Birdy in Stuttgart Die unergründliche Melancholikerin
Wohltuend normal und wohldosiert extravagant: Birdy hat am Samstag in den Wagenhallen in Stuttgart mit einem reizvoll vielschichtigen Abend begeistert.
Wohltuend normal und wohldosiert extravagant: Birdy hat am Samstag in den Wagenhallen in Stuttgart mit einem reizvoll vielschichtigen Abend begeistert.
Auch bei renommierten Bands und Musikern baumelt in diesen für Kunst und Kultur zunehmend komplizierten Zeiten längst nicht mehr bei jedem Auftritt das „Ausverkauft“-Schild an der Abendkasse. Jasmine „Birdy“ van den Bogaerde aber gelingt auf ihrer derzeitigen Deutschland-Tournee, was selbst prominenteren Kollegen immer öfter verwehrt bleibt: volle Häuser allenthalben.
Warum die bald 27-jährige Engländerin mit belgisch-niederländischen Wurzeln derzeit ganz augenscheinlich einen Nerv bei ihrem Publikum trifft, zeigt am Samstagabend ihr Gastspiel in den mit zweitausend Fans bestens besuchten Stuttgarter Wagenhallen. Während allerlei Kolleginnen die Popkultur zum immer frivoleren Showbiz ohne jedwede Geschmacksgrenzen umdefinieren, gibt sich Birdy als deren wohltuend normaler Gegenentwurf – und bleibt doch extravagant genug, um nicht in schnöder Konventionalität zu versinken.
Unprätentiös und beinahe ungläubig bestaunt Birdy die Zuneigung ihrer Fans; wirkt aber schon im nächsten Moment ätherisch, entrückt, in sich gekehrt und bewahrt sich eine finale Unergründlichkeit – etwa, wenn sie nach einem Anfangsdrittel voll in mittleren Tempi gehaltener, aber durchweg melancholischer Songs unfreiwillig linkisch (oder mit feinem britischem Humor) erklärt, nun ein paar wirklich traurige Lieder zu singen.
Zum Wendepunkt des Abends wird dann ihre Coverversion von Kate Bushs „Running Up that Hill“, die den zweiten Teil des neunzigminütigen Programms einläutet. Dann beginnt ihre Band – eine Keyboarderin sowie drei Kollegen an Schlagzeug, Bass und Gitarre – ihr dynamisches Potenzial so richtig auszuloten, mischt vermehrt spannende elektronische Sounds und energische Rhythmen ins zuvor bedächtig-wohltemperierte Klangbild.
Und dieses reizvolle Auf und Ab zwischen Zurückhaltung und Extrovertiertheit, zwischen klassischem Songwriter-Pop und dessen experimenteller Ausdifferenzierung bleibt bei Birdy Konzept bis ganz zum Schluss: Erst spielt sie sich solo am E-Piano durch eine schmerzhaft-schöne Version von „Skinny Love“ aus der Feder des amerikanischen Folk-Avantgardisten Bon Iver – um das begeisterte Wagenhallenpublikum anschließend mit den Hits „Keeping Your Head Up“ und „Wings“ in finale Euphorie zu versetzen.