Bilanz Erntedankfest Was lief rund, was weniger beim Fellbacher Herbst?

Der Fellbacher Herbst zog Tausende an – einer der Höhepunkte war der farbenfrohe Festzug. Foto: Gottfried Stoppel

Die Veranstalter des Fellbacher Herbsts ziehen eine positive Bilanz. Mehr als 200 000 Gäste haben das Traditionsfest besucht. Kritische Stimmen gibt es jedoch zum späten Feuerwerk-Start.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Einen herrlichen Blick über Fellbach bis zum Kappelberg hat Karl Gross mit seiner Enkelin genossen. Der Fellbacher hatte eine Runde im Riesenrad auf dem Platz vor der Schwabenlandhalle gedreht. Die luftige Fahrt unternahm er am Montag im Rollstuhl – dass der Senior zu Fuß nicht mehr so fit ist, hatte ihn nicht von der Riesenradrunde abgehalten. Was eine Freude, das war spürbar, auch Enkelin Anna-Sophie Fischer stieg strahlend aus der Kabine.

 

„Wir haben nachgefragt, die Gondel geht ganz auf, sodass man mit dem Rollstuhl gut hineinkommt“, sagten Familienangehörige, die die beiden begleiteten. „Es ist ein tolles Angebot, alles ist gut gesichert, es ist gut gemacht.“ Karl Gross war nicht der Einzige, der die rollstuhlgerechte Gondel genutzt hat. „Es waren täglich Gäste da, die das Angebot wahrgenommen haben“, heißt es vom Riesenrad-Team. Enrico Becker, Betreiber des Riesenrades, hat nun eine rollstuhlgeeignete Gondel eingerichtet, nachdem es im vergangenen Jahr Diskussionen um mangelnde Barrierefreiheit gegeben hatte. Das 38-Meter-Rad wird nachts bunt illuminiert – es ist eines der buchstäblichen Highlights des Fellbacher Herbsts. Dieses Mal gab es keine Verlängerung, das Riesenrad wurde am Dienstag abgebaut.

Mehr als 200 000 Besucher zieht das mehrtägige Fest an

Der Fellbacher Herbst hat sich einmal mehr als großer Magnet gezeigt. Mehr als 200 000 Besucher insgesamt verzeichneten die Veranstalter bis Sonntagabend beim 74. Fellbacher Herbst. Am Montag klang das Fest aus. Die Stadt zieht eine positive Bilanz: „Wir haben den Wein- und Obstbauern sowie den Landwirten aus dem Herzen gesprochen“, fasste Oberbürgermeisterin Gabriele Zull die Reaktion auf das Motto des Fellbacher Herbsts zusammen. Die OB hatte die Folgen einer geplanten europäischen Richtlinie zum Pflanzenschutz in den Fokus gerückt. Dass indes nicht alle das Motto so gelungen fanden, hatte die Wichernschule beim Festzug scherzhaft aufgegriffen. „Vieles war früher besser, auch das Motto“. Manches Motto hätte eine Umsetzung im Festzug leichter gemacht, war aus dem humorvollen Beitrag zu entnehmen. „Das komplexe Thema passt nicht so richtig zu einem ausgelassenen Heimatfest“, hieß es unter anderem auch am Rand des bunten Festzugs.

Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz ziehen eine positive Bilanz

Die Polizei habe auf sichtbare Präsenz gesetzt und schon am ersten Abend viele Jugendkontrollen ausgeführt. „Wir waren jeden Abend mit verstärkten Kräften im Einsatz und sind immer wieder ins Gespräch gegangen“, sagt der Leiter des Fellbacher Polizeireviers, Jan Kempe. Konfisziert wurden gefährliche Gegenstände oder auch Cannabisprodukte. Insgesamt zog der Chef des Polizeireviers eine positive Bilanz. Neben zwei Anzeigen wegen Ruhestörung seien einige gestürzte Personen und kleinere eskalierende Konflikte zu verzeichnen gewesen, oft unter Alkoholeinfluss. „Insgesamt aber war es für die Teilnehmerzahlen sehr ruhig, und die Stimmung war sehr gut“, so Kempe. Dem schlossen sich Sicherheitsdienst, Feuerwehr und das Rote Kreuz an. „Die gute Atmosphäre auf dem Festgelände wurde von allen Beteiligten gelobt“, so Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Fellbach Event & Location GmbH, die für die Herbst-Organisation verantwortlich ist. Positiv sei auch die Aufteilung des Festgeländes angekommen: „Wir haben die Kinderangebote wie bereits 2022 in einem Bereich zusammengefasst, das macht es für die Eltern übersichtlicher.“

