Vor der Wahl in Köngen Bürgermeister-Casting: Ein Trio glänzt durch Abwesenheit

Rund 50 junge Leute machten sich beim BM-Casting für Erstwähler ein Bild von den Bürgermeisterkandidaten. Foto: Kerstin Dannath

Beim Bürgermeister-Casting im Burgforum fühlt die Köngener Jugend den Kandidaten auf den Zahn. Von den acht Bewerbern kommen allerdings nur fünf.

Am Sonntag, 21. April, wählt die Gemeinde Köngen einen neuen Verwaltungschef. Speziell an Erstwähler im Alter von 16 bis 21 Jahren richtete sich ein sogenanntes Bürgermeister-Casting im Burgforum. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Jugendhaus Trafo und der örtlichen Lokalen Agenda für soziale Verantwortung.

 

Rund 50 Jugendliche und junge Erwachsene nutzten die Chance, der Bewerberin und den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen. Allerdings waren von den acht Kandidaten mit Michael Reichenecker (Unterensingen), Tim Stober (Köngen), Ciprian Hoffmann (Köngen), Anja Göttker (Köngen) und Ronald Scholz (Kirchheim) nur fünf erschienen. Marcel Sersch (Oberboihingen) sowie die beiden Köngener Gabriel Ileri und Carlo Keinrad glänzten trotz persönlicher Einladung durch Abwesenheit.

Die Unterschiede werden klarer

„Es ist schon echt schade, dass nicht alle gekommen sind“, sagte Josefine Harder. Dann hätte man sich ein noch besseres Bild machen können, bedauerte die 19-jährige Studentin. Immerhin: Sie habe zwar noch keinen absoluten Favoriten, aber eine klare Tendenz, bei wem sie ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen wird. „Das BM-Casting war wirklich eine gute Sache. Es ist klarer geworden, wo die Unterschiede bei den Bewerbern liegen“, erklärte Harder weiter. Auch, dass es ausschließlich um Themen der Jugend ging, fand sie gut: „Ich denke bei der offiziellen Vorstellung der Gemeinde an diesem Donnerstag wird es eher um die größeren Belange in der Kommune gehen.“

Im Gegensatz zu Josefine Harder wusste Leonie Block nach dem Casting genau, wen sie wählen wird. „Ich habe meinen Favoriten gefunden“, bestätigte die 16-Jährige, die dieses Jahr an der Burgschule ihren Abschluss machen wird. Nicht zu wählen, sei für sie keine Option: „Klar gehe ich hin. Da geht es ja auch um unsere Zukunft im Ort.“ Allerdings hätte es auch Leonie Block besser gefunden, wenn sich alle Bewerber dem Köngener Nachwuchs gestellt hätten: „Das wäre auf jeden Fall eine rundere Sache gewesen.“

Fragen gemeinsam ausgearbeitet

Im Vorfeld der Fragerunde hatten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ganz demokratisch ihre Fragen aus den sechs Themenblöcken Verkehr, Umwelt, Finanzen, Jugend, Bildung und Sonstiges definiert. Die Themenblöcke waren unter anderem im Gemeinschaftskunde-Unterricht der beiden diesjährigen Abschlussklassen der Burgschule vorbereitet worden. Neben dem beim Nachwuchs obligatorischen Anliegen, die Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr vor allen in den Abendstunden zu verbessern, ging es dabei etwa auch um den Wunsch nach mehr Liegewiesen am Neckar oder mehr Plätze zum Feiern in Köngen.

Auch wie die Kandidaten die örtlichen Vereine unterstützen würden, was sie zur anstehenden Sanierung der Burgschule zu sagen haben oder was sie über die Einführung eines Jugendgemeinderats denken, interessierte den Nachwuchs. Ebenso welche Sache sie im Falle ihrer Wahl als Erstes angehen würden oder wie ihre Meinung übers Gendern ist. Die fünf Kandidaten standen jeweils zeitlich begrenzt Rede und Antwort.

Nachwuchs zeigt Interesse – und Ausdauer

Bereits vor zehn Jahren – damals standen allerdings nur zwei Bewerber zur Wahl – hatte es in Köngen eine gesonderte Veranstaltung für Erstwähler gegeben. „Damals war bedingt durch die geringere Anzahl natürlich eine viel direktere Kommunikation möglich“, sagte Jugendhausleiter Matthias Dold. Dennoch war er positiv von der Neuauflage angetan: „Ich denke das Bild ist für viele um einiges klarer geworden.“

Dold freute sich besonders darüber, dass der Köngener Nachwuchs während der kompletten rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung höchst interessiert war: „Es sind alle bei der Stange geblieben. Das hat mich schon positiv überrascht.“

Offizielle Kandidatenvorstellung im Burgforum an diesem Donnerstag

Veranstaltung An diesem Donnerstag, 11. April, lädt die Gemeinde Köngen von 18 Uhr an zur offiziellen Vorstellung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl ins Burgforum. Sechs der acht Bewerberinnen und Bewerber haben bis jetzt ihr Kommen angekündigt.

