Black Friday und Paketzusteller Die stressigste Zeit des Jahres

Von November bis Januar haben die Postboten oftmals doppelt so viele Pakete zu verarbeiten wie sonst. Foto: Stefanie Schlecht

Am Black Friday gibt es Prozente wie an keinem anderen Tag im Jahr: Der perfekte Zeitpunkt, um sich ein neues Handy oder neue Schuhe zu leisten. Für Paketzusteller bedeutet der Tag aber vor allem eines: Viel Arbeit.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Wenn Luca Tobia morgens um kurz nach sechs die Tür zur Halle des DHL-Stützpunktes in Holzgerlingen öffnet, sieht er kaum über die Stapel an Pakete hinaus, die mehrere Lastwagen bereits seit halb fünf morgens angeliefert und dort abgestellt haben. Vor allem in der Vorweihnachtszeit und ganz besonders in der Woche nach dem Black Friday – der Tag Ende November, an dem Rabattprozente nur so purzeln – ist bei der Post Hochbetrieb: Während die Zusteller in Holzgerlingen im Durchschnitt um die 2000 Pakete pro Tag ausliefern, sind es gegen Ende des Jahres doppelt so viele. Da heißt es Ärmel hochkrempeln, damit die Zustellung wie am Schnürchen läuft und alle Pakete rechtzeitig in den Briefkästen landen. Eine Aufgabe, die viel Organisation, Know-how und Einsatz erfordert.

 

Von dem DHL-Stützpunkt in Holzgerlingen aus bekommt die gesamte Schönbuchlichtung ihre Post: Hildrizhausen, Altdorf, Holzgerlingen, Weil im Schönbuch mit Neuweiler und Breitenstein. 35 Zustellerinnen und Zusteller kümmern sich um insgesamt 26 Auslieferungsbezirke. November bis Januar sind für sie die arbeitsintensivsten Monate des Jahres, in denen immer wieder sogenannte Flexi-Springer eingestellt werden müssen – zusätzliche Aushilfskräfte, die Spitzen abfedern können –, damit die Paketzustellung gesichert ist. Alle Rädchen müssen nahtlos ineinander greifen, damit die Post zuverlässig am nächsten Tag ausgeliefert werden kann.

Luca Tobia, Standortleiter in Holzgerlingen, ist seit 31 Jahren bei der Post

Luca Tobia ist bereits seit 31 Jahren bei der Post – mit 15 Jahren hat er seine Ausbildung begonnen. Er war bereits in Stuttgart, hat in Aidlingen ausgeliefert und ist nun seit 13 Jahren in Holzgerlingen unterwegs. Seit einem Jahr hat er die Position als Standortleiter inne. Obwohl er bereits seit mehreren Stunden auf den Beinen ist, scheint er morgens um acht Uhr fit und munter zu sein. Während der Konferenz mit seinen Zustellern ruft er Zahlen, Bezirke und Mitarbeiter-Einteilungen mündlich zu – für Außenstehende ein kompliziertes Wirrwarr aus willkürlich zusammengewürfelten Nummern, für die Zustellerinnen und Zusteller sind es allerdings notwendige Infos für die Arbeit, die an dem Tag ansteht. Beate Bolay, die Leiterin von insgesamt zehn Zustellstützpunkten im Umkreis, ist an diesem Morgen auch am Standort in Holzgerlingen, ebenso wie Pressesprecher Marc Mombauer.

