Bildhauer Peter Lenk Die Karriereleiter landet auf dem Schrottplatz

Von Wolfgang Messner 

Die Investitionsbank Berlin hat das die Karriereleiter, ein Kunstwerk von Peter Lenk, abgeflext. Der Bildhauer aus Bodman-Ludwigshafen wehrt sich jetzt juristisch.

Der Bildhauer Peter Lenk will es nicht hinnehmen, dass seine Karriereleiter an der Investitionsbank Berlin einfach abgeflext wurde und auf dem Schrottplatz landete. Foto: dpa
Der Bildhauer Peter Lenk will es nicht hinnehmen, dass seine Karriereleiter an der Investitionsbank Berlin einfach abgeflext wurde und auf dem Schrottplatz landete. Foto: dpa

Bodman/Berlin - Kennen Sie den? Kommt eine Verhandlungsdelegation in die Investitionsbank Berlin: „Guten Morgen, wir haben einen Termin beim Vorstandsvorsitzenden Herrn Kissing.“ – Möchten Sie den Lift benutzen oder lieber die Leiter?“ Der Berliner hat Humor und Witze wie diese kommen an der Spree schnell auf, wenn sich jemand lächerlich gemacht hat.

Wie es aussieht, ist das bei Ulrich Kissing, dem Vorstandschef der landeseigenen IBB, der Fall. Denn dort kursiert dieser Witz hausintern. Die Leiter gibt es nicht mehr, Denn Kissing hat in der Nacht zum 1. November die „Karriereleiter“ des Bildhauers Peter Lenk aus Bodman-Ludwigshafen (Kreis Konstanz) bei Nacht und Nebel abräumen lassen. Die Figur habe Kissing auch gar zu ähnlich gesehen, wird bei der IBB geraunt. Ein Sprecher weist diese Begründung zurück. Lenk ist bundesweit bekannt für überlebensgroße Skulpturen satirischen Inhalts. In Berlin prangt an der Wand der „taz“ die Pimmelkonstruktion „Friede sei mit Dir“, eine Reaktion auf die pornografische Provokation von Springers Bild-Zeitung.

Das „Peter-Prinzip“ – Treten und Buckeln inklusive

Seit 2007 zierte die 16 Meter hohe Karriereleiter das IBB-Gebäude. Sie zeigt Manager bei ihrem Kampf auf dem Weg nach oben, Treten und Buckeln inbegriffen. In der ersten Fassung von 1994 in Konstanz wollte Lenk das „Peter-Prinzip“ veranschaulichen, wonach in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. In Berlin stellte er die Leiter zusätzlich leicht geneigt auf, um auf „die Fragilität des Bankensystems“ hinzuweisen.

Kissing hat Lenk nicht gefragt, ob er die Leiter wieder abbauen darf. Er hat angewiesen. Die Mitarbeiter wurden zudem darüber aufgeklärt, dass die Leiter „keine gute Visitenkarte für die IBB“ abgebe. Die Bank habe sich deshalb entschlossen, die Leiter einem „interessierten Unternehmer auszuleihen“. Dass es sich dabei um einen Schrotthändler handelte, der die Figur abgeflext und von der Bundesallee auf seinen Platz nach Neukölln gebracht hatte, wurde verschwiegen.

Meinungs- und Kunstfreiheit sowie das Urheberrecht verletzt?

Dem seit 2009 amtierenden Ulrich Kissing war die Karriereleiter ein Dorn im Auge. Sein Vorgänger, der frühere baden-württembergische SPD-Abgeordnete Dieter Puchta,habe die 60 000 Euro teure Skulptur ohne Genehmigung der anderen Vorstandsmitglieder und des Aufsichtsrates und gegen den Willen der Mitarbeiter aufstellen lassen, kritisierte ein IBB-Sprecher. Puchta hingegen will sich die Zustimmung geholt haben.

Lenk hat seinen Anwalt mit einer Klage beauftragt. Nicht nur, dass das Kunstwerk beschädigt worden sei, die Bank habe auch Zensur ausgeübt, die Meinungs- und die Kunstfreiheit sowie den Vertrag gebrochen. Auch sei das Urheberrecht verletzt worden. Die Leiter müsse wieder angebracht werden, fordert Lenk, der außerdem Schadenersatz verlangt. Das Geld soll einem wohltätigen Zweck zukommen.