeln.“ Widmaier, damals der Künstlerische Leiter der Biennale, sowie Carmen Stallbaumer, seine Theaterlehrerin an der Sindelfinger Schule für Musik, Tanz und Theater (SMTT), seien es auch gewesen, die ihn auf die Idee brachten, „aus dem Hobby Theaterspielen einen Beruf zu machen“. Und so bewarb er sich bei mehreren Schauspielschulen in ganz Deutschland. In Stuttgart erhielt erden Zuschlag. Den Vertrag hatte er bereits in der Tasche, als er im Jedermann spielte. Der Erfolg und der Applaus der vielen Zuschauer waren ihm Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Vier Jahre später hat er es geschafft. Jetzt ist Daniel Dietrich Profi. Einen Zwei-Jahre-Arbeitsvertrag für das Bamberger Theater hat er bereits unterschrieben. Im September geht es dort los. Die Schauspielausbildung habe ihn ruhiger gemacht, sagt Daniel Dietrich. „Man lernt dabei sehr viel über sich selbst. Es ist ein sehr emotionaler Beruf.“

In Streifen beim Kurzfilmfestival zu sehen

Und ein kräfte- und zeitzehrender Job – diese Erfahrung machte Dietrich in den vergangenen Monaten bei seinem Bühnenpraktikum am Darmstädter Theater, wo er in sechs Produktionen mitwirkte. „Das ist knallhart. Sechs Wochen Zeit gibt es für eine Produktion. Da arbeitet man manches Mal zwei Wochen ohne einen freien Tag durch.“ Und wenn man mal frei habe, dann müsse man Texte lernen. Doch für Dietrich fühlt sich das alles richtig an. „Das ist genau das, was ich tun will.“

Auch bei der diesjährigen Biennale wird er wieder zu sehen sein – in dem Film „Später vielleicht“ von Ferdinand Stöckel. Der Streifen wird auf dem Kurzfilmfestival gezeigt, das am 18. und 19. Juli auf dem Programm steht.