Biomüll im Rems-Murr-Kreis Rote Karte für Müllsünder wirkt

In Waiblingen war im September fast jede zehnte Biotonne falsch befüllt. Foto: dpa/Patrick Seeger

Bei Kontrollen im Spätsommer 2020 wurde festgestellt, dass in rund vier Prozent der Biomülltonnen Störstoffe stecken. Die Tonnen wurden nicht geleert, was zum Jahresende deutliche Verbesserungen gebracht hat.

Abfall - Gelbe Karte, Rote Karte, und die braune Tonne bleibt voll – die Grundregel ist einfach beim Biomüll-Kartenspiel im Spätsommer 2020. Wer Fremdstoffe in seine braune Tonne wirft, der bleibt auf seinem nicht astreinen Bioabfall sitzen. Und es waren durchaus einige schwarze Schafe, die im September, als es ernst wurde mit den Roten Karten für Biomüllferkel im Rems-Murr-Kreis, mit ungeleerten, weil falsch befüllten braunen Tonnen dastanden. Bei etwas mehr als 50 000 kontrollierten Biotonnen, so heißt es in der Auswertung der Aktion, die bis Mitte September 2020 lief, seien mittels Metalldetektor entsprechende metallische Störstoffe in etwa 800 Biotonnen festgestellt worden. Sichtkontrollen ergaben zudem anderweitige störende Abfallelemente in weiteren 1200 Biotonnen. Die Folge: rote Karte für kreisweit vier Prozent der Biotonnen.

 

Blamable Podestplätze für Waiblingen und Fellbach

Negative Rekordhalter beim falschen Umgang mit Biomüll waren offenbar die Waiblinger und die Fellbacher gewesen. In der Waiblinger Kernstadt lag die Quote der Fehleinwürfe bei gut 8,2 Prozent, in Fellbach bei 7,3 – dicht gefolgt von den auf einem in diesem Fall ebenfalls blamablen Podestplatz drei gelandeten Fellbacher Stadtteilen Schmiden und Oeffingen mit 6,4 Prozent falsch gefüllter Biotonnen.

Mehr als 36 000 Tonnen Biomüll fallen im Rems-Murr-Kreis laut Angaben der kreiseigenen Abfallwirtschaft (AWRM) jedes Jahr an, etwa 85 Kilogramm pro Einwohner. Aus dieser Menge mussten im Jahr 2019 bereits bei Anlieferung 1200 Tonnen Fremdstoffe – unter anderem Glas, Metall oder Plastik, aussortiert und separat entsorgt werden. Weitere rund 5000 Tonnen an nicht verwertbaren Stoffen wurden bei der Kompostaufbereitung entfernt. Grund genug für die AWRM, ab August eine kreisweite Aufklärungskampagne zu starten.

Tipp: Biomüll in Papiertüten oder Zeitungen packen

„Was viele nicht wissen“, so hieß es da unter anderem: „Gerade die als biologisch abbaubar zertifizierten Folienbeutel machen neben herkömmlichen Plastiktüten besonders große Probleme.9 Die Beutel verrotten viel zu langsam, sodass sie im Vergärungsprozess nicht abgebaut werden können. Das Gleiche gilt für Kaffeekapseln und sonstige Produkte, die als biologisch abbaubar deklariert sind.“ Die AWRM empfehle daher bei der Entsorgung von Biomüll, diesen in Papiertüten oder Zeitungspapier zu packen.

Eine gezielte Platzierung von Botschaften auf Müllfahrzeugen und Plakatwänden sollte dabei zunächst auf all die Probleme aufmerksam machen. In einem ersten Schritt wurden dann die Biotonnen im Landkreis auf Fremdstoffe gesichtet und, falls nötig, eine Verwarnung in Form einer Gelben Karte verhängt. Zwei Wochen später machten die Müllentsorger ernst: Rote Karte für Biomüllsünder – und die betreffende Tonne blieb ungeleert.

Die Kampagne habe deutliche Wirkung gezeigt, heißt es seitens der AWRM zum Jahreswechsel. Exakte Zahlen könnten für den Zeitraum Oktober bis Dezember zwar nicht geliefert werden. „Nach Rücksprache mit den Mitarbeitern vor Ort können wir aber festhalten, dass der Biomüll weniger mit Störstoffen versetzt ist als vor der Kampagne“, berichtet die Pressesprecherin Stefanie Baudy. Wobei es auch immer wieder einzelne Anlieferungen gegeben habe, die wieder stärker mit Fremdmaterial versetzt gewesen seien. Auch gibt es offenbar deutliche kommunale Unterschiede: „Dies ist teilweise stark davon abhängig, aus welchem Sammelgebiet der Biomüll stammt.“ Im Jahr 2021 soll nun ein Metalldetektor bei der Biomüllsammlung mit bis zu drei Sammelfahrzeugen variabel auf Touren dabei sein. Auch die sogenannten visuellen Kontrollen zur Störstofferkennung bei der Biotonnenleerung werden von April an fortgesetzt.

Insgesamt, so heißt es in einer Jahresbilanz zum Müllaufkommen im Kreis, seien in den „Corona-Monaten März, April und Mai die Restmüllmengen, die beim Restmüllheizkraftwerk Stuttgart angeliefert wurden, noch auf Vorjahresniveau gelegen. „Seit Juni 2020 verzeichnen wir jedoch einen starken Anstieg, sodass wir bis November eine Mengensteigerung im Vergleich zum Vorjahr von 4,6 Prozent oder 2500 Tonnen ausweisen.“

Die Anlieferzahlen auf den Deponien seien nach deren Wiedereröffnung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark angestiegen. Die Altpapiermengen blieben dagegen offenbar im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant.

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