Ablauf
Jeder Kandidat hat eine Viertelstunde zur persönlichen Vorstellung, im Anschluss stellen sich die Bewerber je zehn Minuten den Fragen aus der Bürgerschaft. Pro Einwohner ist eine Frage zugelassen. Nur der Kandidat, der sich gerade vorstellt, ist auch im Saal.

Livestream Die Veranstaltung wird als Live-Stream auf der Homepage der Kommune übertragen. Abrufbar ist der Stream dort bis Freitag, 19. April.

Wahl Gewählt wird der Rathauschef am 21. April. Entfällt auf keinen Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, gibt es am 5. Mai eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten. Wer dann die meisten Stimmen bekommt, ist gewählt

Eine Kandidatin und sieben Kandidaten

Michael Reichenecker
Der selbstständige Versicherungskaufmann aus Unterensingen ist 49 Jahre alt und hat sich seine Kandidatur gut überlegt. „Die Entscheidung habe ich nicht von heute auf morgen getroffen“, erklärt Reichenecker. Ausschlaggebend seien viele Bürger und Gewerbetreibende gewesen, die ihn direkt auf eine Bewerbung angesprochen hätten. Der Vater zweier Töchter war beruflich immer im kaufmännischen Bereich tätig – vor seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann hat er auch eine Lehre als Außenhandelskaufmann absolviert. Als drängendste Aufgaben in der Gemeinde definiert er die Themen Mobilfunk, Digitalisierung der Verwaltung und Kinderbetreuung. Ebenso will er sich um den Sanierungsstau bei Straßen und Gehwegen, die energetische Sanierung kommunaler Gebäude und die Feuerwehr kümmern. Auch in Sachen Wirtschaftsförderung sieht Reichenecker Handlungsbedarf.

Marcel Sersch
Der Oberboihinger ist 23 Jahre alt und aktuell als Lehrbeauftragter im Fach Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre an der Esslinger Verwaltungsschule für den mittleren Dienst tätig. Nach einer Ausbildung als Fachkraft für Kurier-, Express und Postdienstleistungen bei der Deutschen Post setzte Sersch eine Lehre als Kaufmann im genau gleichen Bereich drauf und war danach in der Personalabteilung der Post tätig. 2021 wechselte Sersch zum Landratsamt Esslingen in die Sachbearbeitung EDV im Finanzwesen und E-Rechnung, die in der Kämmerei angesiedelt ist. „Dort habe ich viele Einblicke in die kommunale Verwaltung gewonnen“, sagt er. Klappt es mit der Wahl, will Sersch nach Köngen ziehen. Neben mehr direkter Bürgerbeteiligung etwa durch Umfragen und regelmäßige Ortsrundgänge mit Bürgern will Sersch auch die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben.

Tim Stober
Der 45-jährige Tim Stober wohnt seit zehn Jahren wieder in Köngen, wo er bereits bis 2004 ansässig war. Der Hundebesitzer ist gut vernetzt, engagiert sich seit vielen Jahren leidenschaftlich für den Köngener Verein gegen unterdrückte Lebensfreude. Der zweifache Familienvater ist aktuell in Ausbildung zum Erzieher an einer Brennpunktschule in Stuttgart, die er aber im Mai abgeschlossen haben wird. Vor dem Start der Erzieherausbildung absolvierte Stober Ausbildungen zum Fliesenleger und zum Industriekaufmann – obendrein hat er einen Meisterbrief in Lagerwirtschaft in der Tasche. An Köngen schätzt er besonders das gute soziale Miteinander: „So ein Netz wie hier gibt es sonst selten.“ Wichtig ist ihm, dass der Köngener Nachwuchs die besten Voraussetzungen findet, besonders einsetzen will er sich für sichere Verkehrswege und die dringend anstehenden Schulsanierungen.

Ciprian Hoffmann
Der 31-jährige Familienvater lebt seit 24 Jahren in Köngen und arbeitet als technischer Planer für die Mercedes Benz AG in Sindelfingen. „Ich bin mit Verwaltungsabläufen, mit der Leitung von Teams und auch mit politischen Gegebenheiten vertraut, sodass ich das Bürgermeisteramt in meiner Heimatgemeinde ausfüllen kann“, betont er. Seine Bewerbung bezeichnet Hoffmann als „Herzenssache“, weil er eine noch bessere Zukunft mitgestalten wolle. „Köngen soll ein Ort bleiben, an dem sich Familien entfalten und ein sicheres, unterstützendes Umfeld finden“, sagt er. In seinem Beruf habe er gelernt, mit allen Menschen auf Augenhöhe zu sprechen. Das wolle er auch künftig tun und nennt die für ihn wichtigsten Themen: Digitalisierung der Verwaltung, Förderung von Gesundheit und Bewegung, Stärkung des Gemeinschaftssinns, transparente Kommunikation und aktive Bürgerbeteiligung.

