Bietigheim-Bissingen Lesen neben Schläuchen und Plastikplanen

Nach dem Wasserschaden: Schlauchwirrwarr im Eingangsbereich der Bücherei Foto: factum/Bach
Nach dem Wasserschaden: Schlauchwirrwarr im Eingangsbereich der Bücherei Foto: factum/Bach

Gleich drei Wasserschäden hintereinander haben die Otto-Rombach-Bücherei in Bietigheim-Bissingen schwer getroffen. Erst vor drei Jahren war das Gebäude saniert worden – jetzt sind wieder Bauarbeiter vor Ort.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Bietigheim-Bissingen - So haben sich die Kinder die Büchereiführung sicher nicht vorgestellt. „Warum ist denn da Plastik an der Wand“, fragt ein Junge seine Grundschullehrerin. „Da gab es einen Wasserschaden“, antwortet sie und bemüht sich, die Kinder vom Eingangsbereich wegzubekommen, wo Plastikfolie an Holzverschlägen, eine Wasserpumpe und ein Wirrwarr an metallisch glänzenden Schläuchen das Interesse der kleinen Besucher wecken.

In der Tat mutet der Eingang der Otto-Rombach-Bücherei in Bietigheim-Bissingen in diesen Tagen eher wie ein Rohbau an. Mit dem Hinweis auf den Wasserschaden lag die Lehrerin fast richtig. Denn eigentlich waren es drei Wasserschäden hintereinander, die die Bücherei im Januar getroffen haben: Zweimal leckten Heizungsrohre, einmal ein Abwasserrohr.

Teilweise quillt der Putz wie Ausschlag hervor

Während die Grundschulkinder vor einem Plastikvorhang lärmen, inspiziert Claus-Dieter Jaisle, der Leiter des Hoch- und Tiefbauamts in Bietigheim-Bissingen, dahinter die Schäden. Am gravierendsten traf die Bücherei das Abwasserleck, auch weil damit – wegen der vorangegangenen Heizungsrohrschäden – zuerst gar keiner gerechnet hatte. Bis die beauftragte Sanierungsfirma das Leck gefunden hatte, waren viele Schritte nötig gewesen. Beispielsweise die Heizung abstellen, das Abwasser färben und mit einer speziellen Kamera durch die Abwasserrohre fahren.

Die Folgen der Wasserschäden sind deutlich: An den Wänden um die Toiletten herum zieht sich ein leicht gelblicher Streifen am unteren Ende entlang, teilweise quillt der Putz wie Ausschlag hervor. Außerdem müffelt es ein wenig. Und das ist nur der wahrnehmbare Teil.

Die neueste Hiobsbotschaft für Claus-Dieter Jaisle: ein Chemielabor hat den Estrich unterhalb des Fußbodens analysiert und zahlreiche Fäkalkeime gefunden. „Das muss alles bis auf den Rohfußboden raus“, sagt Jaisle. Er glaubt, dass die Renovierungsarbeiten mindestens zehn Wochen dauern werden. Der Versicherungssachverständige Alfred Link schätzt den Schaden auf bis zu 40 000 Euro.

Erst vor drei Jahren hat die Stadt die Bücherei saniert

Nicht mit eingerechnet ist dabei der Umsatzverlust, den der Eine-Welt-Laden unterhalb der Bücherei wegen des Abwasserlecks hat. Zwei Wochen lang hatte das Geschäft geschlossen, weil es unentwegt von der Decke tropfte. Aus Angst vor Schimmel räumten die Mitarbeiter alle Waren aus dem Laden. „Es gab deswegen schon Gerüchte, wir hätten Pleite gemacht“, sagt Heide Zimmermann vom Vorstand der Initiativgruppe dritte Welt, dem Betreiber des Ladens.

Für Christine Blum, die stellvertretende Leiterin der Bücherei, ist der Schaden ein „sehr unglückliches Ereignis“. Erst im vergangenen Jahr habe man die Toiletten renoviert, zwei Jahre davor die ganze Bücherei. Damals hatte die Stadt 1,3 Millionen Euro investiert, um Decken, Beleuchtung und Inneneinrichtung auf den neuesten Stand zu bringen. Allerdings nicht die Rohre, die teilweise 40 Jahre alt sind. Aktuell sind Aufzug und Zeitungsleseraum nicht nutzbar, bald auch nicht mehr die Toiletten. Dafür gibt es dann Toiletten-Container vor dem Gebäude.

Blums Plan ist es, die Umbauarbeiten über die Bühne zu bringen, ohne die Bücherei zu schließen. Bis zum 4. März sind alle Veranstaltungen in der Bücherei abgesagt, danach will sie sehen, ob auch andere Räume der Bücherei dafür taugen. „Dann wird es halt ein wenig enger“, sagt sie.




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