Bildungsurlaub Arbeitgeber haben Gegenvorschlag

Von SIR/dpa 

Fünf Tage frei für die Weiterbildung? Für die Unternehmer im Land ist der geplante Bildungsurlaub ein rotes Tuch. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat deshalb andere Pläne - und erntet Kritik.

Der neue Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger Foto: dpa
Der neue Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger Foto: dpa

Fünf Tage frei für die Weiterbildung? Für die Unternehmer im Land ist der geplante Bildungsurlaub ein rotes Tuch. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat deshalb andere Pläne - und erntet Kritik.

Heidelberg/Stuttgart - Die Arbeitgeber im Südwesten wollen den von der grün-roten Landesregierung geplanten Bildungsurlaub mit einem Gegenvorschlag abwenden. „Wir wollen Maßnahmen von Arbeitgeberseite vorschlagen, um zum Beispiel ungelernte Kräfte besser zu qualifizieren“, sagte der neue Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. „Das würde uns mehr helfen, als noch mehr Wohltaten zu verteilen, nur weil es im Moment der Wirtschaft gut geht.“ Kritik an den Plänen kam prompt.

Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) wollte ursprünglich schon im Frühjahr Eckpunkte für den Gesetzentwurf vorstellen. Wegen Diskussionen auch innerhalb der Landesregierung zieht sich das Vorhaben aber hin. Nach den Plänen im Koalitionsvertrag sollen Arbeitnehmer bis zu fünf Tage im Jahr auch für politische Bildung freigestellt werden - dafür machen sich auch die Gewerkschaften stark. Die Arbeitgeberverbände lehnen das kategorisch ab.

Schmid betonte am Montag, an den Plänen festhalten zu wollen. „Wir erkennen ja das herausragende Engagement der Arbeitgeber für die Weiterbildung ausdrücklich an“, erklärte er. „Mit der von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis unterstützten Bildungszeit wollen wir noch einen Schritt weitergehen.“ Die Eckpunkte des Gesetzes lägen intern vor.

"Verschwendung von Zeit und Geld"

Dulger bezeichnete den geplanten Bildungsurlaub als „Verschwendung von Zeit und Geld“. Das fehle für „sinnvolle Maßnahmen“, wie die Arbeitgeber sie nach eigener Einschätzung vorschlagen. Sie rechnen bislang damit, dass der Bildungsurlaub - würde das Angebot voll ausgeschöpft - die Arbeitskosten um 2,5 Prozent erhöhen würde.

„Der Bildungsurlaub würde die Unternehmen mit weiteren Kosten belasten“, sagte Dulger. Es gehe dabei auch um persönliche Weiterbildung wie etwa einen Übungsleiterkurs für den Sportverein. „Das sind zusätzliche Arbeitstage, an denen keine Leistung erbracht würde“, sagte Dulger, selbst Geschäftsführer der Firma Prominent in Heidelberg.

„Die Unternehmen in Baden-Württemberg geben jedes Jahr rund vier Milliarden Euro für Weiterbildung aus“, rechnete Dulger vor. „Dazu kommt das große Engagement in der dualen Erstausbildung.“ Außerdem gebe es Initiativen wie Schulpartnerschaften, das Förderjahr oder ein Programm, das helfen soll, das Angebot bei der Kinderbetreuung zu verbessern. Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier kritisierte: „Wenn sich engagierte Beschäftigte künftig, wohlgemerkt auf eigene Kosten, wenige Tage für Weiterbildung freistellen lassen können, ist das weder eine Wohltat der Arbeitgeber noch Verschwendung von Zeit und Geld.“

Gewerkschaft spricht von "Nebelkerze"

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger sprach mit Blick auf die Initiative von einer „populistischen Nebelkerze“. Es sei positiv, dass die Arbeitgeberseite sich verstärkt der Qualifizierung von An- und Ungelernten annehmen wolle, betonte er. „Das längst überfällige Bildungszeitgesetz ist dazu eine gute Unterstützung und fördert dazu ehrenamtliches Engagement.“ Gegenwind kam auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf appellierte an die Landesregierung, sich von der „lautstarken Interessenpolitik der Arbeitgeberlobby“ nicht beeinflussen zu lassen. Die Vorschläge seien zudem noch äußerst dünn.

Die Pläne sollen sich unter anderem an junge Menschen wenden, die bislang nicht ausbildungsfähig waren. „Wir wollen sie an eine gesicherte Existenz heranführen“, sagte Dulger. Das beginne bei der Berufsorientierung und der Heranführung an das Berufsleben. Und gehe weiter bis zur Frage, wie man etwa Alleinerziehenden eine Ausbildung ermöglichen oder 40- oder 50-jährige An- und Ungelernte dazu bringen könne, noch einmal eine Qualifizierung zu machen.

Wie die neuen Initiativen finanziert werden sollen, dazu wollte sich Dulger noch nicht äußern. Die konkreten Vorschläge sollen im Herbst vorgestellt werden. Derzeit wird die Initiative mit den Mitgliederverbänden abgestimmt.