Bismarckplatz Leises „Servus“

Der Hausherr sucht derzeit einen neuen Cafébetreiber. Foto: Kathrin Wesely
Der Hausherr sucht derzeit einen neuen Cafébetreiber. Foto: Kathrin Wesely

Das vollmundig angekündigte, mehrfach vertagte und sehnsüchtig erwartete Wiener Kaffehaus am Bismarckplatz kommt nicht mehr. Aber etwas Anderes.

Aus den Stadtteilen: Kathrin Wesely (kay)
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S-West - Tafelspitz, Marillenknödel, Palatschinke: Es konnte einem das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn Marcel Jetter und Sebastian Sommer ihre Speisekarte in spe herbeteten. Ein Wiener Kaffehaus eröffnet am Bismarckplatz? Diese Nachricht löste freudige Erwartungen aus – nicht bloß im Westen. Fast jeder parierte spontan, die österreichischen Spezereien lieferten ihm hinreichend leckere Gründe für Exkursionen in den Stadtbezirk. Doch nun ist der kulinarische Traum in sich zusammengesackt – wie ein Soufflé in kühlem Luftzug.

Vergebliches Warten

Die Verschieberitis beim Eröffnungstermin hätte den Fans Warnung sein können. Weder öffnete das Zweiergespann wie angekündigt vor noch nach den Sommerferien 2015 die Tür zu seinem neu eingerichteten Kaffeehaus. Die Fenster blieben noch den ganzen Herbst über verhängt mit Plakaten, die mit launigen Sprüchen wie „No net hudln“ zur Geduld mahnten. Dann trennten sich die beiden Geschäftspartner, und hinter den verhangenen Schaufenstern des Bismarckhauses tat sich baulich nichts mehr. Dem Vernehmen nach war das Geld ausgegangen.

Der Besitzer des Bismarckhauses, Demir Demiri, zog im Dezember die Reißleine und kündigte den Mietvertrag mit dem verbliebenen Gastwirt. „Das ist alles eher unglücklich gelaufen“, seufzt der Bauherr. „Unsere Unterstützung hatten die beiden. Ich hatte mich sehr auf ihr Café gefreut!“ Alle grundlegenden Innenausbauten hatte seine Firma übernommen.

Suche nach Ersatz

Das Bismarckhaus am gleichnamigen Platz ist für Demiri eine Herzensangelegenheit. Im vergangenen Jahr ist das Projekt vom Verband der Immobilienwirtschaft Stuttgart mit dem „IWS Immobilien-Award für besonders innovative und wirtschaftliche Bauten“ ausgezeichnet worden. Das Gebäude war 2013 komplett ausgebeint worden, nur die alte Sandsteinfassade blieb stehen. Auf fünf Etagen entstanden zehn Wohnungen, ins Erdgeschoss wünschte sich der Investor eine handverlesene Gastronomie. Die Idee mit dem Kaffeehaus gefiel Demiri auf Anhieb.

Mittlerweile hat er sich nach einem neuen Mieter umgetan. Interessenten habe es viele geben, so der Hausherr, auch eine große Cafékette sei darunter gewesen. Aber Demiri behagt so was nicht. Auf die Professionalität der künftigen Betreiber lege er allerdings schon gesteigerten Wert. Ende des Monats soll die Entscheidung fallen.




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