Bildungspolitik im Land Abkehr von der Werkrealschule

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Die GEW erhofft sich von der künftigen Landesregierung einige Änderungen im Schulwesen. Zum Beispiel eine Gemeinschaftsschule.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
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Stuttgart - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhofft sich von der künftigen grün-roten Landesregierung einen Motivationsschub für die Lehrer. Die Politik der neuen Koalition entspreche den Vorstellungen der GEW wesentlich mehr als die der früheren Regierung, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Die Lehrer seien demotiviert gewesen und hätten den Begriff Reform nicht mehr mit Verbesserungen verbunden. Von der neuen Regierung erwarte sie, dass sie die Lehrer mit Fortbildungen auf Reformen vorbereite und sie mitnehme. Die GEW hat zwei zentrale Forderungen an die künftige Koalition. Die Werkrealschule bezeichnete Moritz als "das blamabelste Beispiel der Bildungspolitik der alten Landesregierung". Das Konzept dürfe so nicht umgesetzt werden. Im Besonderen lehnt die Gewerkschaft die im 10. Schuljahr vorgesehene Zusammenarbeit mit den Berufsfachschulen ab. Die Kooperation würde im Schuljahr 2012/13 beginnen. Laut Moritz müssten 30 neue Berufsfachschulen gegründet werden, um die nach ihrer Einschätzung "monströse Schulorganisation" überhaupt zu ermöglichen. Diese Ressourcen könnten sinnvoller eingesetzt werden.

Nach dem bisherigen Konzept der Werkrealschule ist vorgesehen, dass nur bessere Schüler in einem zehnten Schuljahr an der Werkrealschule einen mittleren Bildungsabschluss machen können. Die anderen sollten die Schule nach der neunten Klasse mit dem Hauptschulabschluss verlassen. Die GEW verlangt, dass alle Schüler von Haupt- und von Werkrealschulen ein zehntes Schuljahr absolvieren können.

Große Erwartungen an die neue Koalition

Das zweite große Ziel der GEW ist die Einführung einer Gemeinschaftsschule. Das längere gemeinsame Lernen ist auch ein Ziel von SPD und Grünen. Die Parteien wollen die Gemeinschaftsschule auf Antrag der Kommunen einführen. Jetzt bremst auch die GEW bei dem in der Bevölkerung am meisten umstrittenen Vorhaben in der Bildungspolitik. Mit 15 bis 20 Schulen könnte man im Schuljahr 2012/13 starten, sagt Moritz. Es sei gar nicht möglich, wie die Grünen in ihrem Wahlprogramm vorschlagen, jedes Jahr mit zehn Prozent Gemeinschaftsschulen anzufangen. Gemeinschaftsschulen sollten alle Schüler bis zur zehnten Klasse besuchen.

Darauf baut ein dreijähriger Gymnasialzug auf. Das würde bedeuten, dass die Schüler nach 13 Jahren Abitur machten. Ideal fände Moritz, wenn auch die Gymnasien integriert würde. Sie erwartet jedoch, dass es besonders in den Städten parallel zur Gemeinschaftsschule achtjährige Gymnasien gibt. Dass der Besuch einer Gemeinschaftsschule vorgeschrieben wird, kann sich Moritz nicht vorstellen. Auch werde das Gymnasium nicht in den kommenden fünf Jahren abgeschafft. Der Umbau des Schulwesens dauere mindestens zehn Jahre. Die Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule lehnt die GEW ab.

Moritz verlangt aber, dass die beruflichen Gymnasien sofort ausgebaut werden. Sie will einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einem beruflichen Gymnasium schon zum im Herbst beginnenden neuen Schuljahr. Sie erwartet, dass dafür "nicht mehr als 50 bis 100" zusätzliche Lehrerstellen notwendig sein werden. Die GEW spricht sich dafür aus, die Grundschulempfehlung abzuschaffen, und fordert von der Koalition einen Schulentwicklungsplan.

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