Blacky aus Sillenbuch ist tot Ein Stadtteil trauert um eine Katze
Der schwarze Kater Blacky ist eine Sillenbucher Berühmtheit gewesen. Viele Menschen erinnern sich gerne an das Tier. Er hat sogar seine eigene Facebook-Seite gehabt.
Der schwarze Kater Blacky ist eine Sillenbucher Berühmtheit gewesen. Viele Menschen erinnern sich gerne an das Tier. Er hat sogar seine eigene Facebook-Seite gehabt.
Wer regelmäßig rund um die Haltestelle Silberwald in Sillenbuch unterwegs ist, kannte Blacky oder Narib, wie er zeitweise genannt wurde. Seit September ist der schwarze Kater, der scheinbar nichts lieber tat, als den Passanten beim Ein- und Aussteigen aus der U-Bahn zuzusehen, nicht mehr da. Wie viele seitdem das schöne Tier vermissen, wird erst im Rückblick deutlich.
Blacky vom Silberwald war ein Star. Wenn auch ein kleiner auf Samtpfoten. Schon morgens um fünf hat er die ersten Pendler hinunter zum Bahnsteig begleitet. Wartete geduldig, bis die U-Bahn kam, und ließ sich von dem einen oder anderen ein wenig streicheln. Manchmal legte er sich auch quer auf die Staffeln der Haltestelle, als wollte er allen klar machen: Das hier ist mein Revier.
„Ach, das ist die Katze, die bei Grün über Straße geht, haben die Leute gesagt, die ihn vom Sehen kannten“, erzählt Gisela Heeb. Bei der Familie aus der Gorch-Fock-Straße lebte Blacky etwa vier Jahre lang und hörte dort auf den Namen Narib. „Wir wussten anfangs nicht, dass er Blacky heißt.“
Wenn Blacky die viel befahrene Kirchheimer Straße überquerte, tat er das nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung: bei Rot stehen, bei Grün gehen. Auch deshalb wurde der Kater schnell bekannt im Stadtteil. Sascha Knödler und seine Frau Valeska Heeb schätzen, dass es am Ende mindesten 30 Personen waren, die in Sillenbuch mithalfen, sich um die Katze zu kümmern.
Ob Blacky Besitzer hatte oder er die Familien besaß, bei denen er zeitweise Obdach fand, ist schwer zu sagen. Sicher ist, 2014 hatte die ehemalige Lehrerin Wiltrud Rudolph den Kater über die Katzenhilfe von einem Tierarzt erhalten und ihn so in den Stadtteil gebracht. „Eigentlich wollte ich damals eine Wohnungskatze“, erinnert sich die heute 85-jährige und lacht herzlich.
Drei Jahre ging das gut, obwohl Blacky natürlich alles andere als ein Indoor-Kater war. „Dann ließ ich ihn wieder gehen“, erinnert sich Rudolph. Blacky hatte sich da schon längst das Haus der Familie Heeb jenseits der Kirchheimer Straße als neues Zuhause gesucht.
Krank wurde er, erzählt Eckhard Kunigkeit, der Vater von Valeska Heeb, nachdem er 2019 irgendwo in Sillenbuch mutmaßlich zwei Wochen lang versehentlich in einer Garage eingesperrt war. „Von da an hatte er eine Schilddrüsenüberfunktion“, sagt Kunigkeit. Katzen haben zwar sprichwörtlich sieben Leben, doch fortan musste der Kater täglich mit Medizin versorgt werden.
Richtig berühmt wurde Blacky, dem Katzenfreunde längst eine eigene Facebook-Seite gewidmet hatten, als der bücherliebende Kater aus der Buchhandlung Papyrus. Einige Jahre fand er Gefallen daran, sich auf dem Sofa der dortigen Kinderbuchabteilung auszustrecken, um den Kindern beim Lesen zuzusehen.
Zuletzt wechselte der freiheitsliebende Kater noch einmal das Wohnviertel, um bei Rosie Grützner erneut in der Nähe der Grundschule unterzukommen. Seine alten Besitzer ließen ihn aber nicht mehr aus den Augen. „Über Blacky“, erzählt Sascha Knödler, „haben sich viele Leute im Stadtteil kennengelernt.“
Als im Sommer dieses Jahres sich abzeichnete, dass das Leben des inzwischen berühmten schwarzen Katers aus Sillenbuch zu Ende geht, war er etwa elf Jahre alt, wie Wiltrud Rudolph schätzt. Die Krankheit hatte ihn ausgezehrt.
Am 1. September brachte die Familie Heeb ihn, nachdem er im Freibad völlig geschwächt gefunden worden war, ein letztes Mal zum Tierarzt. „Er starb sehr schnell“, erzählt Gisela Heeb.
Doch beendet ist damit die Geschichte von Blacky vom Silberwald noch nicht. Der Kater, den unzählige Menschen ins Herz geschlossen hatten und dessen Tod in den sozialen Medien vielfach betrauert wird, bringt die Sillenbucher noch immer zusammen. Schon zwei Mal haben sich seitdem größere Gruppen an seinem alten Revier an der U-Bahn-Haltestelle eingefunden, um ihre Erinnerungen an die schwarze Katze, die bei Grün über die Straße ging, miteinander zu teilen.