Blüba in Ludwigsburg Empörung über erneute Preiserhöhung fürs Blühende Barock

Bollerwagen und Fahrradanhänger im Gedränge sollen künftig vermieden werden. Bei der Kürbisausstellung kosten sie am Wochenende und an Feiertagen drei Euro extra. Foto: 7aktuell.de

Die Verärgerung ist groß, weil die Eintrittspreise ins Blüba Ludwigsburg schon wieder erhöht werden. Auch die Mitnahme von Bollerwagen kostet künftig teilweise Geld. Ein Investitionsstau lasse keine andere Möglichkeit, sagt die Blüba-Chefin Petra Herrling.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Erst im Jahr 2023 waren die Preise für den Blüba-Eintritt angehoben worden – für die Dauerkarte von 35 auf 40 Euro. Nun folgt schon die nächste Erhöhung: Dauerkarten kosten in diesem Jahr im Vorverkauf 45 Euro, auch die Einzeleintritte steigen. Das sorgt unter den regelmäßigen Blüba-Gästen für Empörung. Denn früher wurden die Preise nur alle drei Jahre angehoben. „Von 2022 bis heute sind das zehn Euro mehr“, schimpft Bärbel G., die nahezu täglich das Blühende Barock besucht. „Dabei habe ich schon bei der letzten Preiserhöhung 2022 ein Rentnerpaar an der Kasse gesehen, das auf den Kartenkauf verzichtet hat, als es die Preise gesehen hat. ‚Das könnten sie sich nicht mehr leisten’, sagte der Mann.“

 

Auch sonst ist die Aufregung, vor allem in den sozialen Medien, groß. Familien beschweren sich insbesondere darüber, dass nun auch Bollerwagen und Kinderfahrradanhänger Geld kosten sollen. Kinder könnten noch nicht so weit gehen, heißt es, zudem brauche man sonst so allerlei, wenn man einen Tag im Blüba verbringe.

Gestiegene Preise und Sanierungsstau

Die Blüba-Chefin Petra Herrling stellt zum Thema Bollerwagen klar, dass diese sowie Fahrradanhänger nur dann drei Euro extra kosten, wenn sie während der Kürbis-Ausstellung am Wochenende und an den Feiertagen mit aufs Gelände genommen werden, weil sie an den besonders besucherstarken Tagen ein ziemliches Hindernis seien. Und sie kosten auch nur dann, wenn sie nicht eindeutig zum Transport von kleinen Kindern dienen. Bei Sonderveranstaltungen wie dem Musikfeuerwerk wird gebeten, ganz auf die Wagen zu verzichten, damit die Gäste im Notfall das Gelände schnell verlassen können. Allerdings gibt es auch Familien, die die Gefährte dazu nutzen, eigene Speisen und Getränke mit aufs Gelände zu bringen. Was die Gastronomen nicht erfreut, aber die Familienkasse schont.

Zu den Preiserhöhung sagt Herrling, ihr bleibe gar keine andere Möglichkeit. Zum einen seien die Preise für Pflanzen ebenso gestiegen wie für Wasser, Energie und die Gehälter der Mitarbeiter, und auch die Pacht, die man an das Land für Park, Büros und Betriebsgelände zahlen müsse, sei erhöht worden. Es gebe aber auch einen erheblichen Sanierungsstau, der zum Teil durch die Folgen der Corona-Pandemie verursacht sei, weil da keiner mehr investiert habe. „Der Spielplatz und die Herzogschaukel sind vom Tüv nicht mehr abgenommen worden, der Holzsteg bei Max und Moritz ist verfault, der Märchenbach leckt offenbar schon seit fünf Jahren, die Fundamente der Vogelvoliere müssen saniert werden“, zählt Herrling auf. Diese war, so ist aus anderer Quelle zu erfahren, zuletzt vor fünf Jahren bautechnisch untersucht worden, ohne dass es Beanstandungen gegeben hätte. Nicht mehr zeitgemäß sind laut der Blüba-Chefin auch die Toiletten am Märchengarten, darüber gebe es viele Beschwerden der Besucher.

