InterviewBietigheimer Autohaus verkauft den Streetscooter der Post „Die Preise für E-Autos werden sinken“

Von jui 

Seit Kurzem verkauft das Opel-Autohaus Weller einen Elektrotransporter der Deutschen Post. Der Verkäufer Julius Emrich erklärt, was das Logistikunternehmen den deutschen Autofirmen derzeit voraus hat.

Den Streetscooter gibt es nicht nur in der gelben Farbe der Deutschen Post. Foto: privat
Den Streetscooter gibt es nicht nur in der gelben Farbe der Deutschen Post. Foto: privat

Bietigheim-Bissingen - Gedacht war der Streetscooter nur für das Ausliefern von Paketen. Wegen des großen Interesses verkauft sein Hersteller, die Deutsche Post, den elektrisch betriebenen Lieferwagen inzwischen auch an Dritte. In der Region Stuttgarter ist das Bietigheimer Autohaus Weller das erste, das einen Lizenzvertrag mit der Post abgeschlossen hat. Der Verkäufer Julius Emrich erklärt, was die Post den deutschen Autofirmen derzeit voraus hat.

Herr Emrich, wie kommt ein Autohaus, das seit Jahrzehnten vor allem Opel verkauft, dazu, ein Elektroauto der Post anzubieten?
Die Zusammenarbeit entstand im vergangenen Sommer, über persönliche Kontakte aus meinem Studium. Ursprünglich ist der Scooter ja ein Projekt der Hochschule Aachen, die Post ist dann später eingestiegen. Wir bauen seit Jahren unser Angebot an Elektro-Mobilität aus, der Streetscooter passt da gut ins Portfolio. Und auf der anderen Seite sucht die Post nach Händlern, die ihr Produkt bekannter machen. Dafür haben wir die ideale Größe und eine gute Lage und Anbindung. Derzeit sind wir der einzige Händler in der Region Stuttgart, der den Streetscooter verkauft.
Die Post hat angekündigt, die Produktion des Scooters in diesem Jahr zu verdoppeln. Was macht sie besser als die anderen Hersteller im Autoland Deutschland?
An der Entwicklung des Fahrzeugs waren die Zusteller beteiligt, und das merkt man. So ist der Fahrersitz zum Beispiel links abgeflacht - an der Stelle geht bei Transportern immer das Polster kaputt, vom ständigen Ein- und Aussteigen der Fahrer. Und obwohl die Fahrerkabine sonst eher spartanisch ausgestattet ist, gibt es eine Sitzheizung. Die ist deutlich praktischer als eine herkömmliche Heizung, die ja die Luft im Fahrerraum erwärmt. Denn im Winter geht ja ständig die Türe auf. Es sind einfach viele gute Details.
Die haben ihren Preis, rund 40 000 Euro.
Die monatliche Raten beginnen bei 270 Euro. Ich sage aber voraus, dass die Preise für E-Fahrzeuge allgemein in den kommenden Jahren sinken werden. Das teuerste sind derzeit noch die Akkus, und deren Produktion wird günstiger werden.
An welche Kunden richtet sich der Transporter von der Post?
An Gewerbekunden. Er darf gar nicht an Privatleute verkauft werden. Dafür ist er auch gar nicht ausgelegt.
Für wen dann?
Interessant ist er vor allem für Lieferdienste, Bäckereien und Gärtnereien. Neulich hat aber auch ein Industrieunternehmen aus der Stadt zwei Exemplare bestellt. Es vergeht im Grunde kein Tag, ohne dass sich ein Interessent bei uns meldet.
Gilt das auch für die anderen E-Fahrzeuge, die Sie anbieten?
Die Diskussionen um Fahrverbote in Stuttgart und der Diesel-Abgasskandal haben die Verkaufszahlen befeuert, das muss man klar sagen. Wir haben eine höhere Nachfrage an E-Autos, als wir Fahrzeuge von den Herstellern geliefert bekommen. Das lässt die Lieferzeiten ansteigen. Wir bauen gleichwohl unsere Angebotspalette an E-Fahr­zeugen deutlich aus, auch unsere Werkstatt haben wir dafür vorbereitet. Zusammen mit den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen haben wir einen sogenannten Super-Charger aufgebaut, der die Akkus besonders schnell lädt.



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