Biodynamischer Genuss für Fellbachs Stadträte Endlich wieder fairer Kaffee

Mit blubb und vor allem fair produziert: Kaffeegenuss in Fellbach Foto: Hase/dpa

Erfolgreicher Grünen-Vorstoß: Im Fellbacher Gemeinderat werden bald wieder nachhaltig produzierte Müsliriegel, Sitzungsbananen und Heißgetränke serviert

Fellbach - Ältere Zeitgenossen, die überdies beim deutschen Liedgut über eine gewisse Allgemeinbildung verfügen, werden sich an den inzwischen gut 51 Jahre alten Gassenhauer bestens erinnern: „Zucker im Kaffee“ – gesungen vom 2008 verstorbenen Schlagerstar Erik Silvester, dessen Tochter noch bis vor Kurzem in Oeffingen wohnte, ehe sie ins mittlere Remstal verzog, wie gut unterrichtete Kreise wissen.

 

Nun wird (zu viel) Zucker von Ernährungsberatern mit Blick auf Übergewicht oder Diabetes bekanntlich kritisch gesehen. Ob mit oder ohne Süßstoff: auch Fellbachs Bürger dürften sich im Rahmen jener 166 Liter Kaffee bewegen, die laut Statistik jährlich im Schnitt pro Kopf konsumiert werden. Speziell im hiesigen Stadtparlament erfreut sich das koffeinhaltige Heißgetränk nachvollziehbarer Beliebtheit – geeignet auch als Wachhalter und legales Aufputschmittel bei Mammutsitzungen bis spät in die Nacht.

Wer will schon Muckefuck?

Muckefuck will den ehrenamtlich tätigen Stadträten natürlich keiner kredenzen. Nicht nur aus Geschmacksgründen, sondern vor allem wegen der Qualität. Denn: fair soll, nein muss er sein, der Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato für Fellbachs Volksvertreter. Nachhaltigkeit ist schon seit etlichen Jahren Usus, sei es generell im Rathaus etwa bei werthaltigen Büroklammern und ganz speziell bei fair gehandeltem Bohnenkaffee oder Tee. Oder auch bei Äpfeln und den obligatorischen Sitzungsbananen. Kleine Korrektur: es war Usus. Denn zuletzt gab es gravierende Mängel und untolerierbare Defizite in der Stadträte-Versorgung, wie kürzlich eine geharnischte Nachfrage von Bündnis 90/Die Grünen in Richtung Rathausspitze zutage förderte.

Demnach werden den Räten bei ihren Sitzungen „bereits seit Monaten statt fairer Produkte aus dem Weltladen konventionelle Snack-Produkte“ vorgesetzt. Überdies verlangte die Fraktionschefin Agata Ilmurzynska Auskunft, „ob der in der Schwabenlandhalle während der Sitzungen ausgeschenkte Kaffee aus dem fairen Handel stammt“. Höchstwahrscheinlich doch wohl nicht, so der deutlich vernehmbare grüne Unterton in der Nachfrage zur flüssigen schwarzen Materie in den Tassen.

Richtiger Riecher beim Kaffeeduft

Nun, die Räte aus der alternativen Abteilung haben bei der Suche nach dem korrekten Kaffeeduft offenbar den richtigen Riecher gehabt – wie das Teilgeständnis der Verwaltung nahelegt. Schuld hat nicht der Bossa nova, um nach „Zucker im Kaffee“ musikalisch zu bleiben, sondern: Corona. In Zeiten vor der Pandemie, also „unter Normalbedingungen“, wie die Stadt in ihrer Replik ausführt, wurde bei den Gremiensitzungen im Rathaus fair gehandelter Kaffee und Tee ausgeschenkt „sowie fair gehandelte Bananen bereitgestellt“. Das gilt auch weiterhin für die Ausschüsse, die wegen ihrer geringeren Teilnehmerzahl im großen Ratssaal stattfinden können. Bei diesen Sitzungen würden die Backwaren „auch weiterhin von einem regionalen Bäcker bezogen“.

Anders in der Schwabenlandhalle, wo der große Rat tagt. Kleiner Seitenhieb der Rathausoberen: „Seit Beginn der Corona-Pandemie liegt das Hauptaugenmerk bei der Sitzungsorganisation darauf, einen reibungslosen Ablauf sowie eine Einhaltung aller Infektionsschutzvorgaben sicherzustellen.“ Dies betrifft auch das Catering: In der Schwabenlandhalle hat nämlich vertragsgemäß seit Ende Juni die dort ohnehin zuständige Firma Rauschenberger den Daumen drauf. Das heißt: Die Stadt „richtet sich nach deren Angebot“.

Zucker im Kaffee

Doch die Fellbacher Verwaltung gelobt Besserung. So verspricht das Sitzungsorganisationskomitee: „Bei Riegeln aller Art (Früchte, Müsli, Schoko et cetera) kann künftig bei allen Sitzungen und mit entsprechenden Mehrkosten gerne auf fair gehandelte Produkte umgestellt werden.“ Und nicht nur das: „Gleiches gilt für den während der Sitzungen des Gemeinderats in der Schwabenlandhalle ausgeschenkten Kaffee.“

Alles fair oder was? Na klar, in Fellbach jetzt dann doch wieder. So viel belebende, aufmunternde Wirkung, da fehlt zum Abschluss noch das gemeinsame Schmettern des schon eingangs erwähnten Liedchens. Und jetzt alle: „Zucker im Kaffee. Und Zitrone oder Sahne in den Tee. Und im Herzen alle Tage lang amore – das ist wunderbar Señor.“ Olé!

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