Bilderbuch in Stuttgart Kreuz und quer durch die Stile

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Die Wiener Band Bilderbuch wird allgemein gefeiert – zu Recht, wie ihr Auftritt in den Wagenhallen in Stuttgart zeigt. Und auf noch eine österreichische Band darf man sich freuen.

Maurice Ernst und seine Bandkollegen von Bilderbuch zelebrieren den Auftritt in Stuttgart. Weitere Bilder aus den Wagenhallen zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 22 Bilder
Maurice Ernst und seine Bandkollegen von Bilderbuch zelebrieren den Auftritt in Stuttgart. Weitere Bilder aus den Wagenhallen zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Dass es Musik aus Österreich auch jenseits etwas angejahrter Liedermacher und auch ohne Schmäh und Dialekt gibt, beweisen derzeit zwei Bands besonders. Wanda heißt die eine, sie wird am 21. Mai in der dann gewiss bombig besuchten Schorndorfer Manufaktur spielen; und Bilderbuch heißt die zweite, sie hat am Mittwochabend in den seit Wochen ausverkauften Wagenhallen gastiert.

Grund für den enormen Zuspruch ist nicht etwa der Umstand, dass es sich um Newcomer handelt. Denn die Band existiert bereits seit zehn Jahren, und in dieser Zeit hat sie auch schon zwei Alben und zwei EPs veröffentlicht, allerdings ohne größere Außenwirkung. Die hat sich erst durch eine Stiländerung und das dritte, vor einem Monat erschienene Album „Schick Schock“ eingestellt. Dafür aber gleich heftig: Platz eins in den Albumcharts in Österreich, Rang vierzehn in Deutschland, fast alle Konzerte der Tournee sind ausverkauft.

Und zwar aus gutem Grund. Abgesehen vom enervierenden Vorprogramm und der allzu häufigen Bekundung des Bilderbuch-Sängers Maurice Ernst, wie schön es doch in Stuttgart sei („Das San Francisco Deutschlands“), macht dieses Konzert richtig Spaß. Das liegt vor allen Dingen an der spürbaren Spielfreude und dem außerordentlich energetischen Auftreten des Quartetts, das zwar sehr laut, aber auch ungemein druckvoll, punktgenau und akkurat ausgezirkelt spielt. Grundiert wird das mit dem metrisch sehr vielfältigen und abwechslungsreichen Spiel des Schlagzeugers Philipp Scheibl, vor allem überzeugt aber jener Stilcrossover, den sich die Band auf ihrem neuen Album angeeignet hat. Irgendwo zwischen Stereo MCs, Arctic Monkeys und Franz Ferdinand geht es in den Wagenhallen zur Sache, mit ein wenig älterem Material – der Debütsingle „Calypso“ von 2009 etwa – und vielen der neuen Stücke. In den Wagenhallen ersichtlich sehr tanzbar ist das alles, sehr (Brit-)rockig und -poppig umgekehrt ebenfalls, gut getextet auch. Den Erfolg hat sich die Band Bilderbuch verdient. Ein feiner Abend.