Das hat man jetzt wirklich auch nicht alles Tage: Das Ludwigsburger Barockschloss ist im Fernsehen. Und auf Instagram und Tiktok. Und in Streamingdiensten zu sehen. Noch bis 31. Januar macht McDonald’s mit der historischen Kulisse Werbung für seinen Big Rösti – und vielleicht auch ein kleines bisschen für Ludwigsburg und sein Schloss.
Im vergangenen Dezember mietete die Fastfood-Kette den Ehrenhof des Residenzschlosses Ludwigsburg für den Dreh des Werbespots und stellte die dazu eigens aufgebaute Riesen-Schneekugel anschließend vier Tage lang dem geneigten Publikum zur Verfügung. Drinnen gab es eine gratis multimedia-Winterlandschaft zum Staunen und einen Big Rösti (oder Pommes) zum Verputzen – ebenfalls für umme.
Die Zahlen
Ein Spektakel, das sich insgesamt 2600 Besucher ansahen. Knapp 1800 entschieden sich im Anschluss für das Burgerbrötchen mit Fleischpatty, Käse und Kartoffelpuffer. Soweit die schnöden Zahlen. Mehr davon gibt’s auch nicht, denn weder McDonald’s selbst noch die Schlossverwaltung wollen verraten, wie viele Euros die Burger-Kette für ihre Aktion im Schlosshof locker gemacht hat. Doch zumindest so viel verrät Stephan Hurst, der Leiter der Schlossverwaltung Ludwigsburg: „Der Preis war für die Nutzung absolut angemessen und lag auch sehr deutlich über dem Preis einer Hochzeit oder Firmenfeier. Selbstverständlich wurde auch die werbliche Nutzung bei der Preisbemessung berücksichtigt.“ Die Stadt Ludwigsburg hat keine finanziellen Einnahmen durch den Werbespot, da das Gelände, also der Ludwigsburger Schlosshof, dem Land Baden-Württemberg gehört.
Die Kritik
Sollte, könnte oder müsste man meinen, dass Fastfood-Kette und Barockschloss nicht so richtig zusammenpassen? „Sicher gab es auch Leute, die den Schlosshof nicht als idealen Ort für den Aufbau empfunden haben“, berichtet Stephan Hurst. Oftmals habe sich dann im persönlichen Gespräch diese Meinung verändert. „Es gab keinerlei Schäden, keinen Müll, einen absolut reibungslosen Ablauf. Und die Zeit im Dezember hat sich aufgrund der überschaubaren Frequenz im Schloss angeboten.“
Die Zusammenarbeit
Alles lief reibungslos, sagt der Leiter der Schlossverwaltung. „Bei Aufbau, Dreharbeiten und dem Betrieb des Schneeballs waren neben McDonald’s zahlreiche weitere Firmen involviert. Die Zusammenarbeit mit allen Gewerken war vorbildlich und von großem Respekt für das Schloss und die genutzten Areale gezeichnet.“ Gleiches galt für den Betrieb des Schneeballs in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag Anfang Dezember. „Es waren viele Familien, Jugendliche aber auch zahlreiche ältere Menschen auf dem Areal, um sich im inneren der Kugel die Projektionen der Winterwelten anzusehen und den Burger zu testen. Hier fanden sicher einige Menschen den Weg in den Schlossinnenhof, die diesen bislang noch nicht gesehen haben“, sagt Hurst. Er betont auch, dass im Schlosshof kein Müll herumlag. „Landete trotzdem einmal etwas neben dem Mülleimer, wurde es durch das Organisationsteam sofort entfernt.“
Die Reaktionen
Petra Herrling, Direktorin des Blüba: „Die Schneekugel hat bereits beim Aufbau für Aufmerksamkeit gesorgt. Beleuchtet sah sie wunderschön aus. Den Werbespot spiegelt das Erlebnis in der Kugel sehr gut wider.“
Stephan Hurst, Leiter der Schlossverwaltung: „Der Spot gefällt mir sehr gut, und ich freue mich in diesem Fall über jede einzelne Werbung, die mir angezeigt wird. Das imposante Residenzschloss bei Dunkelheit mit dem beleuchteten Schneeball ist ein sehr beeindruckendes Bild. Besonders schön ist, dass zu Beginn des Spots eingeblendet wird, dass die Aufnahmen am Schloss Ludwigsburg gemacht wurden. Damit ist die faszinierende Kulisse auch klar zuordenbar.“
Matthias Knecht, Oberbürgermeister: „Ich finde den Werbespot sehr gut gemacht, vor allem natürlich die stimmungsvollen Aufnahmen des Ludwigsburger Schlosshofes. Indirekt ist der Spot sicherlich auch eine ,kleine Werbung’ für Ludwigsburg. Trotzdem sehe ich ihn ebenfalls kritisch: Ich als Oberbürgermeister und wir als Stadt Ludwigsburg stehen natürlich für Themen wie Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung et cetera. Ich muss aber zugeben, dass ich auch schon beim Big Rösti schwach geworden bin. Ich liebe Käse aber auch ohne Burger.“
Was es bringt
Der Leiter der Schlossverwaltung freut sich über eine extrem hohe Reichweite, neue Zielgruppen und nicht unerheblich Einnahmen. Gemeinsam mit der Nennung des Ortes sind jedoch auch die von McDonald’s gewählten Werbekanäle für die Schlossverwaltung sehr attraktiv. „Über Streamingdienste oder die Plattformen Instagram und Tiktok wird eine Zielgruppe angesprochen, die wir auf dem konventionellen Weg nicht oder nur schwer erreichen. Die überregionale Reichweite der Kampagne halte ich für einen ganz wesentlichen positiven Aspekt in der Gesamtbetrachtung.“
Das Schloss als Kulisse
So ein Werbespot macht das Ludwigsburger Barockschloss natürlich weithin bekannt, weitere Anfragen für ähnliche Projekte gab es – zumindest bisher – keine. Stephan Hurst: „Anfragen in dieser Größenordnung sind eher die Ausnahme als die Regel.“ Er erinnert an das letzte vergleichbare Projekt, als 2016 Amazon das Serienformat „The Grand Tour“ etablierte. Hier hatte sich das Residenzschloss Ludwigsburg gegen weitere großartige Sehenswürdigkeiten in Deutschland durchgesetzt. „Die Show wurde exklusiv für Deutschland im Ehrenhof aufgezeichnet und sicher millionenfach weltweit gesehen. Wegen des durchsichtigen Hintergrunds des Zeltes konnten die Zuschauer den alten Hauptbau der Barockanlage bewundern.“