Gabriel Ileri
Der 33-Jährige lebt seit Kindertagen in Köngen. „Das ist meine Heimat hier“, erklärt er. Deshalb sei es ihm wichtig, sich zu engagieren. Der Diplomverwaltungswirt arbeitet bei der Bundeswehr, wo er auch studiert hat. Stationiert ist Ileri in der Theodor-Heuss-Kaserne in Stuttgart und leitet dort die Abteilung für Finanzen. Ihm liegen besonders die Themen Sicherheit und Versorgung am Herzen. Neben dem Aufbau einer Ortspolizei, die dauerhaft präsent sein soll, hat er sich die sukzessive Sicherstellung einer gemeindeeigenen Strom-, Gas-, Wärme- und Trinkwasserversorgung sowie die Ausschöpfung heimischer Agrarpotenziale durch Zusammenarbeit mit den Lebensmittelproduzenten vor Ort auf die die Fahne geschrieben. Für Aufsehen sorgte Ileri im Wahlkampf mit einem Flugblatt, in dem er harsche Töne anschlug und unter anderem die Kompetenzen seiner Mitbewerber in Frage stellte.

Anja Göttker
Die Speditionskauffrau ist 58 Jahre alt und lebt seit zehn Jahren in Köngen. Geboren ist sie in Gelsenkirchen, aufgewachsen in Winnenden. In ihrer Freizeit ist sie in einer Plochinger Tanzschule aktiv und engagiert sich als Trainerin beim TSV Wolfschlugen, ebenfalls im Tanzsport. In Köngen gefällt Göttker besonders das familiäre Umfeld. Das kommunalpolitische Geschehen verfolgt sie seit langem intensiv, hat sich aber noch nie um ein politisches Amt beworben. „Ich will aktiv an der Weiterentwicklung des Orts mitarbeiten“, sagt sie. Köngen und seine Bewohnerinnen und Bewohner kenne sie gut, schließlich habe sie zehn Jahre lang im Ort Zeitungen ausgetragen. Einsetzen will sie sich besonders für Familien, Jugend und Senioren sowie für sichere und barrierefreie Verkehrswege. Wichtig ist ihr, genau zuzuhören und zu verstehen, welche Themen den Leuten auf den Nägeln brennen.

Ronald Scholz
Bis vor kurzem war der 44-Jährige in Köngen noch geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde. Vor seinem theologischen Wirken war der Volljurist in verschiedenen Positionen, etwa in den Themenfeldern Ordnungs-, Bau-, Kommunalrecht, tätig. Scholz hat an der Uni Heidelberg Rechtswissenschaften studiert und unter anderem im Ordnungs- und Bauamt der Stadt Heppenheim gearbeitet. Als Verwaltungschef möchte er die drängenden Aufgaben in Köngen sofort angehen: die Festplatz-Neugestaltung, die Burgschul-Sanierung, die Entwicklung des HOS-Geländes als Misch-Quartier und ein neues Feuerwehrmagazin. Diese großen und viele kleinere Projekte gelte es voranzutreiben, damit Köngen auch künftig ein attraktiver Wohn- und erfolgreicher Wirtschaftsstandort bleibe. Als Vater liegen Scholz zudem die Themen Bildung und Betreuung am Herzen.

Carlo Keinrad
Der 31-Jährige war der achte und letzte Kandidat, der seine Bewerbung im Rathaus abgegeben hat. Ein Teil seiner Familie ist schon lange in Köngen ansässig, er selbst lebt seit 25 Jahren im Ort und arbeitet aktuell als Assistent der Baustellenleitung beim Großprojekt Stuttgart 21. Die Gemeinde Köngen als seine Heimat liege ihm sehr am Herzen. Besonders engagieren will er sich in der Förderung der kommunalen Selbstverwaltung. So kann er sich beispielsweise die Einführung eines Veto-Rechts für Bürger und Bürgerinnen bei kommunalen Bauprojekten vorstellen. Auch die hohe Steuerlast ist ihm ein Dorn im Auge: „Obwohl wir soviel zahlen, fließt das Geld überall hin. Nur bei uns vor Ort wird zu wenig getan.“ In punkto Sicherheit spricht sich Keinrad für die Wiedereinführung eines eigenen Polizeipostens in Köngen aus, finanziert werden soll das über kommunale Mittel.

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