Geplante Toilettensanierung wurde verschoben

„Ich bin etwas sauer, weil einfach viel liegengeblieben ist, und es jetzt ein Riesenaufwand ist, das alles nachträglich zu erledigen“, sagt sie. Allerdings war für die genannten Toiletten bereits vor Herrlings Amtsantritt ein Bauantrag gestellt worden, für den der Aufsichtsrat auch schon sein Placet erteilt hatte. Dann jedoch wurde das Ganze gestrichen. Der Grund dafür: „Die Kosten sind nochmals auf den Prüfstand gekommen, um hier wenn möglich günstiger zu sein“, erklärt Matthias Knecht, der als Oberbürgermeister von Ludwigsburg auch Vorsitzender des Blüba-Aufsichtsrats ist.

Für das Blüba sei es ein üblicher Vorgang, dass regelmäßig renoviert, saniert oder neu entworfen wird, so Knecht weiter. Das sei auch jetzt der Fall. „Weil bei diesen Arbeiten zum Teil stattliche sechsstellige Summen zusammenkommen, ist es sinnvoll, schrittweise vorzugehen“, betont Knecht.

Fast eine Million Gewinn im Jahr 2022

Da das Blüba im Jahr 2022 einen Gewinn von immerhin gut 900 000 Euro gemacht hat – also, bevor die Preise um damals 15 Prozent angehoben wurden –, sind jedoch auch Rücklagen für solche Fälle vorhanden. Wie hoch der Gewinn 2023 ausgefallen ist, steht laut Herrling noch nicht fest. Eigentlich müsste er wegen der Preiserhöhung noch höher sein als im Jahr zuvor. Allerdings hat die neue Chefin das noch von ihrem Vorgänger Volker Kugel geplante Budget von 6,84 Millionen Euro Mitte 2023 nachträglich um 1,3 Millionen Euro erhöht.

Anders als etwa bei den Stuttgarter Parkanlagen gibt es für das Blühende Barock die Vorgabe, möglichst kostendeckend zu arbeiten und keine Zuschüsse in Anspruch zu nehmen. „Das gilt aktuell mehr denn je“, betont Herrling. Laut Peter Spear, dem Pressesprecher der Stadt Ludwigsburg, gibt es eine Vereinbarung mit dem Land Baden-Württemberg, eventuelle Verluste zu jeweils 50 Prozent zu übernehmen. Tatsächlich hätten Stadt und Land 2020 jeweils 300 000 und 2021 jeweils 250 000 Euro bezahlt, danach sei kein Zuschuss mehr benötigt worden.

Nur noch ein Freizeitpark?

Bei den Veranstaltungen, für die extra Eintritt erhoben wird – etwa das Musikfeuerwerk oder das Straßenmusikfestival – hielten sich Unkosten und Ertrag etwa die Waage, die Leuchtenden Traumpfade brächten Gewinn, sagt Herrling. Und die im Eintritt enthaltenen Veranstaltungen wie die Kürbisausstellung seien wichtig, um viele Besucher anzulocken. Die wiederum bräuchten jedoch auch mehr und bessere Infrastruktur – von Bänken bis hin zu Toiletten, die auch häufiger gereinigt werden müssten.

Kritik an den neuen Eintrittspreisen bleibt dennoch. Nicht nur wegen der Höhe, sondern auch wegen der Differenzierung zwischen teureren Wochenenden und billigeren Werktagen. „Damit wird das Blüba zu einem ganz normalen Freizeitpark“, monieren einige. Herrling jedoch erhofft sich dadurch eine bessere Verteilung der Besucherströme.

Dauerkarte
 Die Saisonkarte kostet für Erwachsene 45 Euro im Vorverkauf und 55 Euro im regulären Verkauf. Senioren müssen 40 beziehungsweise 50 Euro berappen. Für Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren kostet die Dauerkarte 27 Euro im Vorverkauf und 34 Euro danach. Schüler und Studierende im Alter von 15 bis 28 Jahren müssen 27 beziehungsweise 34 Euro bezahlen. Tagestickets kosten in der Nebensaison 14 Euro und in der Hauptsaison 15 beziehungsweise 16 Euro. Wer sie online bucht, bezahlt jeweils zwei Euro weniger. In den Online-Tickets ist ein VVS-Ticket enthalten.

Vorverkauf
 Die Saison startet am 17. März. Der Vorverkauf läuft vom 2. bis 21. März. Karten gibt es im Haupteingang Schorndorfer Straße, montags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr und in der Wilhelmgalerie montags bis samstags von 9.30 bis 19 Uhr.

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