InterviewBinninger und Pitterle Wegen Bosch zur Kanzlerin

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Nehmen wir das Thema Lärmschutzdeckel für die Autobahn 81. Wie bringen Sie das hier in Berlin ein? Gehen Sie direkt zu Frau Merkel und sagen: „Wir brauchen Geld?“
Binninger Ich ging in den ganzen 13 Jahren als Abgeordneter bei Wahlkreisthemen nur einmal zur Kanzlerin. Das war beim Thema Ansiedlung von Bosch in Renningen. Das war ja anfangs nicht sicher, es gab noch andere potenzielle Standorte. Wenn wir nicht schnell hätten etwas vorweisen können, nämlich die Zusage, dass die Bundeswehr dort abzieht, dann hätte es sein können, dass Bosch woanders hingegangen wäre.
Und das haben Sie dann direkt mit der Chefin geklärt?
Binninger So macht man das nicht. Man klärt nichts mit der Chefin, zumindest nicht, wenn man Erfolg haben will. Ich habe sie informiert und um Unterstützung gebeten, falls wir mit dem Verteidigungsministerium nicht weiterkommen – was aber am Ende dank Franz-Josef Jung gar nicht notwendig war. Aber klar ist auch: es ist nicht so, dass der Abgeordnete nur im Ministerium anrufen muss, und kurz danach wird zum Beispiel eine Straße gebaut – auch wenn manche Pressemitteilung einen anderen Eindruck erweckt (lacht). Gerade beim Straßenbau stehen wir immer auch in beachtlicher Konkurrenz zu anderen Bauprojekten in Baden-Württemberg.
Haben Sie die Handynummer der Kanzlerin und der Minister?
Binninger Das ist keine Frage der Handynummer. Aber wenn es eilt, bekomme ich zu jedem Regierungsmitglied, zumindest von der Union, sehr schnell Verbindung.
Herr Pitterle, Sie gehören als Linker für die meisten hier zu den „Schmuddelkindern“ im Bundestag. Haben Sie schon jemals mit der Kanzlerin gesprochen?
Pitterle Als Schmuddelkind sehe ich mich ganz und gar nicht. Aber mit der Kanzlerin habe ich nicht gesprochen – wie viele andere Abgeordnete auch nicht. Wäre ich Außenpolitiker, hätte ich sicher Kontakt zu ihr. So bin ich im Gespräch mit dem Finanzminister, Herrn Schäuble. Der ist Finanzpolitiker wie ich auch.

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