Bilanz der Bonuscard Kostenlose Kultur wird angenommen

Beliebt bei Bonuscard-Besitzern: das Lindenmuseum (mit Mandala-Ausstellung), ... Foto: Zweygarth 3 Bilder
Beliebt bei Bonuscard-Besitzern: das Lindenmuseum (mit Mandala-Ausstellung), ... Foto: Zweygarth

Das Sozialprojekt "Kultur für alle" kommt an. Rund 50 Museen und Theater haben 2010 mehr als 3500 Besuche für Bonuscard-Empfänger ermöglicht.

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Stuttgart - Euphorie kommt bei den Projektverantwortlichen beim Anblick der nackten Zahl noch keine auf, einen guten Anfang sieht Helga Breuninger darin aber allemal: Mehr als 3500 Mal haben die Bonuscard-Empfänger der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr eine der knapp 50 Kultureinrichtungen besucht, die bei dem Sozialprojekt "Kultur für alle" aktuell mitmachen. "Das ist noch ausbaufähig, 10.000 Besuche wären ein guter Schnitt", sagt die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Stuttgart, auf deren Initiative die Bonuskarte Kultur Anfang vergangenen Jahres eingeführt wurde.

Um das Nutzungsverhalten auswerten zu können und zu sehen, ob das soziale Engagement auch auf fruchtbaren Boden fällt, hat die Initiative nun eine Evaluation durchgeführt und dabei die beteiligten Kultureinrichtungen und auch die Besucher selbst befragt. Neben den Zahlen, die dabei erhoben worden sind, ist für die Verantwortlichen vor allem eine zentrale Erkenntnis von Bedeutung, wie die Geschäftsführerin der Initiative, Julia Schindler, sagt. So hätten fast alle Befragten in den Fragebögen angegeben, dass der Kulturbesuch für sie ohne die Bonuskarte und die Möglichkeit des freien Eintritts nicht möglich gewesen wäre. Ebenso hätten praktisch alle Befragten der Möglichkeit, kostenlos Kultur besuchen zu können, eine sehr hohe persönliche Bedeutung zugemessen. "Dieses Feedback bestätigt unsere Grundannahme, dass es wichtig ist, Menschen mit wenig Geld kulturelle Teilhabe zu ermöglichen", sagt Julia Schindler: "Unser Angebot funktioniert, wie es gedacht war."

Festes Kartenkontingent

Bewährt hat sich dabei auch das Prinzip der Bonuscard Kultur: Die beteiligten Einrichtungen verpflichten sich, ein festes Kartenkontingent in allen Preiskategorien zur Verfügung zu stellen. Dadurch haben die Bonuscard-Besitzer die Möglichkeit, wie jeder andere Besucher auch schon im Vorfeld Karten für sich zu reservieren. "Es war uns wichtig, dass nicht das Gefühl aufkommt, dass Restkarten verschenkt werden, die ansonsten verfallen würden" sagt Julia Schindler.

Rund 65.000 Stuttgarter haben im Jahr 2011 vom Sozialamt eine Bonuscard mit dem Zusatz Kultur ausgestellt bekommen, also immerhin zehn Prozent der Einwohner der Landeshauptstadt. Nur ein Teil davon, so Julia Schindler, sei von Haus aus kulturaffin, wie in allen anderen Teilen der Gesellschaft auch. Auf der anderen Seite gebe es viele Mehrfachnutzer, die regelmäßig ins Theater oder Museum gehen. Bisher habe man das Angebot vor allem über das Internet bekannt gemacht, künftig werde man die Zielgruppe auch auf anderen Wegen ansprechen, um die Auslastung zu verbessern.

Kinderprogramm sehr beliebt

Aufgefallen ist bei der Evaluation auch, dass in Häusern mit gemischtem Programm, etwa dem Theaterhaus oder dem Landesmuseum mit dem Jungen Schloss, vor allem das Kinderprogramm stark nachgefragt wurde. Der Elternanteil unter den knapp 200 Befragten sei mit 60 Prozent auffallend hoch, sagt Julia Schindler. Vielen sei es ein Anliegen, das Interesse ihrer Kinder zu wecken.

Insgesamt 52 Theater, Museen, Bühnen und Orchester sind momentan Kulturpartner - von der Akademie für gesprochenes Wort bis zum Weißenhofmuseum. Einige würden sich von selbst melden, sogar von außerhalb wie das Museum Ritter in Waldenbuch oder das Freiburger Barockorchester, sagt Ulrike Jäger, Vorstandsvorsitzende der Initiative Kultur für alle. Die Suche nach weiteren Einrichtungen, etwa auch Kinos, läuft ständig weiter, was die Initiative aber vor allem noch braucht, sind Sponsoren. Der Etat von 40.000 Euro ist nur bis Ende des Jahres gesichert, über die weitere Finanzierung laufen derzeit Gespräche mit der Stadt. Gleichzeitig ist das Stuttgarter Kulturprojekt aktuell auch in Berlin und Brandenburg ein Thema, wie Helga Breuninger betont: "Dort will man unser Modell übernehmen."




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