In einem Bezirk können bis zu 150 Pakete anfallen

Sobald das Meeting abgeschlossen ist und alle ihre Einsatzgebiete kennen, geht das organisierte Gewimmel los: Rollcontainer – bis zum Rand gefüllt mit Paketen – werden von A nach B geschoben, Briefe nach Straßennamen sortiert und Post-Autos beladen. Im Sekundentakt piepsen Scanner, mit denen jedes einzelne Paket registriert wird. In einem Bezirk können zu dieser Jahreszeit pro Mitarbeiter bis zu 150 Pakete am Tag anfallen. Das bedeutet einen hohen Einsatz bei den einzelnen Postboten: Es muss schnell und effizient gearbeitet werden, um in der gleichen Zeit mehr Pakete verarbeiten und ausliefern zu können. Das erfordert Ortskenntnis und strukturiertes Arbeiten. Die Transporter müssen so beladen werden, dass die Reihenfolge mit der Route übereinstimmt und kein wildes Briefchaos entsteht. „Da gibt es kein offizielles System, das machen alle Mitarbeitenden so, wie es ihnen geschickt ist“, sagt Luca Tobia. Er selbst übernimmt neben seinen organisatorischen Aufgaben als Standortleiter auch noch einen kleinen Zustellungsbezirk. Nach über einem Jahrzehnt in Holzgerlingen macht es ihm immer noch Spaß, rauszugehen und Post zu verteilen: „Mir gefällt der Kontakt mit den Leuten“, sagt er.

Obwohl die Weihnachtszeit für Post-Angestellte extra stressig ist, sind sie seit der Pandemie an hohe Paketaufkommen gewöhnt. „Da haben auch Oma und Opa gelernt, online zu bestellen“, sagt Beate Bolay. „Vor allem Weinpakete haben während Corona extrem zugenommen“, weiß Luca Tobia. Solche Bestellungen erfordern von den Mitarbeitenden einen großen körperlichen Einsatz. Bis zu 30 Kilogramm müssen die Postboten schleppen. „Das kommt zwar nicht so oft vor, aber wenn man so ein Paket in den vierten Stock tragen muss, ist das schon schwer“, sagt Luca Tobia.

Bissige Hunde sind für Postboten nach wie vor ein großes Problem

Und noch einige weitere Herausforderungen müssen die Zustellerinnen und Zusteller alltäglich in ihrem Job bewältigen: Während der Arbeit nicht von einem Hund gebissen zu werden, ist für Postboten nämlich eine echte Aufgabe. Kaum einer hat noch keine bösen Erfahrungen mit zähnefletschenden Hausverteidigern gemacht. Für die Postboten ein Problem: „Wir bieten immer wieder Hundetrainings für unsere Mitarbeitenden an“, sagt Beate Bolay. Auch die Scanner helfen den Austrägern dabei, nicht gebissen zu werden: Warnhinweise blinken bei denjenigen Adressen auf, die bekanntermaßen aggressivere tierische Hausbewohner beherbergen. Ebenso gibt es Hinweise bei schwer zugänglichen Häusern. Ein mit Fliesen ausgelegter Hauseingang kann bei Regen und Glätte für die Mitarbeitenden nämlich schnell mit einem gebrochenen Arm oder Bein enden.

Einen Weihnachtstipp hat Pressesprecher Marc Mombauer noch für fleißige Päckchen-Besteller: Wer seinem Postboten zu Weihnachten einen Gefallen tun will, soll entweder einen Ablageort bestimmen oder eine Packstation für seine Bestellungen verwenden. Denn für die Austräger bedeutet die sonst so besinnliche Weihnachtszeit Hochbetrieb und Akkordarbeit.

Warum der Freitag schwarz ist

Black Friday
Der Begriff stammt aus den USA und bezeichnet den Freitag nach Thanksgiving, das jedes Jahr am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Traditionell gibt es an diesem Tag ein großes Festmahl mit Truthahn, Stuffing und Pumpkin-Pie. Mit dem Black Friday und den zahlreichen Rabatten startet dann die weihnachtliche Einkaufssaison.

Herkunft
 Zur Herkunft des Black Friday gibt es einige Theorien: Die offizielle lautet, dass die Geschäfte an diesem Tag aufgrund der vielen Schnäppchenjäger schwarze Zahlen schreiben. Eine weitere besagt, dass der Name aus den 1950er Jahren aus der Stadt Philadelphia stammt und auf das Chaos am Tag nach Thanksgiving Bezug nehmen. Die Polizei soll zu dieser Zeit besonders viel mit den Massen an Einkäufern, Touristen und Footballspiel-Enthusiasten zu tun gehabt haben. Erst in den 80ern bekam der Begriff eine positive Konnotation.

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