Bilanzen der IT-Giganten Apple und Facebook schlagen Amazon und Google

Was schlägt es für die  vier Großen der IT-Branche?  Die scheinbar übermächtigen US-Unternehmen entwickeln sich durchaus unterschiedlich. Foto: AP
Was schlägt es für die vier Großen der IT-Branche? Die scheinbar übermächtigen US-Unternehmen entwickeln sich durchaus unterschiedlich. Foto: AP

Amazon, Apple, Facebook und Google haben ihre Quartalszahlen vorgelegt. Sie liefern Aufschlüsse darüber, wohin sich die IT-Branche bewegt. Die zwei Namen, die in Deutschland die meisten Ängste auslösen, sind nicht die Sieger.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Stuttgart - Apple hat mit seinen historische Dimensionen erreichenden 18 Milliarden Dollar Quartalsgewinn den anderen großen Namen der IT-Branche in dieser Woche die Show gestohlen. Doch die aktuellen Bilanzzahlen der großen Vier – Amazon, Apple, Google und Facebook – die an der Börse zusammengenommen eine Marktkapitalisierung haben, die das Bruttoinlandsprodukt von Südkorea übertrifft, liefern ein interessantes Streiflicht auf die unterschiedliche Situation der Internet-Riesen. Amazon und Google, die in Deutschland als allmächtige Kraken wahrgenommen werden, stoßen mit ihrem bisherigen Geschäftsmodell stärker an Grenzen als Apple und Facebook, deren vermeintlicher Niedergang schon öfter herbeigeschrieben wurde – in einem Fall wegen angeblich fehlender Produktsensationen, im anderen Fall wegen sinkender Attraktivität für jüngere Nutzer.

Bei Amazon haben 241 Millionen Dollar Profit im vierten Quartal 2014 nicht genügt, um die roten Zahlen von insgesamt 451 Millionen Dollar (rund 400 Millionen Euro) aus den vorangegangene drei Quartalen auszugleichen. Wie bescheiden die Erwartungen geworden sind, zeigt die Tatsache, dass der im Vergleich zum selben Vorjahresquartal zehn Prozent niedriger ausgefallene Gewinn an der Börse bejubelt wurde – er war höher als erwartet. Amazon tritt nach teuren Experimenten wie der Einführung des Smartphone Fire, auf die Bremse. Die Expansion um jeden Preis, die bei einem Umsatzes von 89 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2014 rund 88,8 Milliarden an Kosten produzierte, ist auf Dauer unhaltbar. International sind die Verkäufe im abgelaufenen Quartal auf Dollarbasis nur um 3,2 Prozent gewachsen, wozu aber auch die starke US-Währung beitrug.

Eine reine Verkaufsplattform reicht nicht

Das Geschäft als reine Online-Verkaufsplattform wird schwieriger. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 sind die Versandkosten um etwa 40 Prozent gestiegen. Das Amazon-Modell wird immer öfter kopiert: Bestellungen mit einem Klick und schnelle Lieferung versprechen inzwischen viele andere Anbieter. In den USA investieren beispielsweise traditionelle Kaufhausketten wie Macy’s oder der Discounter Wal-Mart massiv in ihr Online-Angebot. Auf der anderen Seite eröffnen Online-Anbieter eigene Läden. Sie hoffen auf einen Trend, der sich in Europa schon deutlicher abzeichnet: Auch Online-Kunden wissen es zu schätzen, wenn es einen Laden vor Ort gibt. In Frankreich und Großbritannien haben fast zwei Drittel der Kunden schon einmal einen Artikel online bestellt und im Laden abgeholt. Amazon müsste also bald über die teure Akquisition einer Ladenkette nachdenken.

Auch Google hat das für seine Verhältnisse niedrige Plus von 17 Prozent bei den Anzeigeneinnahmen im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit dem starken Dollar erklärt. Dieses auf den ersten Blick immer noch solide erscheinende Wachstum wird dadurch relativiert, dass die Ausgaben für Investitionen und Entwicklung im selben Zeitraum um 45 Prozent gestiegen sind. Google hat etwa seine Belegschaft um rund zehn Prozent auf 53 600 aufgestockt.

Doch darin steckt kein expandierendes Kerngeschäft – Google sucht mit hohem Aufwand nach neuen Geschäftsfeldern. Die Preise für die klassischen Google-Anzeigen sinken nämlich. Google schwächelt insbesondere im Mobilbereich. Zuletzt hat Apple darauf verzichtet, Google zur voreingestellten Suchmaschine in dessen Safari-Browser zu machen. Andere Projekte wie die Google-Datenbrille sind ein Flop oder stehen, wie das von der deutschen Autoindustrie so sehr gefürchtete fahrerlose Google-Auto noch am Anfang.

Facebook schafft den Sprung auf die mobilen Geräte

Wie man den Sprung auf die mobilen Geräte schafft hat hingegen Facebook vorgemacht. Der Umsatz im vierten Quartal ist um 49 Prozent gestiegen, die Einnahmen je Nutzer sind im Vergleich zum Vorjahresquartal von 2,41 Dollar auf 2,81 Dollar gestiegen – das zeigt, dass Facebook aus seinen 1,3 Milliarden Nutzern mehr Geld herauszuholen versteht. Und was bei der Fixierung auf die angebliche Allmacht von Google oft vergessen wird: Facebook hat viel bessere Möglichkeiten seine individuell eingeloggten Nutzer zu verfolgen. Und Facebook investiert so aggressiv wie Google. Die Quote liegt heute bei 42 Prozent des Umsatzes; darin freilich sind Übernahmen enthalten. 2012 waren es erst 31 Prozent. Dabei hat man Treffer gelandet. Mit dem Kauf der Foto-Plattform Instagram und der Nachrichten-App Whatsapp hat Facebook die Tatsache kompensiert, dass jüngere Nutzer es weniger attraktiv finden.

Und Apple? Die sensationellen Quartalszahlen haben die Zweifel am Mythos Apple vorerst verstummen lassen. Dass der Premiumanbieter inzwischen bei den Verkaufszahlen von Smartphones wieder an den klaren Marktführer Samsung herangekommen ist, ist Beleg dafür, dass sich der Verzicht auf Experimente gelohnt hat – auch wenn das nicht zur Apple-Legende passt. Auch bei Apple steckt man die Fühler in Richtung neuer Geschäftsfelder aus, etwa bei mobilen Bezahlsystemen aus, die mit der geplanten, smarten Apple-Uhr gekoppelt werden können. Aber im Gegensatz zu den zahllosen Projekten von Google, die von einem zusammen mit der Raumfahrtfirma Space X geplanten Satellitensystem bis zu Android-Fernsehern und Kopfhörern reichen, bleibt Apple näher bei seinen Kernkompetenzen.

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