Händler ziehen ein durchwachsenes Fazit beim verkaufsoffenen Sonntag

Trotz der vielen Konkurrenzveranstaltungen sei auch der verkaufsoffene Sonntag ein Erfolg gewesen, so die Bilanz der Stadt. Erstmals wurde die Einkaufsmeile von 1,7 auf 1,4 Kilometer verkürzt und dadurch etwas kompakter, „was sehr gut von den Besuchern angenommen wurde“, sagte Einzelhandelskoordinator Julian Deifel. Manche Händler zogen jedoch ein durchwachsenes Fazit. „Viele fanden nicht den Weg in die Geschäfte, Essens- und Getränkestände waren mehr gefragt“, berichteten einige Inhaber. Bei einigen sei der Umsatz deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben. „Es war viel zu warm, da hat sich kaum einer für die Herbstmode interessiert“, sagte Zeljko Vukmirovic, Inhaber des V-Store. „In der nördlichen Bahnhofstraße hat die Frequenz stark nachgelassen, es gab zu viele Lücken“, sagte Herrenausstatter Stefan Lutz. „Der Umsatz lag deutlich unter dem Maikäferfest“, sagte Simone Schmid, Inhaberin der K+M Confiserie, die ihr 100-Jahr-Jubiläum mit Musik feierte. „Aber die Stimmung war dennoch toll.“

Den späteren Start des Feuerwerks bedauern einige Besucher des Spektakels

Das Feuerwerk, das Pyrotechniker Peter Notter am Sonntagabend gezündet hatte, erntete viel Applaus. Doch waren manche Fans enttäuscht, dass das Spektakel um eine halbe Stunde nach hinten verlegt wurde. „Ich habe wieder den Fellbacher Herbst besucht. Eine gelungene und schöne Veranstaltung. Was mich jedoch nicht nur verwundert, sondern verärgert hat, war der späte Start des Feuerwerks“, schrieb ein Leser unserer Zeitung. Es werde gegen 19 Uhr bereits dunkel. „Um das Feuerwerk vernünftig mit Familie genießen zu können, wäre ein Start um 19.30 Uhr, spätestens 20 Uhr, sinnvoll.“ Der Leser war mit der Kritik nicht alleine. Mehrere bedauerten den späteren Start um 21 Uhr. Für Kinder, die zur Schule müssten, sei es schwierig. „Auch für die, die zwischen 5 und 6 Uhr zum Dienst müssen, ist es schwierig, das Feuerwerk ist ja am Sonntag“, sagte die Fellbacherin Martina Maier.

Apropos Start: Einen besseren Startpunkt für seine Bimmelbahn hätte sich Karl-Heinz Thaldorf gewünscht. Die Haltestelle vor der Schwabenlandhalle sei zu abseits. „Hier finden mich die Leute nicht“, sagte er. Gäste, die in der Bahn Platz genommen hatten, sagten: „Wir haben es vom Riesenrad aus entdeckt.“ Einige Meter Richtung Guntram-Palm-Platz wäre die Haltestelle sichtbarer, so Thaldorf. Seine „Follower“ hätten sich aber sehr gefreut, dass er wieder durch Fellbach tourte.

Mehr als 30 Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden

Ein Wermutstropfen seien viele Autofahrer gewesen, die sich nicht an die Absperrungen hielten. „Manche wollten bis aufs Festgelände fahren und dort parken“, so das Ordnungsamt. „Insgesamt mussten wir über 30 Fahrzeuge am Samstag und Sonntag abschleppen“, sagte Hans-Jürgen Meyer von der Straßenverkehrsbehörde. Das Fazit insgesamt? „Es war klasse, eine schöne Stimmung“, sagte eine Besucherin auf dem Heimweg. Sie freue sich schon auf den nächsten Fellbacher Herbst.

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