Blick zurück: der Ex-Boxweltmeister Markus Bott Das Haus ist verkauft, die Ehe geschieden

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Den Rückkampf verliert er wieder. Und zieht sich durch die vielen Treffer auch noch ein Blutgerinnsel im Kopf zu. Er sieht alles doppelt und verschoben. Das war’s mit der Karriere. 1998 startet er wegen finanzieller Probleme seiner Sicherheitsfirma ein Comeback, das aber nach Siegen gegen drittklassige Journeymen jäh mit einer Niederlage gegen Lee Manuel Osie endet.

Von den Preisgeldern ist nichts übrig geblieben. Das Haus ist verkauft, die Ehe nach 19 Jahren geschieden. Seine WM-Kämpfe haben damals nur eine Handvoll Zuschauer im Bezahlfernsehen verfolgt. Heute kriegt Klitschko 13,5 Millionen Euro Kampfbörse. Pech für Bott.

Er lebt jetzt von der Invalidenrente, die er sich damals von der Versicherung vor Gericht erstritten hat. Manchmal macht er Malerarbeiten, manchmal hilft er bei einem befreundeten Schreiner aus, manchmal überführt er Leasingrückläufer. Am liebsten würde er im Bereich Personenschutz arbeiten, sagt Bott. „Geschäftsleute rumfahren, die Autotür aufhalten, zu Terminen begleiten. So einen Wach- und Schließscheiß mach ich nicht.“

Eine verkorkste Karriere?

Sein Tag: zwischen zehn und elf Uhr aufstehen, beim Bäcker zwei Laugenweckle kaufen, duschen, die Nachrichten im Ersten schauen. Dann Nordstadt. Abends „Tagesschau“ gucken. Dann manchmal mit der Ex telefonieren oder mit seiner 23-jährigen Tochter, die jetzt „irgendwas mit Maskenbildnerin macht“. Dann wieder Nordstadt. „Ich hab gern Unterhaltung“, sagt Bott. Boxkämpfe guckt er nie. „Ich les dann morgens in der Zeitung, wer gewonnen hat.“

Samstags guckt er immer Bundesliga bei seinem 80-jährigen Vater, mit dem er eng verbunden ist. Vater Bott bewahrt für ihn den Weltmeistergürtel auf. Er hat auch alles gesammelt, was je über seinen Sohn geschrieben wurde. Früher bekam Markus Bott viele Autogrammwünsche. Auf der Straße war er der King. Heute erkennt ihn keiner. Zur Boxwelt hat er keinen Kontakt mehr. Manchmal ruft Klaus Niketta an. Und Wolfgang Kamm. Mit denen hat er früher in Berlin geboxt. Für manche in der Szene ist Bott eine tragische Figur, seine Karriere verkorkst. Aber er war, nach Max Schmeling, Eckhard Dagge und Graciano Rocchigiani, der vierte deutsche Box-Weltmeister überhaupt. Das bleibt für immer.

„Am meisten muss ich mir ankreiden, dass ich zu wenig diszipliniert war. Ich hätte mehr aus mir machen können“, sagt Markus Bott und schaut einen mit seinen hellblauen Augen an. Was wünscht er sich? „Einen Lottogewinn, der für ein Haus und ein Auto reicht. Und Gesundheit. Denn ich will hundert Jahre alt werden.“