Biz Markie gestorben Hiphop-Pionier mit viel Humor
Er galt als „Clown Prince“ des Hiphop: Biz Markie, der 1989 mit „Just a Friend“ seinen größten Hit landete. Er war mehr: ein Gegenentwurf zu den Gangsterprotzen.
Er galt als „Clown Prince“ des Hiphop: Biz Markie, der 1989 mit „Just a Friend“ seinen größten Hit landete. Er war mehr: ein Gegenentwurf zu den Gangsterprotzen.
Stuttgart - Was für ein schöner Spitzname in einem Gewerbe, in dem es oft genug um brachialen Machoprotz, Gewaltfantasien und soziopathisches Gangstergehabe geht: Clown Prince of Hip Hop. Biz Markie, lange Zeit übergewichtig und in der Folge schwer diabeteskrank, erzählte vom Pech bei Frauen („Just a Friend“), vom Nasepopeln („Pickin’ Boogers“) und nahm den für die Szene essenziellen – und damit auch den eigenen – Konkurrenzgeist auf die Schippe („Leggo My Eggo“).
Aber Markie schob das eben nicht nach, er war mit seinem Beatbox-Stil, seiner Art zu reimen, seiner Kunst, aus einem geborgten Stück Musik etwas Eigenes zu machen, einer der Pioniere des Hiphop. Was ihm dann auch zum Verhängnis wurde. In einem viel beachteten Musterprozess wurde Markie 1991 von Gilbert Sullivan wegen der Nutzung eines Samples aus Sullivans „Alone Again (Naturally)“ belangt. Das Urteil zugunsten von Sullivan hat die Musikwelt verändert, seitdem muss die Erlaubnis für Samples eingeholt werden. Und Labels wie Publikum rückten ein kleines, aber entscheidendes Stück von Markie ab, als habe der – mit etwas, das alle taten, und mit einem Prozess auf seine Kosten, der Klarheit für alle schuf – Unglück über die Welt gebracht.
Biz Markie blieb präsent, Kollegen wie die Beastie Boys luden ihn aus gutem Grund immer wieder zu Aufnahmen ein, aber er kam nie mehr ganz nach vorn. Sein „Just a Friend“ wurde aber immer wieder neu entdeckt und hielt Markie auf der Liste der One-Hit-Wonders. Schon in seinen Dreißigern wurde der 1964 in Harlem Geborene mit seinen schräg jaulenden Gesangsrefrains zwischen auf den Punkt gerappten Sprechpassagen ein manchmal belächelter Oldtimer.
Doch genau das war das Wertvolle an seiner Musik: Es war Nachbarschaftsmucke aus Harlem, der Versuch, das Leben dort zu beschreiben, nicht die Millionenspekulation, dort herauszukommen und in die Multimillionärsriege der Dr. Dres vorzustoßen. Weshalb, als Biz Markie am 16. Juli 2021 im Alter von 57 Jahren gestorben ist, auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio Abschied nahm und nicht einmal daneben lag: „Biz Markie hat den Hiphop auf den Kopf gestellt und die New Yorker Sorte Humor in die Welt hinausgetragen. Wir betrauern heute abend einen echten Sohn Harlems.“