Blaublütige Landsleute im Gespräch Wie viele Schlösser haben Sie noch?

Von hup 

Carl Herzog von Württemberg und Bernhard Prinz von Baden sind Erben vergangener Zeiten. Im Interview erklären sie ihre Sicht auf die Gegenwart des Landes.

Ein Nachbarschaftstreffen im Grenzsteinmuseum Ostrach: Herzog Carl von Württemberg (links) und Bernhard Prinz von Baden Foto: Roettgers
Ein Nachbarschaftstreffen im Grenzsteinmuseum Ostrach: Herzog Carl von Württemberg (links) und Bernhard Prinz von Baden Foto: Roettgers

Ostrach - Zwei Adelshäuser, zwei Zeitungshäuser: an symbolischem Ort, im Grenzsteinmuseum Ostrach, haben Reiner Ruf von der Stuttgarter Zeitung und Stefan Hupka von der Badischen Zeitung Freiburg sich mit Herzog Carl (75) und Prinz Bernhard (41) getroffen und unterhalten.


Herzog Carl, Prinz Bernhard, das Land Baden-Württemberg, dessen Namenspatrone Sie sind, wird 60. Erfüllt Sie das mit Stolz?
Herzog Carl Mich freut das. Wir, unsere beiden Familien, haben den Ländern Württemberg und Baden einst die Namen gegeben. Es ist schön, dass die Namen bei der Neugründung von Baden-Württemberg 1952 erhalten blieben. Für uns ist das auch eine Verpflichtung.

Eine Verpflichtung wozu?
Herzog Carl Unsere Familien haben über viele Jahrhunderte dieses Land regiert. Heute haben wir keinen politischen Auftrag mehr, aber es bleibt die Pflicht, sich als Namensträger des Landes persönlich einzubringen. So kümmern wir uns auch um Dinge, die dem Allgemeinwohl dienen. Ich bin stolz darauf, sagen zu dürfen: Ich heiße Herzog von Württemberg und das Land heißt Württemberg – Pardon: Baden-Württemberg natürlich.

Prinz Bernhard, in der verfassunggebenden Versammlung wurde lange darüber diskutiert, ob das neue Land „Schwaben“ heißen sollte – in Anlehnung an das mittelalterliche Herzogtum. Hätten Sie sich in diesem Namen wiedergefunden?
Prinz Bernhard Nun ja, meinem Vorfahren Berthold I. von Zähringen ist im 11. Jahrundert das Herzogtum Schwaben angetragen worden. Das spielt aber heute natürlich keine Rolle mehr. Südwestdeutschland in seiner heutigen politischen Gestalt ist vor allem ein Kind der Zeit Napoleons, ein Gebilde aus sehr unterschiedlichen historischen Traditionen. Diese Vielfalt gilt für Baden wie für Württemberg. Ich denke an die Kurpfälzer und Hohenloher, die Oberschwaben und Breisgauer. Baden-Württemberg ist stark, wenn es diese Vielfalt pflegt. Dies ist in Baden nach Napoleon und in den vergangenen 60 Jahren in Baden-Württemberg gelungen. Der Name des Landes spiegelt richtig die zentralen historisch geografischen Begebenheiten seiner beiden großen Teilregionen wider.

Ist Baden-Württemberg ein historischer Zufall, oder lag in der Fusion eine innere Logik? Wuchs zusammen, was zusammengehörte?
Herzog Carl Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine gewisse Notwendigkeit, weil man ahnte, dass die beiden Länder zusammen eine viel stärkere wirtschaftliche Position haben würden. Diese Fusion kann könnte ein gutes Vorbild hinsichtlich einer Neuordnung des deutschen Föderalismus in den kommenden Jahrzehnten.

Haben Sie noch eine persönliche Erinnerung an diese Zeit?
Herzog Carl Ich erinnere mich gut, wie der südbadische Staatspräsident Leo Wohleb 1951 in den Schwarzwald nach St. Blasien kam, wo ich im Internat war, und davor warnte: bloß nicht „Schwaben“! Daneben gab es noch den Vorschlag „Südweststaat“, aber das wäre wirklich eine Katastrophe gewesen. Dieser Name hätte keinerlei Tradition enthalten. Ich würde mich heute sicher genauso einsetzen für soziale und kulturelle Belange, wenn das Land Schwaben heißen würde, aber natürlich freut es mich, dass das Land auch meinen Namen trägt.

Haben die beiden Adelshäuser Einfluss auf die Namensgebung gehabt oder es versucht?
Herzog Carl Meines Wissens nein, jedenfalls nicht direkt. Mein Vater hatte ein gutes Verhältnis zu Gebhard Müller, dem damaligen Ministerpräsidenten von Südwürttemberg-Hohenzollern. Dies mag bei der Namenswahl kein Nachteil gewesen sein.
Prinz Bernhard Mein Großvater ging davon aus, dass er in dieser Frage – wie auch sonst – nicht politisch agieren sollte. Natürlich blieb er in seiner badischen Tradition verankert. Das Entscheidende ist, dass ein Land entstanden ist, das auf württembergischen, badischen und hohenzollerischen Traditionen aufbaut und kein geschichts- und gesichtsloses Einheitsgebilde wurde.